ETF und ETC – So ähnlich und doch verschieden

Welche feinen Unterschiede Anleger kennen sollten | 02.08.2017

Auch wenn beide Begriffe zum Verwechseln ähnlich klingen – die Unterschiede zwischen ETFs (Exchange Traded Funds) und ETCs (Exchange Traded Commodities) sind größer als man denken mag.
 

Exchange Traded Funds (ETFs) erfreuen sich bei Privatanlegern einer immer größeren Beliebtheit. Nachdem das Gesamtvolumen der Investments in passiv gemanagten Indexfonds zum Jahreswechsel 2016/2017 erstmals die Marke von zehn Milliarden Euro übersprungen hatte, setzte sich der Trend auch in den ersten drei Monaten dieses Jahres fort. Bis Ende März legte das Gesamtvolumen auf 10,88 Milliarden Euro zu.
Die börsengehandelten Investmentfonds beziehen sich auf einen Index, meist auf einen Aktienindex, an dessen Wertentwicklung Anleger nahezu eins zu eins partizipieren. Weil die ETF-Anteile bzw. das Kapital der Investoren wie klassische Investmentfonds im Sondervermögen verwahrt werden und daher im Fall eines Konkurses nicht verwertet werden, ist ein Emittentenrisiko bei ETFs nicht vorhanden.

ETCs beinhalten Emittentenrisiko

Anders stellt sich die Situation bei den Exchange Traded Commodities (ETCs) dar, die mit der Lancierung des Gold Bullion Securities im Jahr 2003 erstmals auf den Markt kamen. ETCs stellen eine Sonderform der Zertifikate dar und haben einen bestimmten Rohstoffindex als Basis, womit Investoren an der Kursentwicklung der zugrunde liegenden Rohstoffe partizipieren. Im Gegensatz zu den ETFs handelt es sich bei den Exchange Traded Commodities nicht um Sondervermögen, sondern vielmehr um Inhaberschuldverschreibungen des jeweiligen Emittenten. Anleger, die in ETCs investieren, unterliegen somit dem Emittentenrisiko. Bei einer Insolvenz des Emittenten, wäre das investierte Kapital Teil der Insolvenzmasse und mit großer Wahrscheinlichkeit verloren.

Verringerung des Ausfallrisikos

Vonseiten der Emittenten wird deshalb schon seit Längerem vieles dafür getan, um das Risiko für Anleger möglichst gering zu halten. Am Markt finden sich inzwischen physisch hinterlegte ETCs, vollständig besicherte ETCs sowie ETCs mit Drittdeckung. Eine physische Hinterlegung der Exchange Traded Commodities ist gerade bei den Edelmetallen die häufigste Variante, bei der der Rohstoff tatsächlich gekauft und bspw. bei einem Treuhänder hinterlegt wird. Schwieriger wird es hingegen bei verderblichen Agrargütern oder Rohstoffen mit hohen Lagerkosten. Vollständig besicherte ETCs sind mit Kreditsicherheiten bspw. eines Versicherungsunternehmens oder mit Wertpapieren mit guter Bonität gedeckt. Erfolgt die Besicherung per Drittdeckung, entfällt zwar das Emittentenrisiko, dafür sehen sich Anleger dem Kreditrisiko des Dritten gegenüber.

ETC – Einfacher Zugang zu Rohstoffen

Während Exchange Traded Funds stets diversifiziert aufgestellt sind und keine physischen Rohstoffe halten dürfen, lässt sich per Exchange Traded Commodities ebenso kostengünstig und komfortabel in nur einen einzigen Rohstoff investieren. Bei der Auswahl des passenden ETCs sollten Anleger aber nicht nur die genaue Besicherung überprüfen, sondern auch auf die übrigen Eigenschaften achten.

Gerade ETCs auf Öl, Gas oder Agrarrohstoffe beziehen sich nicht auf den Spot-Preis, den Preis zur Sofortlieferung des Rohstoffs, sondern auf einen bestimmten Kontrakt, der kleinsten handelbaren Einheit des Rohstoffs an den Terminbörsen, in der Zukunft. Ändert sich je nach Laufzeit des Zertifikats der zugrundeliegende Kontrakt, kann es zu einer Verzerrung zwischen dem Preis des Zertifikats und dem Rohstoffpreis kommen (Rolleffekt), was sich sowohl in sogenannten Rollgewinnen wie auch -verlusten niederschlagen kann.


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