Sell in Summer?

Statistisch schwache Börsenmonate voraus

Wenn die Temperaturen im Sommer nach oben klettern, beginnen statistisch gesehen die schwächsten Börsenmonate des Jahres. Was Anleger in der heißen Jahreszeit wissen sollten, um einen kühlen Kopf zu bewahren und die Nerven zu schonen.

„Sell in May and go away“ ist eine der bekanntesten und ältesten Börsenweisheiten, die so ziemlich jedem Börsianer bekannt sein dürfte. Doch die wenigsten Marktteilnehmer wissen um die Fortsetzung dieser Börsenregel „stay away till St. Leger Day“. Der Börsenweisheit nach sollten Anleger ihre Positionen also im Mai größtenteils verkaufen und sich über den Sommer hinweg vom Markt fernhalten. Denn in der nachrichtenarmen Ferienzeit nehmen die Handelsumsätze an den Börsen traditionell ab, viele professionelle Marktteilnehmer halten sich mit Neuengagements zurück. So der Legende nach auch die Banker und Portfoliomanager aus London, die sich ab Mai stets in die Sommerferien verabschiedet haben und erst wieder nach dem „St. Leger Day“, dem letzten Pferderennen der Saison, im September in die City zurückgekehrt waren.

Statistik bestätigt die Börsenregel – zum Teil

Blickt man auf die Statistiken der vergangenen Jahre, setzt die „Sell in May“-Strategie beim DAX zu früh an. Seit 1988 bescherten sowohl der Mai wie auch Juni und Juli dem Deutschen Aktienindex im Durchschnitt Kursgewinne. Dafür brachten August und September mit einem durchschnittlichen Minus von jeweils über 2 % Kursverluste mit sich. Im vergangenen Jahr musste der DAX im August und September sogar noch deutlich größere Kursrückgänge verkraften. Ein etwas anderes Bild zeigt sich an den US-Börsen, wo der Dow Jones seit 1927 lediglich in den Monaten Mai und September eine negative durchschnittliche Performance ausweist.

Zwar verzerren einige Crashs, wie die Asienkrise im Sommer 1997, die Russlandkrise im Spätsommer 1998, die Anschläge auf das New Yorker World Trade Center im September 2001 oder auch der Zusammenbruch von Lehman Brothers im September 2008 etwas das Bild, dennoch liefert nicht nur die durchschnittliche Performance, sondern auch die Regelmäßigkeit ein klares Bild: Kursgewinne in den Sommermonaten August und September gab es für den DAX seit 1988 in weniger als 50 % aller Fälle, während der Dezember bspw. im gleichen Zeitraum in über 80 % aller Fälle ein positives Ergebnis erreichen konnte.

Nun lassen sich aus den Entwicklungen der Vergangenheit keine zuverlässigen Aussagen für die Zukunft ableiten. Zudem können sich Statistiken im Laufe der Zeit verändern. Doch es gibt einige Gründe für die auffällige Schwäche zum Ende des Sommers hin.

Fehlende Impulse

Nach der Dividendensaison und den Halbjahresbilanzen fehlt es im Spätsommer häufig an neuen Impulsen aus den Unternehmen, sodass schlechte Konjunkturdaten und politische Ereignisse in der nachrichten- und umsatzarmen Ferienzeit verstärkt Einfluss nehmen können. Zu diesem Zeitpunkt werden auf Basis der Halbjahresergebnisse auch die Gesamtjahresprognosen der Unternehmen und Analysten überprüft – erweisen sich diese als zu optimistisch, folgen im Zuge der Vorbereitung auf die Neun-Monats-Zahlen per Ende September häufig schon Gewinnwarnungen seitens der Gesellschaften.

Drei Varianten für unbeschwerte Urlaubstage

Anleger sollten sich nicht blind auf die saisonalen Verlaufsmuster an der Börse verlassen, schließlich handelt es sich nur um langjährige Durchschnittswerte. Dennoch kann es nicht schaden, diese Muster in die Anlagestrategie mit einfließen zu lassen. Mit welchen Varianten Sie Ihr Depot für die kommenden Monate absichern können, erfahren Sie im Artikel „Mit Aktien entspannt verreisen – Drei Varianten, um Ihr Depot urlaubsfest zu machen“.


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