Anlagestrategien

Teil 2: Dividendenstrategien – Von Hunden und Aristokraten

Auf der Suche nach einer geeigneten Anlagestrategie sollten Anleger eine wichtige Ertragskomponente nicht vergessen: die Dividende. Die Bedeutung die Profis den Gewinnbeteiligungen beimessen, zeigt sich an den zahlreichen Dividendenstrategien, die es gibt. Doch auch hierbei gilt es, auf ein paar wichtige Grundregeln zu achten und sich nicht von hohen Ausschüttungen blenden zu lassen.

Dividenden sind eine nicht zu vernachlässigende Ertragskomponente. Dies zeigt beispielhaft der Vergleich zwischen dem DAX in seiner geläufigen Berechnung als Performanceindex und als Kursindex. Während der DAX-Performanceindex in den vergangenen 5 Jahren (20.02.2012 bis 17.02.2017) rund 69,2 % an Wert gewann, fiel der Wertzuwachs beim Kursindex mit 45,2 % deutlich geringer aus. Nun sind vergangene Wertentwicklungen kein zuverlässiger Indikator für eine künftige Entwicklung. Allerdings wird der DAX-Performanceindex auch in Zukunft die Nase vorn haben, denn für den Unterschied in der Wertentwicklung gibt es eine einfache Erklärung. So werden in den Performanceindex die ausgeschütteten Dividenden mit eingerechnet, während der Kursindex allein die Kursentwicklung der im Index enthaltenen Werte berücksichtigt.

Dogs of the Dow

Eine der bekanntesten Dividendenstrategien stammt aus den USA und nennt sich „Dogs of the Dow“. Hierbei spielt die Dividendenrendite eine wichtige Rolle. Die Strategie sieht vor, dass Anleger ihr Kapital zu Beginn eines jeden Jahres zu gleichen Teilen in die 10 Aktien des Dow Jones Industrial Average (Dow Jones) investieren, die die höchste Dividendenrendite aufweisen. Berechnen lässt sich die Dividendenrendite (in Prozent), indem man die Dividende je Aktie durch den aktuellen Börsenkurs teilt und anschließend mit 100 multipliziert. Die ausgewählten Aktien werden ein Jahr lang gehalten. Zu Beginn des folgenden Jahres überprüft man, ob die 10 Aktien noch immer die 10 Indexmitglieder mit der höchsten Dividendenrendite sind. Titel, die dieses Kriterium nicht mehr erfüllen, werden ausgetauscht und wiederum ein Jahr bis zu nächsten Überprüfung gehalten.

Auch wenn die „Dogs of the Dow“-Strategie in der Vergangenheit oftmals eine bessere Wertentwicklung als der Dow Jones erzielen konnte, gibt es keine Garantie dafür, dass sich diese Entwicklung in der Zukunft fortsetzt. Zudem gab es auch in der Historie Jahre, in denen der Dow Jones besser abschnitt als die Dogs. Ein Überblick über die aktuellen Kandidaten sowie die historischen Ergebnisse gibt es auf www.dogsofthedow.com.

„Low-Five“-Strategie

Eine Weiterentwicklung der „Dogs oft he Dow“-Strategie stellt die von Michael O´Higgins veröffentlichte „Low-Five“-Strategie dar. Ebenso wie bei der „Dogs oft he Dow“-Strategie werden hier zu Jahresbeginn zunächst die 10 Titel des Dow Jones mit der höchsten Dividendenrendite ermittelt. Anschließend werden von diesen 10 Titeln die 5 Aktien mit den niedrigsten Kurs ausgewählt. Auch diese werden 1 Jahr lang gehalten, bevor zu Beginn des folgenden Jahres eine Anpassung erfolgt, sofern die 5 Kandidaten die beiden Auswahlkriterien nicht mehr erfüllen.

Für die „Low-Five“-Strategie gibt es weitere Abwandlungen, die einem Problem im Zusammenhang mit der Dividendenrendite Rechnung tragen. Hohe Dividendenrenditen können sich nicht nur aus einer hohen Dividende ergeben. Ebenso können sie das Ergebnis eines starken Kursrückgangs der jeweiligen Aktie sein. Und ein solcher muss stets hinterfragt werden. Zeichnen sich ernste Probleme in der Geschäftsentwicklung eines Unternehmens ab, kann es passieren, dass das die künftige Dividende niedriger und ganz ausfällt. O´Higgins selbst beobachtete, dass sich die Low-5-Aktie mit dem niedrigsten Kurs oftmals sehr schlecht entwickelte, und schlussfolgerte daraus, dass sich das Unternehmen in einer schwierigen Lage befinden musste, wenn die Aktie länger als 1 Jahr benötigt, um im Kurs zu steigen. Verschiedene Modifizierungen der „Low-Five“-Strategie greifen diesen Gedanken auf, indem sie z. B. die Aktie mit dem niedrigsten Kurs gar nicht berücksichtigen und der Aktie mit dem zweitniedrigsten Kurs das doppelte Gewicht geben. Allerdings ist die Verringerung der Aktienanzahl unter dem Gesichtspunkt der Risikoverteilung durchaus kritisch zu bewerten.

Von Aristokraten und Adeligen

Bei der Auswahl von Dividendentiteln sollten Anleger zudem nicht nur auf die Höhe der Ausschüttung achten. Ebenso wichtig ist es, dass ein Unternehmen Jahr für Jahr eine Dividende zahlt. Eine kontinuierliche Dividendenzahlung kann als Beleg für ein funktionierendes Geschäftsmodell gewertet werden. Steigt aufgrund der positiven Gewinnentwicklung zudem die Höhe der Dividende im Zeitablauf sukzessive an, ist dies ein weiteres positives Signal. Diese Gedanken greifen die Dividenden-Aristokraten-Indizes von Standard & Poor’s (S&P) auf. So enthält beispielsweise der S&P 500 Dividend Aristocrats Index nur solche Aktien aus dem S&P 500, deren Dividende in den vergangenen 25 Jahren jedes Jahr gestiegen ist.

Anleger sollte bei diesem Ansatz jedoch darauf achten, dass die Dividenden ohne Probleme aus dem erwirtschafteten Gewinn ausgeschüttet werden können. Muss ein Unternehmen Rückstellungen auflösen, um Dividenden auszuschütten oder setzt es die Ausschüttung auch bei sinkenden Gewinnen in unveränderter Höhe fort, ist das ein Warnsignal. In diesem Fall gilt es zu schauen, ob die Unternehmensführung Maßnahmen ergreift (z. B. Kostensenkungen, Effizienzsteigerungen), um eine positive Gewinnentwicklung und Kontinuität bei den Dividenden auch für die Zukunft sicherzustellen.


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