Kolumne Januar 2018

„Alles Gute für 2018“, wünscht Carsten Brzeski, Chefvolkswirt der ING-DiBa.

Wenn es neben Feiertagen und Festmahlen in den letzten Tagen und Wochen noch etwas im Überfluss gab, dann waren das Rück- und Vorausblicke. Auf die Politik, auf die Wirtschaft und natürlich auf die Börsen. Mittlerweile stellt sich genauso wie bei den Feiertagen und Festmahlzeiten ein gewisses Sättigungsgefühl ein. Die Glaskugeln sind matt gerieben, Kaffeesätze ausgelesen und Bleigießen gehört dank Europa ja auch der Vergangenheit an. Man kennt den “Mainstream”, der ein munteres “weiter so” vorhersagt, und man kennt die Risiken, manche an den Haaren herbeigezogen, andere gar nicht so unrealistisch.  Für die professionellen Voraussichten und Prognosen für 2018 gilt das gleiche wie für die Mahlzeiten der letzten Tage: man sollte sie jetzt erst einmal sacken lassen. (Und wer doch noch nicht genug hat von Aus- und Rückblicken, der wird im weiteren Verlauf des Newsletters bedient.)

Darum jetzt einfach mal etwas leichte Kost. Denn was ist das beste Mittel gegen zu viel Prognosen? Alte Binsenweisheiten und Börsensprichwörter.

Eine der bekanntesten Weisheiten ist die des “kaufe bei schlechten Nachrichten und verkaufe bei guten”. Diese Weisheit beschreibt die Tatsache, dass der Markt eine negative Entwicklung oder Nachricht häufig vorwegnimmt. So unlogisch diese Börsenweisheit auf den ersten Blick erscheint, so häufig handeln Marktteilnehmer nach ihr. Anders ist es bei der Weisheit, dass der Trend dein Freund ist. Hier sollten die Alarmglocken läuten. Kurzfristig ist es durchaus möglich, dass sich eine bestimmte Entwicklung fortsetzt. Mittelfristig wäre es allerdings fatal zu denken, dass alles immer so bleibt wie es war. Man könnte diese doch sehr bekannte Weisheit demnach vielleicht besser umformulieren in „The trend is your friend, but only at the right time.“

Bewährt hat sich in den letzten Jahren, dass politische Börsen kurze Beine haben. Trotz Brexit, Trump, Nord-Korea oder dem Krim-Konflikt waren die Märkte immer nur sehr kurz beeindruckt. Oder gar nicht. Eine Garantie, dass politische Börsen immer kurze Beine haben, gibt es natürlich nicht. Zu guter Letzt wäre da “sell in May and go away”. Eine Strategie, welche aus den frühen Tagen der Börse herrührt und die rein statistisch auch belegt war. Die Betonung liegt auf „war“. Computerhandel, Notenbankenliquidität und globale Vernetzung haben die kalendarischen Regelmäßigkeiten außer Kraft gesetzt.

Was bleibt nach dieser leichten Kost? Mit Börsenweisheiten ist es häufig so wie mit den Bauernregeln: mal treffen sie zu, mindestens genauso oft auch nicht. Eine gesunde Diversifikation, die Qualität und Liquidität der getätigten Anlagen sowie ein klarer Anlagehorizont sind daher wohl bessere Ratgeber als jede Plattitüde. Mit den Börsenweisheiten kann man aber definitiv beim Smalltalk der anstehenden Neujahrsempfänge eine gute Figur machen. Alles Gute für 2018.

Carsten Brzeski