Berichtssaison

Geschäftsberichte richtig lesen | 02.03.2016

In den kommenden Wochen veröffentlichen zahlreiche Unternehmen ihre Geschäftsberichte für das abgelaufene Jahr. Wer weiß, wo er suchen muss, findet darin wertvolle Informationen zum Unternehmen sowie Chancen und Risiken für die weitere Entwicklung.

Keine Scheu vor dicken Wälzern

Wer zum ersten Mal den Geschäftsbericht eines Unternehmens in die Hand nimmt, respektive am Bildschirm liest, wird sich angesichts des Umfangs leicht überfordert fühlen. Nicht selten umfassen die Berichte mehr als 150 Seiten, manche doppelt so viel. Die gute Nachricht vorweg: Sie müssen nicht jede Einzelne davon lesen, um sich einen Überblick über das Unternehmen zu verschaffen.

Bildstrecken, ausgiebige Berichte über Höhepunkte des Geschäftsjahres (Eröffnung neuer Standorte, Firmenjubiläum etc.) oder Interviews mit Mitarbeitern sind zwar nettes Beiwerk, aber nicht zwangsläufig wichtig. Wichtig sind Informationen über den Zustand des Unternehmens und die Geschäftsaussichten. Diese finden sich im Konzernlagebericht und dem Konzernabschluss. Der Konzernlagebericht vermittelt ein Bild von der Lage des Konzerns und stellt Chancen sowie Risiken für die zukünftige Entwicklung ausführlich dar. Der Konzernabschluss bildet die den tatsächlichen Verhältnissen entsprechende Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des Konzerns am jeweiligen Stichtag ab.

Wissen, worauf es ankommt

Einen guten Einstieg in die Lektüre des Geschäftsberichts bietet der Brief des Vorstandes an die Aktionäre. Hier wird auf wenigen Seiten komprimiert über den Verlauf des Geschäftsjahres, die wichtigsten Entwicklungen im Unternehmen und die künftige Zielsetzung informiert.
Wer noch keine genaue Vorstellung darüber hat, womit ein Unternehmen sein Geld verdient, findet diese Informationen im Konzernlagebericht. Des Weiteren finden sich hier Angaben zu den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, sprich zur Entwicklung der globalen Konjunktur und der jeweiligen Branche. Im Punkt Ertragslage wird über die Entwicklung der einzelnen Geschäftsfelder und die Entwicklung in den jeweiligen Regionen berichtet, in denen ein Unternehmen tätig ist. Hier lässt sich ablesen, wo besondere Erfolge erzielt wurden, aber auch wo es Probleme gab.
Sehr sorgfältig sollten der Prognose- sowie der Risiko- und Chancenbericht gelesen werden. Hier gibt der Vorstand einen Ausblick auf die zu erwartende Geschäftsentwicklung und geht auf erkennbare, für den Unternehmenserfolg relevante Risiken ein (z. B. Wegfall von Subventionen oder anstehende Refinanzierungen). Diese Informationen sollten Anleger im Hinterkopf behalten, um frühzeitig zu handeln, wenn sich abzeichnet, dass sich Risiken realisieren.

Ein Blick ins Zahlenwerk

Im Konzernabschluss sollte man sich die Bilanz, die Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) sowie die Kapitalflussrechnung näher ansehen. In der Bilanz stehen sich die Vermögenswerte des Unternehmens (Aktiva) und das Kapital, mit denen diese finanziert werden (Passiva) gegenüber. Während die Aktiva in kurzfristige und langfristige Vermögenswerte unterteilt werden, erfolgt auf der Passivseite die Unterteilung in Eigen- und Fremdkapital. Ist das Eigenkapital im Vergleich zum Vorjahr größer geworden, hat das Unternehmen einen Gewinn erzielt. Hat das Eigenkapital abgenommen, wurde ein Verlust erwirtschaftet.

Die GuV enthält Angaben zu den Umsatzerlösen (verkaufte Produkte multipliziert mit dem Verkaufspreis). Zieht man davon alle operativen Kosten (Umsatzkosten, Verwaltung, Forschung und Entwicklung usw.) ab, erhält man das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT = Earnings before Interests and Taxes). Dieses gibt Auskunft über die Ertragskraft des Unternehmens. Grundsätzlich sollten die aktuellen Daten mit den Werten der vergangenen Jahre verglichen werden, um diese besser einordnen und ggf. einen Trend ablesen zu können. Viele Unternehmen haben dazu ihren Geschäftsberichten eine Zehnjahresübersicht beigefügt.

Während die GuV Einblick in die Erträge und Aufwendungen gibt, lassen sich der Kapitalflussrechnung Informationen zu Einnahmen und Ausgaben entnehmen. Die Kapitalflussrechnung setzt sich aus den drei Teilen Cashflow aus der Geschäftstätigkeit, Cashflow aus der Investitionstätigkeit und Cashflow aus der Finanzierungstätigkeit zusammen. Diese werden saldiert und führen am Ende des Geschäftsjahres zu einem Anstieg oder Rückgang der dem Unternehmen zur Verfügung stehenden Zahlungsmittel. Grundsätzlich sollte der Saldo positiv ausfallen. Kritisch ist ein negativer Cashflow aus der Geschäftstätigkeit zu werten, da dies bedeutet, dass das Unternehmen im laufenden Geschäft Geld verliert.

Wie bei den meisten Dingen im Leben, so gilt auch in Bezug auf Geschäftsberichte: Übung macht den Meister. Durch regelmäßige Lektüre entwickelt man im Laufe der Zeit eine gewisse Routine dabei, gezielt die wesentlichen Informationen aufspüren.


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