Kostenkontrolle

Zahlen Sie nicht zu viel! | 06.10.2017

Sparen und Geldanlage – zwei Begriffe, die sich in Zeiten von Nullzinspolitik und Strafzinsen scheinbar ausschließen. Doch lässt sich bei der Geldanlage nicht nur auf herkömmliche Weise sparen. Wer ein Auge auf die Kosten hat, kann ebenfalls bares Geld sparen.

„Der Gewinn liegt im Einkauf“, besagt eine alte Kaufmannsregel. Übertragen auf die Börse bedeutet dies, Wertpapiere möglichst günstig zu kaufen und möglichst teuer zu verkaufen. Die Differenz kann man als Gewinn vereinnahmen. Wie hoch dieser Gewinn ausfällt, hängt allerdings nicht allein von der Wertentwicklung des jeweiligen Wertpapiers ab. Neben den Steuern haben auch die Kosten, die z.B. beim Kauf und Verkauf anfallen, einen Einfluss darauf, wie viel vom Gewinn unterm Strich beim Anleger verbleibt.

Depotführung, Ordergebühren und Börsengebühren

Ein Kostenblock sind etwaige Gebühren für die Depotführung. Bei vielen Direktbanken und Online-Brokern ist diese zwar oftmals kostenfrei. Allerdings sollte hierbei auf das Kleingedruckte geachtet werden, denn mancher Anbieter bietet den Service nur dann kostenlos an, wenn der Anleger in einem bestimmten Zeitraum eine gewisse Anzahl an Trades durchführt oder einen Sparplan eingerichtet hat. Hinzu kommen die Ordergebühren als Entgelt, das für die Auftragsabwicklung an die depotführende Bank gezahlt wird sowie die Börsengebühren, in Form des Entgelts für die Nutzung des jeweiligen Handelsplatzes sowie die Vergütung der Kursmakler (Courtage). Die Höhe dieser Kosten variiert je nach Anbieter und gewähltem Handelsplatz.

Nicht zu vergessen, der Spread!

Ein weiterer Kostenfaktor ist die Differenz zwischen dem Kauf- und Verkaufskurs von Wertpapieren, der sogenannte Spread. Hier lässt sich durch den Vergleich der Angebote an verschiedenen Börsenplätzen unter Umständen ein günstigeres Angebot finden. Allerdings sollte man im Hinterkopf behalten, ob der Preisvorteil nicht durch ein möglicherweise höheres Börsenplatzentgelt wieder aufgezehrt wird. Bei Wertpapieren, die sich auf einen Basiswert (z.B. ein Unternehmen, Index oder Rohstoff) beziehen, der hauptsächlich an einer ausländischen Börse gehandelt wird, kann der Spread unter Umständen mehrere Prozent des aktuellen Kurses ausmachen, wenn die Heimatbörse geschlossen ist. Daher sollten solche Wertpapiere nach Möglichkeit dann gehandelt werden, wenn sie auch an der Heimatbörse gehandelt werden.

Ausgabeaufschlag, Verwaltungsgebühren und sonstige Kosten

Speziell bei Investmentfonds ist der Ausgabeaufschlag ein maßgeblicher Kostenfaktor. Dieser wird beim Kauf eines Fondsanteils gezahlt und dient als Vergütung für den Vermittler, der damit seine Vertriebskosten deckt. Hinzu kommen eine etwaige Performancegebühr sowie die Verwaltungsgebühr, mit der die Fondsgesellschaft ihre Kosten deckt. Aufschluss darüber, wie hoch die jährlichen Kosten sind, die zusätzlich zum Ausgabeaufschlag anfallen, gibt die Gesamtkostenquote (Total Expense Ratio, TER).
 
Verwaltungsgebühren fallen auch bei ETFs (Exchange Traded Funds) an. Da es sich bei ETFs in der Regel um passiv gemanagte Produkte handelt, die die Wertentwicklung eines zugrunde liegenden Index nahezu 1:1 nachvollziehen, fallen die Gebühren jedoch niedriger aus als bei einem aktiv gemanagten Investmentfonds.

Bei Zertifikaten gibt der seit 2014 in den Produktinformationsblättern ausgewiesene vom Emittenten geschätzte innere Produktwert IEV (Issuer Estimated Value) Aufschluss über die Kosten. Der IEV liegt bei Emission des Zertifikats unter dem Emissionskurs. Der Differenzbetrag beinhaltet die erwartete Marge des Emittenten und ggf. eine Vertriebsvergütung. Daneben können auch bei Zertifikaten je nach Produkttyp Verwaltungsgebühren (z.B. bei Produkten ohne Laufzeitbegrenzung) oder Gebühren für eine etwaige Währungssicherung (Quanto) anfallen.

Für Namensaktien inländischer Unternehmen kann beim Kauf eine Gebühr für die Eintragung in das Aktienregister fällig werden. Grundsätzlich wird die Gebühr von der zentralen Verwahrstelle Clearstream erhoben. Ob und in welcher Höhe die jeweilige Depotbank diese Kosten an den Kunden weiterreicht, ist aber von Anbieter zu Anbieter verschieden.

Eine Besonderheit beim Erwerb von verzinslichen Wertpapieren (Anleihen) sind die Stückzinsen. Bei Stückzinsen handelt es sich um die Zinsen, die rechnerisch vom letzten Zinstermin bis zum Tag vor der Erfüllung des Anleiheverkaufs angefallen sind und die dem Verkäufer der Anleihe zustehen. Der Käufer zahlt die seit dem letzten Zinstermin angefallenen Stückzinsen zunächst an die Bank, die diese an den Verkäufer weiterreicht. Beim nächsten Zinstermin erhält der Käufer vom Emittenten der Anleihe dann eine Zinszahlung für die gesamte Zeit zwischen den beiden Zinsterminen und bekommt somit auch die bereits gezahlten Stückzinsen zurück.

Vergleichen hilft Kosten zu sparen

Der Überblick zeigt: Beim Handel mit Wertpapieren fallen für den Anleger einige Kosten an. Grundsätzlich lohnt ein Vergleich im Vorfeld, denn der Wettbewerb, in dem Direktbanken, Online-Broker, aber auch die Börsenplätze, Kapitalverwaltungsgesellschaften und Emittenten von Zertifikaten untereinander stehen, führt zu unterschiedlichen Preismodellen. Zudem kann es im Rahmen von Aktionsangeboten möglich sein, z.B. Investmentfonds mit reduzierten Ausgabeaufschlägen oder Wertpapiere zu reduzierten Gebühren zu erwerben.


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