Kolumne Dezember 2017

Spitze bleiben

Jeder Sportler weiß, wie schwierig ist es, an die Spitze zu gelangen. Noch schwieriger ist es allerdings, oben zu bleiben. Spitze bleiben! Dieses Motto gilt 2018 für die Weltwirtschaft und sicherlich auch die Finanzmärkte.

Das Jahr 2017 war eine positive Überraschung. Fürchteten nach Brexit und Trump anfangs viele noch Nexit und Frexit, so hat das schlichte Wegfallen der größten politischen Risiken zusammen mit niedrigen Zinsen und einem schwachen Euro die Eurozone zur großen positiven Überraschung des Jahres gemacht. Aber auch in anderen Regionen lief die Wirtschaft gut. In den USA feiert man eigentlich schon das ganze Jahr die Hoffnung, dass Präsident Trump irgendwann einmal mit wirklichen Wachstumsmaßnahmen kommt, die Schwellenländer stabilisierten sich weiter und China schafft den Übergang vom export-orientierten Modell hin zu einer mehr inländisch-orientierten Wirtschaft besser als erwartet. Und so erlebte die Weltwirtschaft ihr stärkstes Jahr seit 2010.

Auf den ersten Blick spricht wenig dagegen, dass 2018 nicht auch sehr positiv wird. Die Eurozone läuft gerade erst so richtig warm und die Rahmenbedingungen, wie niedrige Zinsen und ein schwacher Euro, bleiben positiv. In den USA ist Präsident Trump gerade drauf und dran, wenigstens etwas von seinen Steuerplänen umzusetzen und die gestiegenen Rohstoffpreise sollten einigen Schwellenländern einen weiteren Schub geben.

Heißt es für 2018 also einfach nur "Party on"? Nicht so schnell. Denn die Weltwirtschaft kann im Laufe des kommenden Jahres auch einige Rückschläge erleiden. So ist es zum Beispiel überhaupt nicht sicher, dass Trump’s großartige Steuererleichterungen auch wirklich die US-Konjunktur begeistern. Es wäre nicht das erste Mal, dass Wirtschaftsakteure einer schlecht finanzierten Steuerreform skeptisch gegenüber stehen. Denn niedrige Steuern heute sind häufig höhere Steuern morgen. Die italienischen Wahlen könnten die politischen Risiken schneller als erwartet nach Europa zurückbringen, Brexit gibt es ja auch noch und Unentschlossenheit bei weiteren Reformen der Währungsunion könnte die aktuelle Eu(ro)phorie genauso schnell wieder ersticken wie sie gekommen ist.

Und dann sind da natürlich noch die Zentralbanken. Vor allem in den USA und der Eurozone nimmt die Gefahr einer zu starken geldpolitischen Reaktion auf starkes Wirtschaftswachstum und steigender Inflation auf dem Rücken höherer Ölpreise zu. Es wäre nicht das erste Mal, dass Überreaktionen von Notenbanken den nächsten Abschwung einläuten.

Soweit sollte es allerdings nicht kommen. Vor allem die Zentralbanken sind sich ihrer Aufgabe sehr gut bewusst. Und so wird das Jahr 2018 wohl eher das Jahr des Übergangs. Das Jahr, in dem sich das Wachstum auf hohem Niveau stabilisiert. Aber auch das Jahr, in dem die Notenbanken vorsichtig ein neues Gleichgewicht suchen. Eine Begleiterscheinung dieser Phase des Übergangs ist höhere Volatilität. Am Ende dieser Phase sollte ein Gleichgewicht stehen, bei dem die Wirtschaften etwas weniger abhängig sind von der Politik des extrem billigen Geldes.

Wie bei Spitzensportlern nimmt auch bei der Weltwirtschaft bei großen Erfolgen die Erwartungshaltung zu. Die Voraussetzungen für ein weiteres starkes Jahr sind 2018 gegeben. Leistungsschwankungen sind dabei allerdings nicht auszuschließen.