Anlagestrategien

Teil 1: Die Value-Strategie – So investieren Warren Buffett & Co.

Wer Vermögen aufbauen will, sollte einen Plan verfolgen. Damit ist nicht nur der Sparplan gemeint, sondern vor allem die Strategie, wie man am Kapitalmarkt investiert. In unserer neuen Serie stellen wir Ihnen verschiedene Anlagestrategien vor. Den Anfang macht die Value-Strategie, deren erfolgreiche Umsetzung Warren Buffett zu einer Legende unter den Investoren machte.

Das Ziel der Value-Strategie besteht darin, werthaltig zu investieren, also die Aktien von guten Unternehmen zu einem günstigen Preis zu erwerben. In Zeiten, in denen die globalen Aktienmärkte länger andauernde Kursanstiege auf breiter Front verzeichnen (Hausse), wird die Zahl potenzieller Investmentkandidaten, die man zu einem günstigen Preis erwerben kann, eher niedrig ausfallen. Umgekehrt wird es in Phasen mit einem länger anhaltenden Kursverfall (Baisse) eine deutlich größere Auswahl an guten Unternehmen geben, deren Aktien mit dem allgemeinen Markttrend nachgeben und daher zu einem günstigen Preis erworben werden können.

Auswahlkriterien für Value-Investments:

Stellt sich die Frage, woran man ein gutes Unternehmen erkennt? Hier ist es ratsam, sich an den Kriterien zu orientieren, die namhafte Value-Investoren wie Warren Buffett oder sein Lehrmeister Benjamin Graham ihren Investmententscheidungen zugrunde gelegt haben.

  • Beständiges Geschäftsmodell

Value-Investoren konzentrieren sich bei ihren Investments auf Qualitätsunternehmen mit einem bewährten Geschäftsmodell. Um beurteilen zu können, ob ein Geschäftsmodell beständig ist, muss man es zunächst verstehen. Denn nur so können die künftigen Geschäftsaussichten beurteilt werden. Hat man sich vom Unternehmensgegenstand ein Bild gemacht, schaut man sich die Gewinnentwicklung an. Die Gewinne sollten in den vergangenen 10 Jahren möglichst gleichmäßig gestiegen sein. Für Unternehmen, deren Gewinnentwicklung in der Vergangenheit stark schwankte, sind die künftigen Aussichten schwerer zu ermitteln, da hier zunächst die Gründe für die Schwankungen analysiert werden müssen. Graham empfahl für das Gewinnwachstum der letzten 10 Jahre einen Wert von durchschnittlich 7 %. Außerdem sollte es in diesem Zeitraum höchstens zweimal zu Gewinnrückgängen von maximal 5 % gekommen sein.

  • Wettbewerbsvorteile

Positiv gestalten sich die Geschäftsaussichten, wenn ein Unternehmen über Produkte oder Dienstleistungen verfügt, die weltweit benötigt werden. Dies eröffnet Wachstumschancen in vielen Märkten. Eine gute, im besten Fall führende Marktposition ist ebenfalls ein wichtiges Kriterium, das ein potenzieller Kaufkandidat erfüllen sollte. Wettbewerbsvorteile wie starke Marken und/oder Technologievorsprünge sind weitere Pluspunkte auf der Checkliste, denn sie bilden gewissermaßen einen Burggraben um das Unternehmen, der es Konkurrenten erschwert, in das gleiche Geschäft einzusteigen und dem Unternehmen Marktanteile abzujagen.

  • Rentabel und geringe Verschuldung

Werden die Kriterien erfüllt, sollte es den Unternehmen auch gelingen, eine hohe Eigenkapitalrendite zu erwirtschaften. Buffet selbst hat hier eine Zielvorgabe von 20 % oder mehr. Ebenso wichtig ist eine niedrige Verschuldung. Der Verschuldungsgrad, der sich aus dem Verhältnis von Fremdkapital zu Eigenkapital ergibt, sollte nach Möglichkeit unter 50 % liegen. Je höher der Verschuldungsgrad, desto mehr wird das Wachstum des Unternehmens durch Fremdkapital finanziert und desto stärker ist das Unternehmen von seine Kreditgebern abhängig.

Außerdem achtet Buffet darauf, dass sich mit dem Geschäft eine hohe Gewinnmarge sowie ein hoher Free Cashflow erzielen lassen. Der Free Cashflow sind die Mittel, über die das Unternehmen frei verfügen kann, z. B. um Zinsen zu zahlen, Kredite zu tilgen oder Dividenden auszuschütten. Graham legte Wert auf eine hohe Dividendenrendite. Der Ausfall der Dividendenzahlung war für ihn ein Grund zum Verkaufen. Um eine Einschätzung darüber treffen zu können, ob Gewinnmarge und Free Cashflow entsprechend hoch ausfallen, sollten sie mit den Werten der vergangenen Jahre und denen anderer Unternehmen der gleichen Branche verglichen werden.

  • Vertrauenswürdiges Management

Neben der Unternehmensbewertung ist ein integres Management für Value-Investoren von großer Bedeutung. Das Management sollte darauf bedacht sein, den Unternehmenswert langfristig zu steigern, indem es Gewinne sinnvoll einsetzt und Innovationen vorweisen kann. Durch die Entwicklung neuer Technologien oder Produkte erhält das Unternehmen seinen Vorteil im Wettbewerb und damit die Aussicht auf ein weiteres Gewinnwachstum. So wird ein Mehrwert für die Aktionäre geschaffen. Darüber hinaus sollte das Management stets offen und ehrlich über die Lage des Unternehmens berichten, sowohl in wirtschaftlich guten als auch in schwierigen Zeiten.

Doch wie können sich Privatanleger von der Integrität des Managements ein Bild machen? Termine für ein persönliches Gespräch werden an Privatanleger eher selten vergeben. Ihr Forum sind Hauptversammlungen, die inzwischen oftmals auch im Internet übertragen werden und eine gute Möglichkeit bieten, sich einen Eindruck vom Management zu machen. Dieses erläutert auf der jährlichen Aktionärsversammlung u. a. die Strategie für die Zukunft und muss sich auch unbequemen Fragen stellen, sofern es Anlass hierfür gibt.

  • Qualität günstig einkaufen

Sind potenzielle Investmentkandidaten gefunden, geht es darum, diese mit einem Abschlag zu ihrem inneren Wert zu kaufen, also dann, wenn die Kurse zur Schwäche neigen. Sind die zuvor genannt Kriterien erfüllt, sollte der Markt den wahren Wert dieser Qualitätsunternehmen erkennen und die Unterbewertung abbauen. Bis es so weit ist, können allerdings mehrere Jahre ins Land gehen, weshalb sich die Value-Strategie in erster Linie für konservative Investoren mit einem langfristigen Anlagehorizont eignet.

Eine Garantie dafür, dass ein Investment nach der Value-Strategie zum Erfolg führt, gibt es natürlich ebenso wenig wie für andere Anlagestrategien. So kann es passieren, dass sich die Aussichten für ein Unternehmen nach dem Kauf verschlechtern und nicht mehr alle Kriterien für einen Kauf erfüllt sind. In diesem Fall sollte konsequenterweise die Reißleine gezogen und das Investment beendet werden. Darüber hinaus gibt es verschiedene Einflussfaktoren, wie z. B. geopolitische Krisen, die nur schwer vorhersehbar sind, sich aber negativ auf die Finanzmärkte und somit auch auf die Entwicklung eines Value-Investments auswirken können.


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