Anlagestrategien

Teil 4: Dividendenstrategien – Kennen Sie CANSLIM?

Ratschläge, wie man bei der Geldanlage am besten vorgeht, gibt es unzählige. Privatanleger sollten vor allem darauf achten, dass Sie einer Strategie folgen, die auf klar definierten Regeln fußt. Dies erleichtert die konsequente und disziplinierte Umsetzung der Strategie. Ein sehr gutes Beispiel hierfür ist die von William O’Neil entwickelte CANSLIM-Methode.

Das Ziel der CANSLIM-Methode besteht darin, Aktien von Unternehmen zu finden, die eine sehr positive Wertentwicklung erwarten lassen. Um solche Werte ausfindig zu machen, studierte O’Neil zahlreiche Charts von Unternehmen, die über mehrere Jahre hinweg einen starken Kursanstieg vollzogen. Dabei suchte er nach Gemeinsamkeiten, die alle diese Unternehmen aufwiesen, bevor sie stark an Wert gewannen. Seine Ergebnisse fasste O’Neil in einem Auswahlprozess zusammen, der CANSLIM-Methode. Jeder Buchstabe in dem Wort CANSLIM steht dabei für die (englische) Beschreibung der insgesamt sieben Auswahlkriterien, die sowohl fundamentale als auch charttechnische Faktoren berücksichtigen.

C= Current big or accelerating quarterly earnings per share

Steigende Gewinne sind für O'Neil besonders wichtig. So soll der Gewinn je Aktie im aktuellen Quartal um mindestens 18 bis 20 Prozent über dem Gewinn des Vorjahresquartals liegen. Durch den Vergleich mit demselben Quartal des Vorjahres sollen eventuelle saisonale Einflüsse, die das Bild verzerren, ausgeklammert werden. Zudem gilt es, darauf zu achten, dass die Gewinnsteigerung nicht auf einem einmaligen Sondereffekt (z.B. durch den Verkauf eines Unternehmensteils) oder auf Aktienrückkäufen beruhen. Kauft ein Unternehmen eigene Aktien zurück und zieht diese ein, verteilt sich der Gewinn auf weniger Aktien und legt allein deshalb zu.

A = Annual earnings increases

Wichtig ist zudem, dass das Unternehmen nicht nur aktuell einen hohen Gewinnanstieg aufweist, sondern auch in den letzten fünf Jahren einen kontinuierlichen Zuwachs beim Gewinn je Aktie verzeichnet hat, der Jahr für Jahr größer wurde.

N = New products, new management, new highs

Der dritte Schritt im Auswahlprozess widmet sich der Frage, ob das Unternehmen ein neues Produkt auf den Markt gebracht hat, eine neue Dienstleistung anbietet, in einen neuen Markt eintritt oder ob ein neues Management für Innovationen sorgt bzw. mit einer neuen Strategie frischen Wind in die Geschäftsentwicklung bringt. Gewissermaßen wird hier also nach der Ursache für den starken Gewinnanstieg und die erwartete weiterhin positive Geschäftsentwicklung gefragt. Beispiele für innovative neue Produkte waren seinerzeit iPod, iPhone und iPad. Der Punkt neue Hochs bezieht sich auf den richtigen Kaufzeitpunkt. Dieser ist dann gekommen, wenn die Aktie im Anschluss an eine erfolgreich abgeschlossene Konsolidierung oder Bodenbildung unter zunehmenden Umsätzen auf ein neues Hoch (52-Wochen-Hoch oder Allzeithoch) steigt.

S = Supply and demand

Hier geht es um Angebots- und Nachfragesituation bei der Aktie. An entscheidenden Schlüsselstellen, z.B. bei der Bekanntgabe neuer Geschäftsergebnisse oder wenn die Aktie einen markanten Widerstand überwindet, sollte eine hohe Nachfrage nach der Aktie bestehen, was sich an hohen Umsätzen ablesen lässt. Ist die Zahl der ausgegebenen Aktien vergleichsweise gering, kann an entscheidenden Schlüsselstellen leichter ein erhöhter Kaufdruck entstehen, da der höheren Nachfrage nur wenig Angebot (Aktien) gegenübersteht.

L = Leader or laggard?

Der nächste Schritt besteht darin, zu prüfen, ob das Unternehmen zu den Marktführern in seiner Branche zählt (führende Technologie oder führend bei Marktanteilen) und die Aktie zu den stärksten Aktien der Branche zählt. Unternehmen, die den Marktführern hinterherhinken (Nachzügler), sollten dagegen gemieden werden. Marktführer erzielen oftmals höhere Gewinnmargen, was sich entsprechend positiv auf die Profitabilität auswirkt. Zudem sollte die Aktie des Unternehmens zu den Aktien der Branche gehören, die in den vergangenen 12 Monaten die beste Kursentwicklung aufwiesen.

I = Institutional sponsorship

Hier geht es um die Frage, ob institutionelle Investoren am Unternehmen beteiligt sind. Dabei handelt es sich hauptsächlich um Banken, Fonds und Versicherungen. Einige von ihnen (3 bis 5) sollten sich bereits an dem Unternehmen beteiligt haben. Ohne die Beteiligung institutioneller Investoren müssen die Erfolgsaussichten des Unternehmens kritisch hinterfragt werden. Andererseits sollte die Zahl der institutionellen Investoren am Anfang noch nicht zu hoch sein, denn nur ein kontinuierlicher Zuwachs an Investoren, die sich mit größeren Summen am Unternehmen beteiligen, sorgt für eine kontinuierlich steigende Nachfrage nach der Aktie.

M = Market direction

Auch wenn alle anderen Kriterien erfüllt sind, so kommt es am Ende noch darauf an, wohin sich der Markt bewegt. Und der Markt sollte sich nach oben bewegen, sprich die großen internationalen Aktienindizes weisen steigende Kursnotierungen auf. Denn selbst wenn ein Unternehmen gute Wachstumsvoraussetzungen aufweist, wird es dessen Aktie in einem Umfeld weltweit fallender Aktienmärkte schwerer haben, Kurssteigerungen zu erzielen, als in einem Umfeld weltweit steigender Aktienkurse.

Wann wird verkauft?

Ebenso wichtig wie die Fragen, wie und wo man investiert, ist die Frage, wann man ein Investment beendet. O’Neil war sich bei der Konzipierung seiner Methode bewusst, dass nicht jede Investmententscheidung von Erfolg gekrönt ist. Daher sollen Verluste immer auf höchstens sieben bis acht Prozent begrenzt werden. Gewinne sollten realisiert werden, wenn die Aktie um 20 Prozent gestiegen ist. O’Neil hatte bei seinen Studien erkannt, dass Aktien mit einer erfolgreichen Kursentwicklung im Anschluss an den Ausbruch aus einer korrekten Konsolidierung oft um 20 bis 25 Prozent an Wert gewannen, ehe der Kurs wieder zurückging. Eine Ausnahme von dieser Regel gilt nur dann, wenn die Aktie innerhalb von zwei bis drei Wochen um 20 Prozent steigt. In diesem Fall sollte die Aktie mindestens acht Wochen gehalten werden, um an der Stärke dieser Aktien länger teilzuhaben.


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