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Tipps zum Umgang mit dem KGV | 04.05.2018

An den internationalen Aktienmärkten ging es im vergangenen Jahr für viele Aktien aufwärts. Ablesen lässt sich dies an den Rekordständen, die unter anderen der DAX, MDAX aber auch Dow Jones, der S&P 500 oder der Technologieindex NASDAQ 100 erklommen. Ob sich diese Entwicklung fortsetzt, ist ungewiss. Aus der Kursentwicklung der Vergangenheit kann jedenfalls nicht auf die künftige Entwicklung geschlossen werden. Angesichts der Kurssteigerungen hat für viele Investoren aber die Frage nach der Bewertung an Bedeutung gewonnen.

Was sagt das KGV aus?

Eine gängige und zugleich stark beachtete Bewertungskennzahl ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis, kurz KGV. Um das KGV zu ermitteln, teilt man den aktuellen Kurs einer Aktie durch den Gewinn je Aktie. Hierbei kann der Gewinn je Aktie im letzten Geschäftsjahr oder aus dem letzten Quartal herangezogen werden. Da an der Börse bekanntlich die Zukunft gehandelt wird, lässt sich das KGV auch mit den für die Zukunft prognostizierten Gewinnen berechnen. Hierfür muss auf Schätzungen/Prognosen zurückgegriffen werden, die sich z. B. in den in Geschäfts- oder Quartalsberichten veröffentlichten Ausblicken oder Analystenkommentaren finden. Allerdings können sich die Prognosen im Nachhinein als zu optimistisch oder konservativ erweisen. Aus diesem Grund sollten mögliche Gewinnrevisionen genau verfolgt werden, um die Berechnung falls nötig anzupassen.

Das folgende Beispiel soll die Berechnung des KGV verdeutlichen: Notiert eine Aktie beispielsweise bei 40,00 Euro und der Gewinn je Aktie lag bei 2,50 Euro, beträgt das KGV 16. Das KGV gibt somit Auskunft darüber, wie oft der Gewinn je Aktie im aktuellen Aktienkurs enthalten ist. Man kann auch sagen, das KGV gibt an, wie viele Jahre dieser Gewinn je Aktie von einem Unternehmen erwirtschaftet werden muss, um den aktuellen Aktienkurs zu rechtfertigen. Grundsätzlich gilt: Je niedriger das KGV, desto günstiger ist die Aktie.

Der Umgang mit dem KGV

Als grobe Daumenregel wird ein KGV unter 10 tendenziell als günstig, ein KGV über 20 als teuer angesehen. Allerdings ist dies nur eine Orientierung, denn die Gewinnentwicklung der Unternehmen unterscheidet sich von Branche zu Branche. So wird Unternehmen aus Branchen mit einem hohen Wachstumspotenzial (Software, Technologie) von Analysten oftmals ein höheres KGV zugestanden, da ein unterstellter starker Anstieg der künftigen Gewinne zu einem tendenziell sinkenden KGV führt – sofern der Aktienkurs in der Zwischenzeit nicht ebenfalls stark ansteigt. Für ein aussagekräftiges Ergebnis sollten potenzielle Investmentkandidaten daher nur mit Unternehmen aus der gleichen Branche verglichen werden.

Darüber hinaus kann die Gewinnentwicklung mehr oder weniger starken Schwankungen unterworfen sein, je nachdem, welches Geschäftsmodell ein Unternehmen verfolgt. Größere Schwankungen sind oftmals in Branchen zu beobachten, die stark konjunkturabhängig sind (z. B. Technologie-, Industrie- und Rohstoffunternehmen). Die Folge: In Zeiten eines Aufschwungs bis hin zum Boom einer Wirtschaft steigen in der Regel auch die Gewinne der Unternehmen, wodurch sich ein vergleichsweise günstiges KGV ergeben kann. Da im Verlauf des Konjunkturzyklus einem Aufschwung/Boom regelmäßig ein Abschwung folgt, besteht jedoch das Risiko, dass die Gewinne in Zukunft nicht mehr so stark steigen. Das günstige KGV kann dann zu einer Fehleinschätzung führen.
 
Aus diesem Grund sollte zusätzlich zum Branchenvergleich auch eine Zeitraumanalyse erfolgen, bei der das aktuelle KGV eines Unternehmens mit den KGVs des Unternehmens in den letzten 5 bis 10 Jahren verglichen wird. Auf diese Weise lässt sich besser einordnen, ob das aktuelle KGV im historischen Vergleich eher niedrig oder hoch ist.

Sinnvolle Modifikation: das Shiller-KGV

Das von Nobelpreisträger Robert Shiller entwickelte Shiller-KGV nutzt ebenfalls die Daten über einen längeren Zeitraum, um eine Kennzahl zu erhalten, die weniger anfällig für kurzfristige Schwankungen in der Gewinnentwicklung und damit aussagekräftiger ist. Konkret wird der durchschnittliche Gewinn in den letzten zehn Jahren betrachtet und mithilfe des Verbraucherpreisindex um die Inflation bereinigt. Um das Shiller-KGV zu berechnen, wird also der aktuelle Aktienkurs durch den Durchschnitt der inflationsbereinigten Gewinne der letzten zehn Jahre geteilt. Aufgrund dieser Berechnungsmethode wird für das Shiller-KGV auch die Bezeichnung CAPE (Cyclically Adjusted Price Earnings Ratio) verwendet. Auch hier gilt, je niedriger das Shiller-KGV ist, desto günstiger ist eine Aktie bewertet. Tendenziell gelten Aktien bzw. Aktienmärkte als teuer, wenn das Shiller-KGV über 25 notiert.

Umfangreiche Fundamentaldaten in den Aktienporträts

Auf der Suche nach den historischen Gewinnen können Sie einerseits die Geschäftsberichte des jeweiligen Unternehmens einsehen, die in der Regel eine 10-Jahres-Übersicht zu den wichtigsten Kennzahlen enthalten. Einen schnellen Überblick bieten zudem die Aktienporträts auf www.ing-diba.de. Dazu einfach den Namen oder die WKN des Unternehmens in die Suchfunktion eingeben, die Aktie auswählen und anschließend den Reiter „Analyse“ aufrufen. Dort finden sich nicht nur Daten zur Entwicklung des KGV in den vergangenen Jahren, sondern zusätzlich noch Prognosen von FactSet zur künftig erwarteten Entwicklung dieser Kennzahl.

Anlageentscheidungen sollten allerdings nie auf der Grundlage nur einer einzelnen Kennzahl getroffen werden. Im Reiter „Analyse“ finden sich daher auch umfangreiche Angaben zur Entwicklung weiterer wichtiger Bewertungskennzahlen wie dem Umsatz und Gewinn je Aktie oder der Dividendenrendite. Hierbei gilt es zu berücksichtigen, dass Bewertungskennzahlen nur einen Teil von möglichen Auswahlkriterien darstellen und Prognosen für Kennzahlen keine zuverlässigen Aussagen über die künftige Entwicklung treffen können. In die Entscheidungsfindung für oder gegen ein Investment sollten daher immer auch andere Faktoren (z. B. die Geschäftslage eines Unternehmens oder das Marktumfeld) einbezogen werden.


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