Saisonalitäten

Sell in Summer – Lohnt sich eine saisonale Strategie tatsächlich? | 06.07.2018

Die Sonne scheint, die Ferien stehen vor der Tür. Und damit auch die statistisch gesehen schwächste Marktphase an den Aktienmärkten. Trotz hoher Temperaturen sollten Anleger einen kühlen Kopf bewahren und nicht voreilig handeln.
 
„Sell in May and go away“ lautet eine der bekanntesten und ältesten Börsenweisheiten, die auch in diesem Frühjahr an den Börsen wieder vielfach zitiert wurde. Weniger bekannt ist den Marktteilnehmern allerdings die Fortsetzung der Börsenregel mit „… and stay away till St. Leger Day“. Die Börsenweisheit fußt damit auf einem über viele Jahre hinweg beobachteten Kursmuster, nach dem die Aktienkurse zu Beginn des Jahres meist steigen, ab Mai allerdings ihren Aufwärtstrend beenden und in eine Korrekturphase übergehen.
 
Denn in der nachrichtenarmen Ferienzeit nehmen die Handelsumsätze an den Börsen traditionell ab, viele professionelle Marktteilnehmer halten sich mit Neuengagements zurück. So der Legende nach auch die Banker und Portfoliomanager aus London, die sich ab Mai stets in die Sommerferien verabschiedet haben und erst wieder nach dem „St. Leger Day“, dem letzten Pferderennen der Saison, im September in die City zurückgekehrt waren. Anleger sollten demnach ihre Positionen im Mai größtenteils verkaufen und sich über den Sommer hinweg vom Markt fernhalten.

Auf die Detailbetrachtung kommt es an

Zahlreiche empirische Untersuchungen bestätigen die alte Börsenweisheit tatsächlich. In der längerfristigen Betrachtung weist der DAX bzw. seine Vorgängerindizes für die Monate Mai, Juni, August und September im Durchschnitt eine negative Performance aus, während der Index in den übrigen Monaten im Schnitt freundlich tendierte.
 
Wer in den zurückliegenden knapp 60 Jahren also stets sein Portfolio im Mai leer geräumt hätte und erst im Oktober wieder in den Aktienmarkt zurückgekehrt wäre, konnte eine höhere Gesamtrendite erzielen als mit einem Investment, das auch in den Sommermonaten gehalten wurde. Allerdings kann von solchen Entwicklungen in der Vergangenheit nicht auf künftige Entwicklungen geschlossen werden. Dies umso mehr, da bei genauerer Betrachtung vor allem die Markteinbrüche in den Jahren 2001 und 2002 das Bild stark verzerren. Mit der saisonalen Strategie konnten Anleger diese Verluste natürlich vermeiden. Eine vergleichbare Outperformance lässt sich in den vergangenen 10 Jahren allerdings kaum mehr beobachten. Zwar präsentierten sich die Börsensommer 2008, 2011 oder 2015 ebenfalls ausgesprochen schwach. Auf der anderen Seite bescherten die Sommer 2009, 2013 oder 2016 den Investoren aber auch Kursgewinne.

DAX: 10-Jahres-Chart, Quelle: tradesignalonline.com
Wertentwicklungen der Vergangenheit sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.

Für Privatanleger dürfte es ohnehin schwierig sein, den richtigen Zeitpunkt für den Ausstieg und den Wiedereinstieg in den Aktienmarkt zu erwischen. Genau dieses Timing ist allerdings besonders wichtig. Von einer möglichen Jahresschlussrallye würden Anleger nämlich nur dann voll profitieren, wenn sie rechtzeitig ihre Investitionsquote wieder nach oben fahren – oder ihre Aktienpositionen eben gar nicht erst verkaufen. Dabei muss man sich jedoch darüber im Klaren sein, dass an den Kapitalmärkten auch längere Phasen mit fallenden Kursnotierungen möglich sind, durch die das Investment in die Verlustzone geraten kann. Wer für einen langfristigen Vermögensaufbau konsequent auf Sparpläne setzt, für den haben Marktphasen mit sinkenden Notierungen immerhin noch einen interessanten Nebeneffekt: Investmentfonds- oder ETF-Anteile werden dann günstiger eingekauft, sodass man für den gleichen Sparbetrag einen größeren Anteil am Fonds bzw. ETF erwirbt. Dadurch sinken in der Gesamtbetrachtung die Durchschnittskosten des Investments.


Ihre Bewertung

War dieser Artikel hilfreich für Sie? Vielen Dank! Vielen Dank! Vielen Dank!