Ausblick 2017

Konjunkturelle Zuversicht und politische Unwägbarkeiten

Nach einem schwierigen und volatilen Börsenjahr 2016 spielen die wirtschaftlichen Perspektiven für 2017 den Aktienmärkten in die Karten – wären da nur nicht wieder die politischen Unsicherheiten.

„Politische Börsen haben kurze Beine“ heißt es in einer der am häufigsten zitierten Börsenweisheiten, die in der Regel auch immer wieder bestätigt wird. Nehmen politische Ereignisse Einfluss auf den Aktienmarkt, hält dieser meist nicht sonderlich lange an. Früher oder später setzen sich dann eben doch wieder die fundamentalen Faktoren durch. So benötigten die Märkte nach dem Brexit-Entscheid in Großbritannien einige Tage, um den kurzfristigen Sell-Off aufzufangen. Der zwischenzeitliche Schock über die Wahl von Donald Trump zum kommenden US-Präsidenten wurde bereits binnen weniger Stunden verarbeitet. Dennoch sorgen unerwartete politische Ereignisse immer wieder für Turbulenzen an den Finanzmärkten.

Wichtige politische Entscheidungen stehen an

2017 dürfte eines der am stärksten politisch geprägten Jahre dieses Jahrzehnts werden – gerade innerhalb Europas. So bereiten sich die Niederlande bereits auf die Parlamentswahl im März vor, in Frankreich wird Ende April ein neuer Präsident gewählt und die Bundestagswahl in Deutschland im Herbst dürfte ihre Schatten schon um Monate vorauswerfen. Dazu werden die Brexit-Verhandlungen die Märkte voraussichtlich das ganze Jahr über begleiten – nach dem geplanten Start der Verhandlungen im März dieses Jahres will die EU die Details bis Oktober 2018 ausgehandelt haben.

Donald Trump wird der 45. US-Präsident

Zunächst steht am 20. Januar jedoch die offizielle Ernennung Donald Trumps zum neuen US-Präsidenten auf der Agenda. Unter anderem mit milliardenschweren Investitionen in Infrastrukturprojekte und spürbaren Steuerentlastungen für Unternehmen und private Haushalte will der künftige Präsident das Wachstum der größten Volkswirtschaft der Welt verdoppeln. Bereits der volkswirtschaftliche Datenkranz der vergangenen Monate signalisierte, dass die US-Wirtschaft im Jahresverlauf 2016 an Fahrt zulegen konnte. In der Hoffnung auf eine zunehmend positive Entwicklung der US-Wirtschaft hat die Wall Street im Anschluss an die Präsidentschaftswahl bereits auf neue Allzeit-Hochs zugelegt, die Wirtschaftsdaten der kommenden Monate dürften damit mitentscheidend für die internationale Börsentendenz sein.

Robuste Weltkonjunktur

Das weltweite Wirtschaftswachstum scheint sich stabil oberhalb von 3 Prozent zu halten, auch weil China in den vergangenen Quartalen wieder in die Spur gefunden hat. Für Deutschland rechnen die wichtigsten Konjunkturforscher mit einem Wachstum von knapp 2 Prozent. Trotz einer möglichen Aufkündigung von Handelsabkommen und Einführung von Strafzöllen durch die USA könnte gerade die deutsche Industrie zu den größten Profiteuren der Investitionsprogramme in Amerika gehören, ist die deutsche Exportwirtschaft doch der wichtigste Zulieferer für eine ganze Reihe der wichtigsten US-Industriezweige.

Notenbanken als wichtige Stützen

Der Job der Notenbanken bleibt indes schwierig. So sieht sich die US-Notenbank dem Drahtseilakt gegenüber, die eingeleitete Zinswende weiter fortzuführen, ohne dabei mit einem noch stärkeren US-Dollar der US-Wirtschaft den Wind aus den Segeln zu nehmen. In Europa dürfte die expansive Geldpolitik nämlich noch eine Weile andauern, erst im Dezember hat die Europäische Notenbank eine Verlängerung des Wertpapierankaufprogramms bis Ende 2017 bekannt gegeben. Schaut man auf die volkswirtschaftlichen Rahmendaten und die Entwicklung der Unternehmensgewinne, scheinen die Chancen auf ein per saldo positives Aktienjahr 2017 gut zu stehen. Anleger sollten sich aber gerade der politischen Risiken bewusst sein und Überraschungen einkalkulieren – vielleicht noch etwas mehr als im vergangenen Jahr.


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