Immobilien- und Finanzkrise 2007/2008

Faule Kredite bringen Banken an den Rand des Ruins | 02.03.2016

Das Platzen der Immobilienblase in den USA war der Auslöser für massive Verwerfungen an den Finanzmärkten, deren Folgen auch in der realen Wirtschaft tiefe Spuren hinterlassen haben. Das Fundament der Krise wurde allerdings schon Jahre zuvor gelegt.

Liquiditätsschwemme durch die FED

Nach dem Platzen der Dotcom-Blase und der nachfolgenden Rezession, sowie den Terroranschlägen in New York 2001 versuchte die amerikanische Notenbank mit einer expansiven Geldpolitik und einem niedrigen Zinsniveau kurzfristige Investitionen anzuschieben und die Wirtschaft zu stabilisieren. Zwischen 2001 und 2003 wurde der Leitzins von 6,5% auf 1% gesenkt und dort selbst dann noch belassen, als sich die US-Wirtschaft längst wieder besser entwickelte. Dank der historisch niedrigen Zinsen und fehlender Anlagealternativen entwickelte sich ein regelrechter Immobilienboom, wodurch die Nachfrage weitaus schneller stieg als das Angebot und die Preise für Immobilien insbesondere an den US-Küsten und in Städten wie Phönix und Las Vegas sprichwörtlich explodierten.

Die Immobilienblase platzt

Angetrieben vom scheinbar einfachen und sicheren Geschäft mit Immobilienfinanzierungen vergaben Finanzinstitute Kredite in Milliardenhöhe an Kreditnehmer, die teilweise keinerlei Sicherheiten vorzuweisen hatten. Diese zweitklassigen Hypothekendarlehen, die als Subprime Loans bezeichnet werden, wurden zusammengefasst und an Investoren, Banken oder Hedgefonds weitergereicht – oftmals in einem undurchsichtigen Geflecht aus schwachen und starken Kreditpaketen. 2006 begann der Immobilienmarkt schließlich zu kippen. Der Bauboom der vorangegangenen Jahre sorgte nun für ein Überangebot an Immobilien und einen Rückgang der Häuserpreise. Zugleich hatte die Notenbank Mitte 2004 damit begonnen, die Zinsen schrittweise wieder anzuheben, wodurch auch die Zinsbelastung für die Hausbesitzer zunahm. Als viele Hauseigentümer ihre Kredite nicht mehr bedienen konnten und fallende Hauspreise einen Verkauf zum Minusgeschäft machten, schoss die die Zahl der Zwangsvollstreckungen bis Ende 2006 auf das höchste Niveau seit knapp 40 Jahren.

Kettenreaktion an den Märkten

Die zunehmenden Kreditausfälle brachten immer mehr Immobilienfinanzier und Banken in Bedrängnis. Mitte 2007 wurden erste Abschreibungen in Milliardenhöhe bekannt, im Juli 2008 hisste mit IndyMac der erste Baufinanzierer die weiße Flagge. Im September konnten die beiden größten US-Immobilienfinanzierer Freddie Mac und Fannie Mae und kurze Zeit später der weltgrößte Versicherer AIG nur durch den Einstieg des Staates gerettet werden. Die Pleite der viertgrößten US-Investmentbank Lehman Brothers schickte schließlich Schockwellen rund um den Globus, Finanzinstitute liehen sich ob der unklaren Risiken untereinander kaum noch Geld. Im Zuge der Krise brach der S&P 500 zwischen Oktober 2007 und März 2009 um 57% ein, Unternehmensanleihen fielen auf das tiefste Niveau seit der Großen Depression zurück und auch der Ölpreis verlor rund 70%.

Ursachen der Krise

Eine der Hauptursachen für die Finanzkrise 2007/2008 war die expansive Geldpolitik der US-Notenbank, die die Entwicklung am Immobilienmarkt lange Zeit unterschätzte und selbst 2006 noch von einem planmäßigen Rückgang am Häusermarkt ausging. Das niedrige Zinsniveau und lasche Kreditvergabestandards ebneten Bevölkerungsschichten den Weg zu einer Finanzierung, die sich ein Eigenheim eigentlich nicht leisten konnten. Darüber hinaus animierte die aufgrund der steigenden Immobilienpreise gefühlte Vermögenssteigerung viele Verbraucher zur Aufnahme kurzfristiger Konsumentenkredite, was zu einem enormen Anstieg der Verschuldung der privaten Haushalte führte.


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