Keine Schmunzelmonster

So helfen aktivistische Aktionäre dem Aktienkurs auf die Sprünge | 27.04.2018

BÖRSE ONLINE

Eine Analyse von BÖRSE ONLINE,
Martin Hintze | Werbemitteilung

Für viele Menschen sind Heuschrecken potenziell gefährlich, weil sie in Scharen auf Feldern einfallen und ganze Ernten vernichten. Andere wiederum erkennen ihren Nutzen, denn eine ganze Reihe der possierlichen Hüpfer vertilgt schädliche Insekten. So ähnlich ist es mit den Investoren, die sich – oft über Hedgefonds – in Unternehmen einkaufen und sie umgestalten, um sie nach kurzer Zeit höchstbietend zu Geld zu machen. Auch sie gelten vielen als unliebsam, weshalb sie eben oft als „Heuschrecken“ tituliert werden. Andere sehen, dass diese aktivistischen Investoren keineswegs nur Negatives bewirken.
Tatsächlich haben Hedge-Fonds mit aktivistischem Ansatz wie Cevian oder TCI in der Vergangenheit überdurchschnittliche Renditen erzielt. Kein Wunder, denn in vielen Fällen wirken solche Anteilseigner quasi als heilsames Korrektiv, wenn sie etwa fordern, Barmittel als Dividenden auszuschütten, Unternehmensteile abzuspalten oder die Strategie an veränderte Marktgegebenheiten anzupassen. Damit, meint Steve Roberts von PwC, „rütteln sie Unternehmen wach, die sich in der Komfortzone befinden“. Und Michael Schmidt von Deka Investment sieht Überschneidungen zwischen engagierten Investoren und klassischen Vermögensverwaltern: „Beide Gruppen wollen Einfluss nehmen, um Wertsteigerungen ihrer Investments zu erreichen.“

Kursplus nach Einstieg

Das wissen auch Privatanleger, die – bei rascher Reaktion – durchaus gewinnbringend auf den Zug aufspringen können, wenn sich ein aktivistischer Investor in ein Unternehmen einkauft. Schon die Auswahl durch die Fonds klingt vielversprechend: „In der Regel investieren wir in gesunde Unternehmen, die von den Anlegern übersehen werden, die missverstanden oder in Ungnade gefallen sind“, heißt es etwa beim schwedischen Cevian, der ohnehin als besonders konstruktiver Großanleger gilt. Schon die Meldung, dass eine solche Beteiligung erfolgt ist, lässt den Wert der betroffenen Aktien laut einer Studie innerhalb von 20 Tagen um durchschnittlich rund sieben Prozent steigen. Auch mittel- bis langfristig partizipieren Aktionäre häufig vom Einsatz der Aktivisten. Allerdings finden nicht alle Aufsichtsräte und Konzernlenker das Engagement gut – schließlich wollen die neuen Anteilseigner im Sinne der Rendite auch bei Salär und Macht der Manager mitreden. Und nicht selten verlieren Vorstandsmitglieder im Scharmützel mit den Aktivisten ihre Jobs.
Beispiel GEA: Der Maschinenbauer, der sich vor allem auf die milchverarbeitende Industrie spezialisiert hat, kommt seit vielen Monaten nicht recht vom Fleck. Mittlerweile haben die Düsseldorfer gleich zwei aktivistische Großaktionäre an Bord: den belgischen Unternehmer Albert Frère sowie Paul Singer mit seinem Hedgefonds Elliott. Diese Nachricht reichte im Oktober 2017, um den Aktienkurs um fast acht Prozent nach oben schießen zu lassen. Doch mittlerweile resultiert auf Jahressicht bereits ein Kursminus von rund 18 Prozent. Einige Ereignisse deuten aber darauf hin, dass die Aktivisten ihre Macht ausspielen. So hob der Konzern die Dividende trotz eines Gewinnrückgangs leicht an. Ein Aktienrückkaufprogramm wurde abgeschlossen. Außerdem werden Firmenchef Jürg Oleas und Finanzvorstand Helmut Schmale ihre Sessel räumen. Insgesamt geht es bei GEA vordergründig ruhig zu. Dabei dürfte Elliott darauf drängen, die Margen deutlich zu verbessern. Analysten sind recht optimistisch. „GEA verfügt, verborgen unter all dem Schlamassel, über starke Vermögenswerte“, meint Felicitas von Bismarck von der Deutschen Bank. Und Hans-Joachim Heimbürger von Kepler Cheuvreux sieht in dem Anlagenbauer aufgrund günstiger Bewertung und technologischer Kompetenz einen Übernahmekandidaten – was für Aktionäre einen echten Bonus bedeuten könnte.

Auseinandersetzung hilft

Knapp 20 Prozent des Automobilzulieferers Grammer gehören – über die Firmen Cascade und Halog – mittlerweile der bosnischen Investorenfamilie Hastor. Diese wollte den Aufsichtsrat aufmischen und den Konzernchef Hartmut Müller absetzen. Doch auf der Hauptversammlung scheiterte sie am hartnäckigen Widerstand einer größeren Aktionärsgruppe. Die resultierende Unsicherheit – Mitarbeiter warnten auf Plakaten: „Hast du Hastor erst im Haus, gehen bald die Lichter aus“ – schlug sich auch aufs Geschäft nieder, Großaufträge wurden verloren. Doch dann meldeten die Amberger für 2017, man sei „mit Umsatzrekord und gestiegener Profitabilität auf Erfolgskurs“. Die Baader Bank schrieb in einer Analyse, nach den Querelen mit dem Großaktionär Hastor 2017 dürfte das Geschäft nun zur Normalität zurückkehren. Zugleich zeigte sich das Grammer-Management optimistisch für 2018.

120 Prozent Gewinn in rund zwei Jahren – so viel hat Guy Wyser-Pratte mit dem Raumfahrtkonzern OHB verdient. Zwar verkaufte Wyser-Pratte mittlerweile seine Anteile. Vorher allerdings sorgte er für jede Menge Aufmerksamkeit, etwa indem er zwei offene Briefe an Vorstandschef Marco Fuchs schrieb, in denen er die Führungsstruktur der Bremer kritisierte. Der Aufsichtsrat sei nicht unabhängig, mehrere Führungspersonen seien zu alt, hieß es. Allerdings unterschätzte Wyser-Pratte offenbar die Macht der Eignerfamilie Fuchs (rund 70 Prozent). Immerhin: Dem Aktienkurs half die öffentliche Auseinandersetzung. Und der Geschäftsverlauf gibt Fuchs recht: Der Umsatz stieg 2017 um 18 Prozent auf 860 Millionen Euro, in diesem Jahr soll er eine Milliarde Euro erreichen. Auch der Gewinn wächst.

Mehr deutsche Ziele

„Stada galt Jahrzehnte als gesunder, finanzstarker Pharmakonzern. Davon kann nach all der Unruhe und dem Vorstandswechsel keine Rede mehr sein. Strippenzieher der Misere: der bekannte Hedgefonds-Manager Paul Singer. Er lehrte schon manchem Firmenchef und Finanzvorstand das Fürchten.“ Das schrieb „Bild“ vor wenigen Wochen unter der Headline „Achtung, die Heuschrecken kommen!“ über das MDax-Mitglied. Tatsächlich hat bereits die Investmentgesellschaft AOC für Unruhe bei Stada gesorgt. Der aktivistische Investor war 2016 bei Stada eingestiegen und hatte auf Veränderungen im Geschäftsmodell gedrängt sowie Aufsichtsratschef Martin Abend zu Fall gebracht. Mit einem Aufschlag von knapp 50 Prozent verkaufte er seine Anteile nach Jahresfrist wieder. Doch dann stieg er wieder ein. Mittlerweile hält Singer fast zehn Prozent der Stada-Aktien. Unklar ist, wie er sein Ziel – einen höheren Unternehmenswert – erreichen will. So ist die Wahrscheinlichkeit, dass er seine Anteilsscheine recht zeitnah versilbern wird, groß. Die Singer-Vasallen haben jedenfalls schon jetzt die neue Strategie umgesetzt, wonach sich das Unternehmen nun auf Markenprodukte, Nachahmermedikamente und Spezialpharmazeutika fokussiert. Leiden müssen zunächst die Aktionäre – die Dividende wurde gekürzt.
Es bleibt spannend, für die betroffenen Unternehmen, für die Aktionäre und für die Zukunft. Denn nach Einschätzung von Kapitalmarktbeobachtern nehmen aktivistische Aktionäre immer häufiger deutsche Ziele ins Visier. Und immer größere auch. Auf entsprechende Meldungen zu achten könnte sich also lohnen.

Investment-Beispiele Aktien:

GEA Group

ISIN

DE0006602006

Aktueller Kurs

32,51 €

KGV* (2018)

17,2

Gewinn/Aktie (2018**)

1,88 €

Dividende (2018**)

0,88 €

Dividendenrendite (2018**)

2,7 %

Grammer

ISIN

DE0005895403

Aktueller Kurs

51,73 €

KGV* (2018)

11,2

Gewinn/Aktie (2018**)

4,60 €

Dividende (2018**)

1,48 €

Dividendenrendite (2018**)

2,9 %

OHB

ISIN

DE0005936124

Aktueller Kurs

36,28 €

KGV* (2018)

23,9

Gewinn/Aktie (2018**)

1,53 €

Dividende (2018**)

0,44 €

Dividendenrendite (2018**)

1,2 %

Stada

ISIN

DE0007251803

Aktueller Kurs

84,77 €

KGV* (2018)

23,6

Gewinn/Aktie (2018**)

3,55 €

Dividende (2018**)

1,47 €

Dividendenrendite (2018**)

1,8 %

*KGV: Kurs-Gewinn-Verhältnis; ** Prognose; Stand: 27.4.2018


Ihre Bewertung

War dieser Artikel hilfreich für Sie? Vielen Dank! Vielen Dank! Vielen Dank!


Rechtliche Hinweise

Bei den vorgenannten Informationen handelt es sich nicht um eine Finanzanalyse, sondern um eine Marketingmitteilung. Diese erfüllt nicht alle gesetzlichen Anforderungen zur Förderung der Unabhängigkeit von Finanzanalysen. Darüber hinaus unterliegen die besprochenen Finanzinstrumente keinem Verbot des Handels im Anschluss an die Verbreitung von Finanzanalysen.

Es handelt sich um die unveränderte Weitergabe von Analysen, Trendaussagen, Marktberichten bzw. sonstigen Marktinformationen von Dritten durch die ING-DiBa AG. Für den Inhalt der wiedergegebenen Analysen und Meinungen ist ausschließlich die JDB Media GmbH (hier tätig als Redaktion für BÖRSE ONLINE), Schanzenstraße 70 in 20357 Hamburg, bzw. der angegebene Autor verantwortlich. Die Inhalte geben nicht die Meinung der ING-DiBa AG wieder, sondern des jeweiligen Autors der angegebenen Quelle. Die ING-DiBa AG übernimmt keine Gewähr für den Inhalt, die Richtigkeit, die Vollständigkeit oder die Aktualität der Informationen. Die Auswahl der Produktvorschläge zu den Analysen erfolgt durch den/die jeweils angegebenen Autor/-en. Der Autor erklärt: "Hiermit versichere ich, die vorliegenden Beiträge gewissenhaft und unter Berücksichtigung der journalistischen Sorgfaltspflicht verfasst zu haben. Außerdem erkläre ich, dass ich keines der erwähnten Wertpapiere besaß oder besitze noch einen Kauf im zeitlichen Zusammenhang mit der Veröffentlichung vornehmen werde. Ein Interessenkonflikt liegt nicht vor."
Bei dieser Werbemitteilung handelt es sich nicht um ein Angebot oder eine Empfehlung zum Kauf, Halten oder Verkauf von Wertpapieren oder Finanzinstrumenten. Die Informationen ersetzen keine fachmännische, persönliche und anlage- und anlegergerechte Beratung. Rechtlich verbindliche Informationen entnehmen Sie bitte ausschließlich den jeweiligen Wertpapierprospekten und endgültigen Bedingungen.
Wertentwicklungen der Vergangenheit sind kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung. Die ING-DiBa weist darauf hin, dass die besprochenen Produkte zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals führen können. Bitte informieren Sie sich vor Erwerb von Finanzinstrumenten über die jeweiligen Chancen und Risiken.