Kolumne Oktober 2017

Gute alte Bekannte

In den nächsten Wochen werden wieder einmal zwei gute alte Bekannte die Finanzmärkte prägen: Notenbanken und Politik. Seit Ausbruch der Finanzkrise sind es genau diese beiden, die das Marktgeschehen immer wieder beeinflusst haben (und weiterhin beeinflussen werden). Die großen Notenbanken sind zu den großen Marktflüsterern aufgestiegen, während die internationale Politik immer wieder abwechselnd zu Unsicherheit und Sicherheit geführt hat. Das wird sich auch in den kommenden Wochen nicht verändern.
 
Die Diskussion über eine Trendwende der internationalen Geldpolitik hat durch die letzten Aussagen der Bank of England über eine mögliche Zinserhöhung wieder neue Nahrung bekommen. Auch die amerikanische Fed hat angekündigt, nach neun Jahren und einer Vervierfachung der eigenen Bilanz, endlich Gas zurückzunehmen und nicht mehr alle fälligen Anleihen neu anzulegen. Damit wird die Bilanzsumme langsam schrumpfen. Und selbst die EZB wird wohl Ende des Monats den ganz sanften Einstieg in den Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik ankündigen. Es ist nicht die Zeitenwende, die mit dem Vorschlaghammer eingeläutet wird. Aber doch befinden wir uns mitten im Ende der Ära, in der Geldpolitik im Krisenmodus war.  
 
Während die großen Notenbanken also händeringend den Weg zurück in die Normalität suchen, scheinen politisches Chaos und Unsicherheit in diesen Tagen zum Alltag zu gehören. Die Finanzmärkte scheinen hier fast schon abgestumpft zu sein. Das könnte sich ändern, denn die internationale Politik hat es weiterhin in sich. In den USA hat Präsident Trump bisher kein einziges Element seines angekündigten Wirtschaftsprogramms durchführen können. Der reife Konjunkturzyklus könnte sich so schneller dem Ende zuneigen als viele Marktteilnehmer denken. Hinzu kommen die Spannungen zwischen den USA und Nordkorea, die jederzeit weiter eskalieren könnten. Auch in Europa zeigen die Ereignisse in Katalonien, der Ausgang der Bundestagswahlen und die bevorstehenden Wahlen in Österreich, dass die aktuelle Macron- und Europhorie noch die ein oder andere kalte Dusche abbekommen kann. Der Hoffnung, dass Europa und die Währungsunion jetzt schnell nächste Integrationsschritte nehmen werden, könnte bald die Ernüchterung, dass doch alles beim alten Durchwurschteln bleibt, folgen.
 
Normalerweise kann man bei einem Treffen mit alten Bekannten herrlich in alten Erinnerungen schwelgen und entspannt die Zeit miteinander verbringen. An den Finanzmärkten können die zwei alten Bekannten, Notenbanken und Politik, in den nächsten Wochen allerdings für einige Aufregung sorgen.