Konzept Burggraben

Von Buffetts Burggräben und Musks Süßigkeiten – Scharmützel unter Börsenlegenden | 06.07.2018

Vor wenigen Wochen lieferten sich die beiden Legenden Elon Musk und Warren Buffett einen amüsanten Schlagabtausch. Nachdem Musk Buffetts Investmentstrategie indirekt als überholt bezeichnete, konterte der Altmeister auf seine Weise.

Teslas Analystenkonferenzen sind meist nicht nur informativ, sondern auch unterhaltsam. Mal nimmt Unternehmenschef Elon Musk die Konkurrenz aufs Korn, mal sind ihm die Analystenfragen zu anstrengend oder zu kritisch. Im Rahmen der Investorenkonferenz zu den Ergebnissen des ersten Quartals 2018 zeigte sich der Tesla-CEO wieder einmal angriffslustig. Angesprochen mit der Frage, warum er sein Supercharger-Netzwerk auch für andere Fabrikate zur Verfügung stellt und damit ein Alleinstellungsmerkmal, einen sogenannten Burggraben aufgibt, bezeichnete er Burggräben als lahm und unzureichend. Musks Meinung nach sind Burggräben nett und entzückend, als einzige Verteidigungslinie gegen eine einfallende Armee allerdings kaum geeignet, um eine Festung lange zu verteidigen. Vielmehr sei es das Investitionstempo, das für die Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens ausschlaggebend ist. Mit seiner Wortwahl leistete sich Musk indirekt auch eine Speerspitze gegen Investmentlegende Warren Buffet.

Denn „Moat“ – die englische Bezeichnung für Burggraben – ist zweifelsfrei eines des Lieblingswörter Buffetts und zentraler Bestandteil im Auswahlprozess seiner Investments. Im ökonomischen Sinn stellt ein Burggraben eine für die Wettbewerber kaum zu überwindende Markteintrittsbarriere dar. Für ein Unternehmen können im übertragenen Sinn zum Beispiel Patente, Produktionsverfahren, der exklusive Zugriff auf Ressourcen oder Zulieferer, ein bekannter Markenname, staatliche Monopole oder eine marktbeherrschende Stellung ein Burggraben sein. Konzerne mit diesen besonderen Wettbewerbsvorteilen sind meist in der Lage, langfristig Gewinne einzufahren und diese sogar kontinuierlich zu steigern.

Burggraben-Aktien zählen zu Buffetts Lieblingen

Auf Musks Einstellung angesprochen konnte sich auch Altmeister Buffett im Rahmen des Aktionärstreffens seiner Investmentgesellschaft Berkshire Hathaway einen Seitenhieb gegen den Tesla-Gründer nicht verkneifen: Musk möge zwar einige Dinge auf den Kopf stellen, am Aktienmarkt gebe es aber noch immer viele interessante Burggraben-Unternehmen. Explizit verwies Buffett dabei auf den Pralinenhersteller „See`s Candy“, seit Jahrzehnten eines der erfolgreichsten Investments für die Beteiligungsgesellschaft, und lieferte Musk damit eine Steilvorlage für einen weiteren Tweet: Über seinen Twitter-Account kündigte Elon Musk umgehend an, ebenfalls ein Süßwaren-Unternehmen zu starten, einen Burggraben zu bauen und diesen dann mit Süßigkeiten zu füllen, sodass Buffett einem Investment nicht widerstehen könne.
 
Dabei war die von Buffett herangezogene Referenz durchaus gut gewählt. Im Süßwarenbereich wimmelt es geradezu von Konkurrenz und dennoch schaffen es die Marktführer dank geheimer Rezepturen und unbekannter Mengenaufteilungen oder aber eines herausragenden Markennamens ihren Burggraben über Jahrzehnte hinweg als unüberwindbares Hindernis zu erhalten. Beide Burggraben-Merkmale treffen bspw. auch auf Coca-Cola zu, das ebenfalls zu den langjährigen Depotpositionen von Berkshire Hathaway zählt. Die weltweite Präsenz, wohlgehütete Rezepturen und eine extrem bekannte Marke machen den Burggraben für die Konkurrenz besonders tief.


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