Familienunternehmen: Die Dauerbrenner

In rund 1000 Unternehmen weltweit stehen die Gründer oder ihre Nachfahren am Ruder. Vielfach wirkt sich das positiv für die Aktionäre aus. | 03.11.2017

BÖRSE ONLINE

Eine Analyse von BÖRSE ONLINE,
Martin Hintze | Werbemitteilung

Was haben Google-Betreiber Alphabet, Facebook und Alibaba gemeinsam? Richtig: Sie sind alle im Bereich Internet tätig. Und wenn Samsung Electronics und Berkshire Hathaway dazu kommen? Dann hat man die Top fünf der globalen Familienunternehmen. Das ermittelte die Credit Suisse für die Studie „The CS Family 1000“. Als Familienunternehmen gelten alle Gesellschaften, bei denen der Gründer oder seine Nachfahren mindestens 20 Prozent der Anteile halten und wenigstens ein Fünftel der Stimmrechte innehaben. Als größtes deutsches Unternehmen findet sich auf dieser Liste SAP auf Platz 13, gefolgt von BMW (24), Henkel (27) und Fresenius (42).

Analysten beschäftigen sich mit solchen inhabergeführten Unternehmen nicht zuletzt deswegen gern, weil diese meist überdurchschnittlich erfolgreich sind. So entwickelten sich die Aktienkurse von insgesamt 965 identifizierten Familienunternehmen rund um den Globus seit 2006 pro Jahr um neun Prozent besser als die anderer Konzerne. Trotz der zwischenzeitlichen Finanzkrise brachte es diese Gruppe damit auf einen Wertzuwachs von 126 Prozent – während der Vergleichsindex MSCI World im selben Zeitraum nur auf ein Plus von 55 Prozent kam.

Im Wettstreit der Generationen

Ein Blick nach Deutschland ergibt neben den Großen eine ganze Reihe interessanter Unternehmen, welche die Kriterien erfüllen. Sie können gewissermaßen nach Generationen ausgewählt werden. Für die Großeltern stehen die Traditionsfirmen Drägerwerk und Wacker Neuson. Die Lübecker Drägerwerk wurde 1889 gegründet und entwickelt, produziert und vertreibt Geräte und Systeme in den Bereichen Medizin-, Sicherheits- und Tauchtechnik. Vorstandschef ist Stefan Dräger, der die Gruppe in fünfter Generation führt. Und das erfolgreich: Analyst Oliver Reinberg vom Finanzhaus Kepler Chevreux etwa sieht das Drägerwerk-Wachstum vor einem Wendepunkt. Operativ traut er dem Unternehmen eine positive Überraschung zu – und dem Aktienkurs noch eine kräftige Steigerung. Im ersten Halbjahr jedenfalls hatte das Bruttoergebnis bei stabilem Umsatz etwas zugelegt (2,4 Prozent). Das lässt Aktionäre fürs Gesamtjahr hoffen.

Wacker Neuson gibt es bereits seit 1848. Die einstige Schmiede produziert heute Baumaschinen vom Rüttler bis zum Radlader. Die Familien Wacker und Neunteufel (Gründer von Neuson) halten knapp zwei Drittel der Aktien. Einige Beobachter gaben sich zuletzt skeptisch gegenüber der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung der Münchner. Andererseits spricht die gute Konjunktur in vielen Teilen der Welt durchaus für eine anhaltende Bautätigkeit. Zudem haben sich Auftragsbestand und Umsatz bereits 2016 hervorragend entwickelt, so dass das Niveau sehr hoch ist. Das gilt auch für den Wacker-Neuson-Aktienkurs, der knapp vor einem Allzeithoch stand, aufgrund der Zurückstufung eines Analysten auf „Halten“ allerdings nachgab.

Etabliert, aber nicht langweilig

In die Generation der Erwachsenen fallen Paragon und Ströer. Die Paragon AG wurde 1988 als Elektronikhersteller gegründet und gehört heute zu 50 Prozent dem Vorstandsvorsitzenden und Gründer Klaus Dieter Frers. Das Unternehmen ist vor allem als Automobilzulieferer aktiv und hat das Thema Elektromobilität im Fokus. Paragon brachte vor wenigen Wochen die Tochtergesellschaft Voltabox an die Frankfurter Börse. Dass das Geschäft brummt, zeigt sich auch an den aktuellen Zahlen für das erste Halbjahr: Der Umsatz kletterte um 13,3 Prozent auf 55,3 Millionen Euro, das Ergebnis auf Stufe Ebitda, also vor Zinsbelastung, Steuern, Abschreibungen und Amortisation, legte um knapp 18 Prozent auf acht Millionen Euro zu. Damit sieht Frers sein Unternehmen für das Gesamtjahr auf dem richtigen Weg. Der Boom rund ums Elektroauto hat dem Kurs der Paragon-Aktie gutgetan: In den vergangenen fünf Jahren stieg er um 770 Prozent.

Fast ebenso rasant ging es für die Titel des Werbekonzerns Ströer bergauf: Dort waren es immerhin 710 Prozent. Erstaunlich: Im Gegensatz zu Paragon sind die Ströer-Aktien mit einem 18,8er-Kurs-Gewinn-Verhältnis recht moderat bewertet. Einer der Gründe dürfte die Furcht vieler Anleger sein, dass das Geschäft künftig deutlich an Dynamik verliert. Denn vor kurzem hatte die britische Werbe-Holding WPP eine Umsatzwarnung veröffentlicht. Das belastete neben Ströer auch die deutschen Medienkonzerne. Dennoch hat das Management des Anbieters für Außen- und Online-Werbung die Gruppe – zu der auch so kerngeschäftsferne Firmen wie die niederländische Versandapotheke Vitalsana gehört – so breit aufgestellt, dass sie auch geschäftliche Dellen locker wegbügeln kann. Ströer gehört zu 43,45 Prozent den Gründern.

Auf der Überholspur

Und dann sind da noch die schnell wachsenden „Kids“, Hypoport und RIB Software. RIB Software gibt es allerdings bereits seit 1961, durch die heutige Ausrichtung auf Software passt sie allerdings besser zu den Youngstern. Von den Gründern des einstigen „Recheninstituts im Bauwesen“ ist heute niemand mehr an Bord. Chef des Verwaltungsrates und CEO ist Thomas Wolf, dem mittelbar knapp über 20 Prozent gehören. Er hat den Programmierspezialisten in Fahrt gebracht – die HSBC nannte RIB in Sachen Momentumstrategie einen „Gewinner der Gewinner“. Und die Munich Strategy Group wählte RIB 2016 auf Platz eins der Top-100-Unternehmen des deutschen Mittelstands hinsichtlich der Kriterien „Umsatzwachstum“ und „Ertragsquote“.

Hypoport ist der Performance-Sieger dieser Titel-Auswahl. Seit Oktober 2012 legten die Aktien des Berliner Finanzdienstleisters um rund 1.375 Prozent zu. Das freut nicht zuletzt den größten Einzelaktionär Ronald Slabke (36,3 Prozent), der Gründer und Chef von Hypoport ist. Dabei halten Analysten das Ende der Fahnenstange für noch nicht erreicht: Philipp Häßler von Equinet etwa sieht Potenzial im Marktplatz für Versicherungen, den Hypoport jüngst eingeführt hat, und hebt sein Kursziel deutlich an.

Anleger, die davor zurückschrecken, ihr Geld auf eine Familie allein zu setzen, können sich alternativ für eine kleine, aber feine Auswahl an spezialisierten Fonds entscheiden. Damit das Kapital dann eben doch in Familien bleibt.

[Chart] 2017-07 | Ölpreis vs. Goldpreis

Investment-Beispiele Aktien:

Drägerwerk

ISIN

DE0005550636

Aktueller Kurs

93,70 €

KGV* (2017)

19,0

Gewinn/Aktie (2017**)

5,16 €

Dividende (2017**)

0,24 €

Dividendenrendite (2017**)

0,3 %

Hypoport

ISIN

DE0005493365

Aktueller Kurs

135,90 €

KGV* (2017)

37,8

Gewinn/Aktie (2017**)

3,32 €

Dividende (2017**)

0,00 €

Dividendenrendite (2017**)

0,0%

Paragon

ISIN

DE0005558696

Aktueller Kurs

73,58 €

KGV* (2017)

68,6

Gewinn/Aktie (2017**)

1,18 €

Dividende (2017**)

0,30 €

Dividendenrendite (2017**)

0,3 %

RIB Software

ISIN

DE000A0Z2XN6

Aktueller Kurs

19,90 €

KGV  (2017*)

47,1

Gewinn/Aktie (2017**)

0,43 €

Dividende (2017**)

0,19 €

Dividendenrendite (2017**)

0,9 %

Ströer

ISIN

DE0007493991

Aktueller Kurs

56,72 €

KGV (2017*)

17,8

Gewinn/Aktie (2017**)

3,12 €

Dividende (2017**)

1,22 €

Dividendenrendite (2017**)

2,2 %

Wacker Neuson

ISIN

DE000WACK012

Aktueller Kurs

28,19 €

KGV (2017*)

22,0

Gewinn/Aktie (2017**)

1,31 €

Dividende (2017**)

0,68 €

Dividendenrendite (2017**)

2,4 %

*KGV: Kurs-Gewinn-Verhältnis; ** Prognose; Währungen umgerechnet in Euro; Stand: 3.11.2017

Investment-Beispiele Fonds:

Bellevue Funds (Lux) - BB Entrepreneur Europe AB EUR

ISIN

LU0810317205

KAG*

MDO Management Company

Anlageschwerpunkt

Portfolio von Aktien und anderen Beteiligungspapieren von Unternehmen, die vorwiegend von Eigentümern geführt werden

Aktueller Preis

180,62 €

Art

gemanagter Fonds, ausschüttend

TER**

2,51 %

Wertentwicklung (5 Jahre)***

40,5 %

GS&P Fonds Family Business-Unterfonds R

ISIN

LU0179106983

KAG*

GS&P Kapitalanlagegesellschaft

Anlageschwerpunkt

Unternehmen, in denen die Eigentümer dominierenden Einfluss auf das Management haben

Aktueller Preis

138,43 €

Art

gemanagter Fonds, ausschüttend

TER**

2,20 %

Wertentwicklung (5 Jahre)***

36,5 %

March International - The Family Businesses Fund A EUR

ISIN

LU0701410861

KAG*

Edmond de Rothschild Asset Management

Anlageschwerpunkt

Unternehmen, die von einer oder mehr Familien gegründet wurden und in denen mindestens eine Familie noch mindestens 15% der Aktien hält oder Teil der Unternehmensführung ist

Aktueller Preis

15,90 €

Art

gemanagter Fonds, thesaurierend

TER**

2,26 %

Wertentwicklung (5 Jahre)***

58,2 %

Spängler Family Business Trust

ISIN

AT0000A0JDU3

KAG*

Spängler IQAM Invest

Anlageschwerpunkt

Aktien und aktienähnliche Wertpapiere von europäischen Familienunternehmen

Aktueller Preis

179,92 €

Art

gemanagter Fonds, thesaurierend

TER**

1,99 %

Wertentwicklung (5 Jahre)***

59,3 %

*KAG: Kapitalanlagegesellschaft; **TER: Total Expense Ratio / Gesamtkosten; *** Wertentwicklungen der Vergangenheit sind kein Indikator für künftige Kurssteigerungen; Stand: 3.11.2017


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