Old school, nicht old fashioned

Klassische Medienkonzerne wandeln sich. Damit eröffnen sich Chancen für Anleger | 02.02.2017

BÖRSE ONLINE

Eine Analyse von BÖRSE ONLINE,
Martin Hintze | Werbemitteilung

Haben Sie mal Teenager in ihrem Umgang mit Medien beobachtet? Fernsehen? Total out. Stattdessen schauen die Kids auf ihren Smartphones Youtube-Videos. Zeitungen und Bücher? Werden – wenn überhaupt – auf dem Tablet gelesen. Wer dann noch Schlagzeilen wie „Das bittere Jahr der deutschen Medienaktien“ oder „Ungewisse Zukunft“ liest, der wird tunlichst Abstand zu den Klassikern der Branche halten. Zu Unrecht, wie Analyst Robert Berg von der der Privatbank Berenberg meint: „Die letztjährige schwache Entwicklung europäischer Medienwerte sollte sich 2017 ändern.“
Das gilt auch für die deutsche Nummer eins: Axel Springer. Die Aktien des Konzerns („Bild“, „Welt“) haben zwar in den vergangenen beiden Jahren jeweils klar schlechter abgeschnitten als die Benchmark MDax. Allerdings kauft das Management um Vorstandschef Mathias Döpfner geschickt im Digitalbereich zu, zuletzt etwa das US-Werbenetzwerk ShareASale. Ohnehin haben die Berliner große Fortschritte auf dem Weg zum digitalen Unternehmen gemacht. Harald Heider, Analyst der DZ Bank, sieht so „interessante Umsatz- und Ertragsperspektiven“ und bewertet die Aktien weiter als „Kauf“. Anleger mit mittel- bis langfristigem Horizont können die Anteilsscheine – nicht zuletzt aufgrund der hohen Dividendenrendite von rund vier Prozent – auf ihre Watchlist setzen.

Ziel: Digitales Medienunternehmen

Eine interessante Aktie ist auch die der Schweizer Tamedia („20 minuten“, „BZ Berner Zeitung“). Jüngst wurde Vorstandschef Christoph Tonini bei den Eidgenossen zum „Medienmanager des Jahres“ gekürt, nicht zuletzt mit Blick auf den Gewinn von 334 Millionen Franken (knapp 312 Millionen Euro) für 2015. Das sei mehr als alle anderen Schweizer Medienunternehmen zusammen hatten ausweisen können, hieß es. Der Haken: 2016 wird längst nicht so erfreulich verlaufen sein.
Einer der Gründe: Auch Tamedia ist ständig auf der Suche nach attraktiven Übernahmezielen. Schließlich ist es Toninis erklärtes Ziel, „ein wirklich digitales Medienunternehmen zu werden“. Mittelfristig soll etwa die Hälfte der operativen Gewinne im Digitalgeschäft erwirtschaftet werden. Dass das noch ein wenig dauern wird, zeigt der Blick auf die Performance. Für 2016 resultierte ein Minus von rund zehn Prozent. Immerhin: Über die vergangenen drei Jahre hinweg legten die Tamedia-Titel um mehr als 35 Prozent zu. Diese Entwicklung ist zwar kein Garant für die Zukunft, lässt aber hoffen.

Profitieren vom Übernahmepoker

Wie anders sieht der Kurschart dagegen bei der italienischen Arnoldo Mondadori Editore aus. Während der vergangenen drei Jahre gab die Aktie um insgesamt fast zehn Prozent nach, legte aber 2016 um 35 Prozent zu. Allerdings haben die Kurssteigerungen keine fundamentalen Gründe. Vielmehr tobt offenbar hinter den Kulissen ein Machtkampf zwischen dem französischen Medienkonzern Vivendi und der Beteiligungsgesellschaft Fininvest um die Mehrheiten an Silvio Berlusconis Mediaset und als Gegenpol eben Mondadori. Kurzfristig orientierte und risikofreudige Anleger können sich mit kleinen Tranchen an dieser Wette beteiligen.
Etwas weniger kurzlebig sind die gestiegenen Umsätze, die viele amerikanische Medienunternehmen im abgelaufenen Jahr verbucht haben. Grund war der heftige und aufmerksam beobachtete Präsidentschaftswahlkampf zwischen Donald Trump und Hillary Clinton. Er brachte höhere Auflagen und steigende Quoten – und damit bessere Anzeigen- beziehungsweise Spot-Preise. Beispiel Fox News: Die Nummer eins der Branche in den USA hat ihre Zuschauerzahlen glatt verdoppeln können. Kein Wunder, dass auch andere Gesellschaften profitieren, etwa Graham Holdings. Für sie hat die Research-Firma TheStreet gerade ihr Rating von „hold“ auf „buy“ angehoben. Dabei ist Graham eigentlich ein sehr junges Unternehmen, das erst im November 2013 gegründet wurde. Allerdings: Zuvor firmierte Graham als „The Washington Post Company“. Als Amazon-Gründer Jeff Bezos die Zeitung im August 2013 kaufte, übernahm er auch den Firmennamen. Die Holding benannte sich um und fungiert nun als Mediengruppe mit fünf TV-Sendern, einer Kabel-Fernsehfirma und einer ganzen Reihe weiterer Tochterunternehmen.
Interessant sind die Graham-Titel aufgrund des Wachstumskurses des Konzerns. Anleger sollten allerdings daran denken, dass sie sich mit amerikanischen Aktien ein Währungsrisiko ins Depot holen.

Sparkurs zeigt Wirkung

Das gilt auch für die Verlagsgruppe Pearson, die ihren Sitz in London hat. Eine Beteiligung an dem Konzern, zu dem unter anderem die Penguin Group gehört, ist deshalb vielversprechend, weil die Titel nach Ansicht von Analysten stark unterbewertet sind. Tatsächlich sind eine üppige Dividendenrendite und ein nur knapp zweistelliges Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) und eine zuletzt ermittelte Kurs-Buchwert-Relation (KBV) unter 1 deutliche Bestätigungen. Die günstige Bewertung ist allerdings eine Folge des deutlichen Umsatzrückgangs, den das Unternehmen selbst für die ersten neun Monate 2016 mit sieben Prozent beziffert hat. Immerhin: Der operative Jahresgewinn dürfte zwischen 580 und 620 Millionen Pfund (670 bis 715 Millionen Euro) liegen. Damit zeigt der Sparkurs der vergangenen Jahre erste Erfolge. Die Konzentration auf die Lehrbuch-Sparte ist nicht ohne Risiko. Gelernt allerdings wird mit zunehmender Tendenz. Die Aktie ist attraktiv für Anleger mit langfristigem Horizont.
Es zeigt sich: Die Medienkonzerne haben verstanden, dass sie mit ihrem Stammgeschäft auf Dauer nicht bestehen können. Der Wandel macht viele Unternehmen der Branche attraktiv – bei den Inhalten und den Aktien.

Investment-Beispiele:

Arnoldo Mondadori

ISIN

IT0001469383

Aktueller Kurs

1,32 €

KGV* (2017)

10,5

Gewinn/Aktie (2017**)

0,13 €

Dividende (2017**)

0,01 €

Dividendenrendite (2017**)

1,1 %

Axel Springer

ISIN

DE0005501357

Aktueller Kurs

48,33 €

KGV* (2017)

18,4

Gewinn/Aktie (2017**)

2,56 €

Dividende (2017**)

1,90 €

Dividendenrendite (2017**)

4,0 %

Graham Holdings

ISIN

US3846371041

Aktueller Kurs

483,49 €

KGV* (2017)

23,7

Gewinn/Aktie (2017**)

20,60 €

Dividende (2017**)

9,17 €

Dividendenrendite (2017**)

1,9 %

Pearson

ISIN

GB0006776081

Aktueller Kurs

7,29 €

KGV* (2017)

11,4

Gewinn/Aktie (2017**)

0,62 €

Dividende (2017**)

0,39 €

Dividendenrendite (2017**)

5,6 %

Tamedia

ISIN

CH0011178255

Aktueller Kurs

139,10 €

KGV* (2017)

15,8

Gewinn/Aktie (2017**)

8,86 €

Dividende (2017**)

4,19 €

Dividendenrendite (2017**)

3,0 %

*KGV: Kurs-Gewinn-Verhältnis; ** Prognose; Währungen umgerechnet in Euro; Stand: 27.1.2017


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