Ausblick 2018

Zwischen konjunkturellem Aufschwung und geldpolitischer Normalisierung | 04.01.2018

Nach einigen schwierigen Jahren scheint die Weltwirtschaft die Trendwende vollzogen zu haben, weshalb die Notenbanken von ihrer expansiven Geldpolitik allmählich abrücken.

Der konjunkturelle Aufschwung hat im zurückliegenden Jahr weltweit an Breite und Stärke gewonnen und sollte sich auch 2018 fortsetzen können. Vor allem die europäische Wirtschaft hat zuletzt an Fahrt gewonnen. Auch für Deutschland wurden die Wachstumsschätzungen der volkswirtschaftlichen Institute in den vergangenen Monaten mehrfach nach oben angepasst. Die Auftragsbücher der deutschen Wirtschaft sind prall gefüllt, die Industrie arbeitet an ihrer Kapazitätsgrenze und auf dem Arbeitsmarkt ist mancherorts bereits ein Engpass bei qualifiziertem Personal zu erkennen. Das unerwartete Scheitern der Jamaika-Verhandlungen sollte die deutsche Konjunktur zunächst nur wenig belasten, wichtige Reformen und Investitionen in Zukunftsthemen gehören aber dringend auf die politische Agenda 2018.

Notenbanken drehen den Geldhahn vorsichtig zu

Dank der überzeugenden Konjunkturentwicklung sollte der Europäischen Notenbank der behutsame Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik leicht fallen. Bereits im vergangenen Oktober hatte die EZB beschlossen, das Volumen der monatlichen Anleihekäufe ab Januar 2018 von 60 auf 30 Milliarden Euro zu reduzieren, die Laufzeit des Kaufprogramms dafür jedoch bis mindestens September 2018 aufrecht halten zu wollen. Erste Leitzinserhöhungen werden in Europa wohl noch nicht anstehen, während die amerikanische Notenbank hingegen weiter an der Zinsschraube drehen dürfte – vom anstehenden Wechsel an der Spitze der US-Notenbank im Februar ist keine Kursänderung zu erwarten.

Aufschwung in den USA gewinnt an Fahrt

Schließlich scheint der Aufschwung der amerikanischen Wirtschaft inzwischen von einem breiten Fundament getragen. Das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts beschleunigte sich zuletzt spürbar, die Gewinne der US-Unternehmen steigen seit einigen Quartalen kräftig. Gleichzeitig dauert der Aufschwung schon ziemlich lange an, dass eine Abkühlung nicht auszuschließen ist. Daher spielen die Steuerreformen von Präsident Trump eine wichtige Rolle. Wenn sie wirklich den versprochenen Schub bringen, gewinnt die US Wirtschaft weiter an Fahrt. Falls sie aber doch nur ein Rohrkrepierer sind oder die (schwammige) Finanzierung der Reformen Überhand nimmt, könnten die USA schneller als erwartet zur negativen Überraschung des Jahres 2018 werden.

Rohstoffe gefragt

Dank der starken Weltwirtschaft bleiben Rohstoffe weiterhin gefragt. Der Bedarf an Industrie- und Basismetallen wie beispielsweise Kupfer sollte weiter steigen, wenngleich die Preisentwicklung im Wesentlichen von China bestimmt wird. Auch die Nachfrage nach Öl wird weiter zulegen, weitere Preisavancen nach oben sollten aber von einer Produktionssteigerung der US-Schieferölproduzenten schnell wieder zurückbuchstabiert werden.

Latente politische Risikofaktoren

Die fundamentalen Rahmenbedingungen scheinen in 2018 dank der insgesamt erfreulichen wirtschaftlichen Perspektiven und den niedrigen Finanzierungskosten weiterhin vielversprechend. Bleiben die politischen Risikofaktoren, die nach den verschiedenen Parlamentswahlen in Europa im vergangenen Jahr auch in 2018 nicht weniger werden, man denke dabei nur an Italien. Zu den laufenden Brexit-Verhandlungen und den anhaltend protektionistischen Tönen aus den USA gesellen sich weitere politische Brandherde wie im Nahen Osten, Nordkorea oder Russland. Bei aller Zuversicht für 2018 sollten Anleger daher nicht zu sorglos und stets wachsam an den Kapitalmärkten agieren.


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