Emittentenrisiko

Trau, schau, wem!

Wann immer die Sorge um die Stabilität von Banken für Schlagzeilen sorgt, werden Anleger hellhörig. Insbesondere dann, wenn sie Wertpapiere in ihrem Depot haben, die von dem betreffenden Kreditinstitut ausgegeben wurden. Um böse Überraschungen möglichst zu vermeiden, gilt es bereits im Vorfeld genau auf das Emittentenrisiko zu achten.

Vertrauen ist gut,

Dem einen oder anderen Anleger werden die Erinnerungen an die Finanzkrise und die Sorge um die Sicherheit seiner Anlagen noch gut in Erinnerung sein. Wer zu dieser Zeit Zertifikate besaß, die von der Investmentbank Lehman Brothers emittiert wurden, verlor einen Großteil des investierten Kapitals. Denn durch die Pleite der US-Investmentbank realisierte sich das Emittentenrisiko. Hierbei handelt es sich um das Risiko, dass der Emittent von Wertpapieren (z. B. eine Bank oder ein Unternehmen) die damit verbundenen Verpflichtungen aufgrund wirtschaftlicher Schwierigkeiten nicht mehr erfüllen kann.

Relevant ist das Emittentenrisiko insbesondere für Wertpapiere, bei denen es sich um sogenannte Inhaberschuldverschreibungen handelt, wie z. B. Anleihen und Zertifikate. Begibt ein Staat oder ein Unternehmen eine Anleihe, verbrieft diese die Ansprüche des Inhabers auf Zahlung des vereinbarten Zinses und Rückzahlung des Nennbetrags am Ende der Laufzeit. Um die Ansprüche erfüllen zu können, müssen Staat oder Unternehmen aber über die erforderlichen finanziellen Mittel verfügen. Da grundsätzlich sowohl Unternehmen als auch Staaten zahlungsunfähig werden können, besteht für den Anleger das Risiko sein investiertes Kapital nicht zurückzuerhalten.

Auch der Emittent eines Zertifikats schuldet dessen Inhaber die Erfüllung des in dem Zertifikat verbrieften Leistungsversprechens. Bei einer Aktienanleihe ist dies beispielsweise die Zahlung des Kupons und die Rückzahlung des eingesetzten Kapitals bzw. die Lieferung von Aktien. Die Erfüllung dieser Verpflichtungen setzt wiederum voraus, dass der Emittent dazu auch in der Lage ist, also über ausreichend finanzielle Mittel verfügt.

Aktionäre unterliegen dem Emittentenrisiko in abgewandelter Form. Mit dem Kauf einer Aktie beteiligt sich ein Anleger am Vermögen der Aktiengesellschaft. Verschlechtert sich jedoch deren Geschäftslage, droht zunächst eine Kürzung oder Streichung der Dividende. Zudem wird der Kurs der Aktien bei anhaltend schlechter Geschäftslage sinken. Der Verkauf der Aktien kann dann zur Realisierung von Verlusten führen. Sollte das Unternehmen tatsächlich zahlungsunfähig werden und Insolvenz anmelden, müssen Aktionäre mit sehr hohen Verlusten bis hin zum Totalverlust des investierten Kapitals rechnen. Der Grund: Aktionäre werden im Insolvenzfall erst nach der Befriedigung aller Gläubiger der Aktiengesellschaft bedient.

Bei Fonds und ETFs kommt das Emittentenrisiko dagegen nicht zum Tragen. Hier fließt das investierte Kapital in ein Sondervermögen, den jeweiligen Investmentfonds. Dieses Sondervermögen ist rechtlich vom Vermögen der Kapitalanlagegesellschaft (KAG) getrennt und kann im Fall einer Insolvenz nicht zur Haftung für die Schulden der KAG herangezogen werden.

… Kontrolle ist besser!

Um die Zahlungsfähigkeit bzw. Kreditwürdigkeit (Bonität) eines Emittenten einschätzen zu können, ist es ratsam, sich an Ratings und Credit Default Swaps zu orientieren. Die Ratings der drei großen Agenturen Standard & Poor’s (S&P), Moody’s und Fitch bieten einen guten Anhaltspunkt dafür, wie es um die langfristige Bonität eines Unternehmens oder Staates bestellt ist. Dabei wird zwischen den beiden Hauptkategorien Investmentgrade und Non-Investmentgrade unterschieden. Anleger sollten stets Emittenten mit einem Investmentgrade-Rating bevorzugen, da diese eine sehr gute bis befriedigende Bonität besitzen. Dagegen verfügen Emittenten mit einem Non-Investmentgrade-Rating nur über eine ausreichende bis ungenügende Bonität. Ein Investment in Wertpapiere dieser Emittenten ist folglich mit einem hohen Risiko verbunden. Weitere Informationen zu den einzelnen Ratingklassen finden sich auf den Internetauftritten von S&P, Moody’s und Fitch.

Für Emittenten von Zertifikaten bietet der Deutsche Derivate Verband auf seiner Internetseite (www.deutscher-derivate-verband.de) unter dem Menüpunkt „Transparenz“, Unterpunkt „Credit Default Swaps“ eine tabellarische Übersicht zu den Preisen von Credit Default Swaps. Bei Credit Default Swaps handelt es sich um eine Art Versicherungsverträge, mit denen sich die Geschäftspartner eines Emittenten von Inhaberschuldverschreibungen gegen das Risiko absichern können, dass dieser zahlungsunfähig wird. Wie bei Versicherungen üblich, wird für die Absicherung des Risikos eine Prämie gezahlt. Die Höhe der Prämie (in der Tabelle in Form von Basispunkten angegeben) gibt Aufschluss darüber, wie hoch das Ausfallrisiko des Emittenten aktuell eingeschätzt wird. Dabei gilt: Je höher die Prämie, desto höher das Ausfallrisiko bzw. desto geringer die Bonität und umgekehrt.


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