Investieren: Wie und Wo?

Investieren: Bottom-Up oder doch besser Top-Down? | 05.04.2016

Lässt sich an den Börsen eher mit den großen Trends eine überzeugende Performance erreichen oder doch besser mit gezieltem Stock-Picking? Über die Vor- und Nachteile von Bottom-Up und Top-Down.

Bei Bottom-Up und Top-Down handelt es sich um zwei Analysemethoden, um geeignete Kandidaten für ein Investment zu finden. Man spricht daher auch von Investmentansätzen. Beide verfolgen das gleiche Ziel: das Herausfiltern von Aktien und Wertpapieren mit dem größten Potenzial für einen Kursanstieg. Um die Kandidaten zu finden, starten beide Investmentansätze mit der Analyse aus den entgegengesetzten Richtungen: Bottom-Up von unten nach oben, Top-Down von oben nach unten.

Der Blick für das große Ganze

Wie der Name Top-Down bereits erahnen lässt, wird bei diesem Ansatz zunächst ein Blick auf die Großwetterlage geworfen – heißt, man schaut sich zunächst die Wirtschaft eines Landes (Gesamtmarkt) an. Wie beurteilen Wirtschaftsforschungsinstitute die Aussichten für die weitere Entwicklung, stehen Veränderungen bei den Rahmenbedingungen bevor, die viele Branchen der Wirtschaft betreffen würden (z.B. Wende in der Energiepolitik, Erhöhung des Zinsniveaus durch die Zentralbank)?

Im nächsten Schritt wird geschaut, welche Branchen von der angenommenen Entwicklung der Wirtschaft am meisten profitieren werden. So könnte ein starkes Wachstum der Weltwirtschaft der Exportindustrie, z.B. den Automobilherstellern oder Maschinenbauern zugutekommen. Aus den infrage kommenden Brachen wird schließlich das Unternehmen mit den besten Aussichten gewählt. Hierbei dienen in erster Linie die Geschäftsberichte als Informationsquelle.

Das Unternehmen im Mittelpunkt

Im Gegensatz zur Top-Down-Analyse werden beim Bottom-Up-Ansatz die Rahmenbedingungen für den Gesamtmarkt und die Branchenbetrachtung hinten angestellt. Für die Investmententscheidung wird daher maßgeblich auf die Chancen und Risiken des einzelnen Unternehmens geschaut. Hierbei sollten sich Anleger auf Aktiengesellschaften konzentrieren, die ein verständliches Geschäftsmodell besitzen und in den vergangenen Jahren möglichst steigende Gewinne erzielt haben. Neben den Geschäftsberichten werden hier Kennzahlen zur Unternehmensbewertung wie das Gewinnwachstum, Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), die Dividendenrendite oder das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) für die Beurteilung herangezogen. Zudem sollte der im Geschäftsbericht gegebene Ausblick positiv sein.

Im Rahmen der Branchenbetrachtung kann der Anleger aus den analysierten Unternehmen einer Branche jenes mit der besten Bewertung auswählen und ebenso bei der Gesamtmarktbetrachtung verfahren. Allerdings sind diese Schritte kein Muss. Der Philosophie des Bottom-Up-Ansatzes folgend, kann ein Unternehmen, das nach dem ersten Analyseschritt als Kandidat infrage kommt, selbst dann ein aussichtsreiches Investment darstellen, wenn sich die jeweilige Branche oder der Gesamtmarkt schwächer entwickeln.

Darauf sollten Sie achten

In der Praxis bietet der Top-Down-Ansatz Anleger einen Vorteil: Sie können auf jeder Stufe der Analyse eine Investmententscheidung treffen. Mittels ETFs oder Zertifikaten ist es heutzutage ohne Weiteres möglich, sowohl in den Aktienmarkt eines Landes als auch gezielt in einzelne Branchen zu investieren. Sinnvoll ist der Top-Down-Ansatz in erster Linie für Large-Caps, sprich große Unternehmen. Je kleiner ein Unternehmen ist, desto geringer ist in der Regel der Einfluss des gesamtwirtschaftlichen Umfelds. Auf der anderen Seite kann das reine Stock-Picking nach dem Bottom-Up-Ansatz zu einer höheren Wertschwankung des Depots im Vergleich zu einem Index führen. Daher sollten nicht zu viele Unternehmen aus derselben Branche oder demselben Land stammen.


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