Prima (Konsum-)Klima!

Konsumklimaindex als Spiegelbild der Konjunktur

Pünktlich zum Sommerbeginn zeigen sich Stimmungsindikatoren wie der Konsumklimaindex von ihrer sonnigen Seite. Doch wie aussagekräftig sind diese Ergebnisse und welche Daten liegen zugrunde?

Deutschland gilt schon lange als Lokomotive der europäischen Wirtschaft und konnte in den beiden zurückliegenden Jahren recht konstante Wachstumsraten verzeichnen. 2014 und 2015 legte das Bruttoinlandsprodukt um jeweils 1,6 % bzw. 1,7 % zu. Entgegen der allgemeinen Einschätzung, dass sich die deutsche Wirtschaft in erster Linie über einen starken Export definiert, sind es derzeit vor allem die Verbraucher, die sich für das solide Wirtschaftswachstum verantwortlich zeigen. So war im vergangenen Jahr ein ganzer Prozentpunkt des BIP-Anstiegs auf die Kauflust der privaten Haushalte zurückzuführen. Einen größeren Anteil am deutschen Wirtschaftswachstum hatten die Konsumenten zuletzt im Jahr 2000. Insgesamt entfallen knapp 60 % des Bruttoinlandsprodukts auf die Konsumausgaben der privaten Haushalte, weitere rund 20 % steuern die Ausgaben des Staats bei.

Langjähriger Trendindikator

Entsprechend gilt der GfK-Konsumklimaindex als vielbeachteter Indikator für die konjunkturelle Entwicklung in Deutschland und wird zugleich als Ergänzung zu weiteren Statistiken wie dem EU-Verbrauchervertrauen herangezogen. Seit 1980 wird der Index von der Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung jeden Monat auf Basis von rund 2.000 Verbraucherinterviews mit Personen ab 14 Jahren ermittelt. Dabei müssen die Interviewpartner einen Fragenkatalog mit rund 12 Fragen beantworten – etwa ob die Verbraucher es derzeit für ratsam halten, größere Anschaffungen zu tätigen. Besondere Bedeutung innerhalb der Auswertung der GfK haben dabei die drei Bereiche der Konjunktur- und Einkommenserwartung sowie die Anschaffungsneigung, aus denen letztlich der Konsumklimaindex zusammengesetzt wird.

Prächtige Stimmung im Juni

Die jüngste Veröffentlichung per Juni brachte mit einem Anstieg des Konsumklimaindex im Vergleich zum Vormonat von 9,7 auf 9,8 Punkte eine weitere Stimmungsaufhellung auf Seiten der Verbraucher. Vor allem für die weitere Konjunkturentwicklung zeigten sich die Befragten optimistisch. Der entsprechende Subindex legte zum dritten Mal in Folge zu und notiert mit einem Plus von 9,7 Punkten bei nun 18 Zählern auf dem höchsten Stand seit Juni 2015. Damals lag der Konsumklimaindex mit 18,4 Punkten nur unwesentlich höher. Derweil legte der Teilindex der Einkommensentwicklung auf den höchsten Stand seit der Wiedervereinigung zu. Die privaten Haushalte rechnen also mit einer starken Einkommensentwicklung in den kommenden Monaten, während die Angst vor einem Jobverlust sehr gering ist. Auch wenn die Anschaffungsneigung etwas nachgab, sprechen die Umfragewerte dennoch für einen weiterhin robusten Konsumtrend.

Wichtiger Signalgeber, aber nicht ohne Schwächen

Der GfK-Konsumklimaindex ist ein vergleichsweise zuverlässiges Instrument, um frühzeitig Tendenzen in der privaten Konsumneigung zu erkennen. Durch die monatliche Erhebung der Daten signalisiert der Index etwaige Veränderungen meist früher als quartalsweise veröffentlichte Daten, ist damit aber auch anfälliger für kurzzeitig auftretende Ereignisse wie zuletzt bspw. das Brexit-Referendum. Auch die vergleichsweise geringe Teilnehmerzahl und die relativ einfachen Fragestellungen bieten Raum für Fehlinterpretationen, weshalb der Konsumklimaindex besser als Trend über mehrere Monate hinweg beachtet werden sollte.


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