Sixt vs. Europcar: Wer liegt vorne?

Aktien von Autovermietern bergen Nervenkitzel und attraktive Gewinnchancen | 28.09.2017

BÖRSE ONLINE

Eine Analyse von BÖRSE ONLINE,
Martin Hintze | Werbemitteilung

Die Geschichte der Autovermietung ist fast so alt wie das Automobil selbst. 1904 erschien im „Minneapolis Journal“ eine Anzeige, in der ein Fahrradgeschäft Autos zum Ausleihen anbot. 1912 gründete Martin Sixt in München das Unternehmen „Sixt Autofahrten und Selbstfahrer“. Und 1915 startete Joe Saunders seine Firma: Er kaufte ein gebrauchtes Ford Modell T und vermietete es. Er kassierte sechs Cent pro gefahrener Meile. Da das Fahrzeug allerdings keinen Meilenzähler besaß, musste die zurückgelegte Distanz jeweils geschätzt werden. Übrigens: Saunders verkaufte seine Gesellschaft im Jahr 1955 an Avis.

Die Geschichte der Autovermieter ist also eine echte Erfolgsstory, könnte man meinen, immerhin gibt es mit Avis, Hertz, Sixt und anderen eine ganze Reihe von Anbietern, die bereits seit 100 und mehr Jahren existieren. Allerdings: So ganz reibungslos verlief das Jahrhundert für die Branche nicht. Mal wurden Fahrzeuge für den Krieg requiriert, dann gab es Übernahmeversuche und Wirtschaftskrisen. Gerade kämpfen Avis und Hertz in den USA ums Überleben. Gründe sind zu hohe Kosten, teils übergroße Flotten, deren Autos nur zu Kampfpreisen losgeschlagen werden können, sowie eine neue Konkurrenz. Taxi-Dienste wie Uber und Lyft bieten vor allem Geschäftsreisenden eine günstige und schnelle Alternative zum Mietwagen. Diesen Trend haben die Großen bislang weitgehend verschlafen.

Immer innovativ

Einer, der dagegen fast alles richtig gemacht hat, ist der Münchner Unternehmer Erich Sixt. Sein Unternehmen basiert auf den Standbeinen Autovermietung sowie Leasing. Kein Wunder, dass Vorstandschef Sixt stolz proklamiert: „Wir sind der wohl profitabelste international agierende Autovermieter weltweit.“ Tatsächlich liegt die Umsatzrendite bei fast zehn Prozent. Der Umsatz stieg im ersten Halbjahr 2017 um 5,7 Prozent auf 1,21 Milliarden Euro, der Vorsteuergewinn schoss gar um ein Viertel auf 102,6 Millionen Euro nach oben.

Dass Sixt damit besser dasteht, dafür gibt es drei Ursachen. Zum einen hat das Unternehmen die mittel- bis langfristig attraktive Leasing-Sparte sehr geschickt aufgebaut; sie spielt interessante Erträge ein. Zum zweiten ist der Vermietungsbereich als Premiumanbieter etabliert und setzt vor allem auf eine Flotte hochwertiger – und damit hochpreisiger – Autos. Zugleich treibt Sixt seine Expansion im Ausland mit Hochdruck voran. Zum Beispiel eröffnet Sixt vor allem an amerikanischen Flughäfen neue Stationen, um am weiter vielversprechenden US-Markt zu partizipieren. Und der Konzern hat in diesem Jahr seine Engagements in klassischen Urlaubsländern wie Spanien, Frankreich und Italien ausgebaut und so die Schwäche der Destinationen Türkei, Ägypten und Tunesien clever genutzt. Dritter Grund für den Erfolgskurs: Sixt beschäftigt sich stets mit innovativen Geschäftsfeldern. So sind die Münchner zur Hälfte am Gemeinschaftsprojekt DriveNow mit BMW beteiligt. Dabei geht es um das zukunftsträchtige Business mit Carsharing, also unbürokratischen Kurzzeitmieten. Beobachter erwarten zudem, dass DriveNow mit der Daimler-Tochter Car2go fusioniert, was dem Geschäft weiteren Schwung verleihen dürfte. Commerzbank-Analystin Sabrina Taneja setzte ihr Kursziel für die Sixt-Aktie nach oben, da anhaltende Fusionsgespräche den Kurs positiv beeinflussen würden. Deshalb und aufgrund der guten Dividendenrendite hat Sixt im direkten Duell mit Verfolger Europcar die Nase vorn.

Europcar setzt auf Low-Cost

Und auch sonst hat es der französische Wettbewerber Europcar (Marken: Europcar und Interrent) schwerer. Das Unternehmen wurde 1949 in Paris gegründet, wanderte in den 80er- und 90er-Jahren aber sukzessive nach Wolfsburg: 1999 wurde Europcar eine 100-Prozent-Tochter von Volkswagen. 2006 erwarb dann die Investmentgruppe Eurazeo das Unternehmen und brachte es 2015 an die Börse. Derzeit fährt Europcar voll auf Akquisitionskurs: 2017 haben die Franzosen bereits unter anderem den deutschen Verleiher Buchbinder sowie die spanische Goldcar übernommen. Und am Daimler-Ableger Car2go hält Europcar ein Viertel. In Sachen neue Dienste versucht Europcar also recht erfolgreich, mit Sixt Schritt zu halten. Bei den Vermietungen allerdings hat das Unternehmen eine andere Haltung: „Unser Low-Cost-Geschäft wird in Zukunft einen signifikanten Anteil am Geschäftsvolumen haben“, sagt Vorstandschefin Caroline Parrot. Anleger können sich jedoch skeptisch zeigen. Immerhin: Der Umsatz dürfte nach Prognosen von Analysten in diesem Jahr um rund neun Prozent auf fast 2,4 Milliarden Euro klettern, der Nettogewinn soll demzufolge mit zehn Prozent auf 131 Millionen Euro überproportional steigen. Und: 2018 sollen unterm Strich sogar 170 Millionen Euro übrig bleiben. Was Anleger freuen dürfte: Im Vergleich zu anderen Anteilsscheinen sind die Europcar-Aktien noch recht günstig.

Enormes Marktwachstum

Auch wenn einige Firmen der Branche derzeit zu kämpfen haben – der Markt ist groß genug für alle. So sehen Forscher von Zion Market Research das weltweite Marktvolumen von zuletzt 58 Milliarden US-Dollar (gut 48 Milliarden Euro) auf 125 Milliarden Dollar im Jahr 2022 anschwellen. Denn die Menschen reisen immer mehr. Und nach einem Flug ist es angenehm, ins „eigene“ Auto zu steigen.

[Chart] 2017-07 | Ölpreis vs. Goldpreis

Investment-Beispiele:

Sixt

ISIN

DE0007231326

Aktueller Kurs

66,05 €

KGV* (2017)

19,9

Gewinn/Aktie (2017**)

3,28 €

Dividende (2017**)

1,74 €

Dividendenrendite (2017**)

2,7 %

Europcar

ISIN

FR0012789949

Aktueller Kurs

12,69 €

KGV* (2017)

13,9

Gewinn/Aktie (2017**)

0,91 €

Dividende (2017**)

0,30 €

Dividendenrendite (2017**)

2,4 %

*KGV: Kurs-Gewinn-Verhältnis; ** Prognose; Stand: 28.09.2017


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