Berichtssaison

Was sagen Unternehmenskennzahlen aus? | 02.08.2017

Die Berichtssaison zum zweiten Quartal ist angelaufen. Für Anleger bedeutet dies, dass sie sich in den kommenden Wochen einer wahren Zahlenflut gegenübersehen. Da ist es gut zu wissen, was die gängigen Kennzahlen über ein Unternehmen aussagen.

Umsatz, EBIT, EBIT-Marge, Jahresüberschuss – Geschäftsberichte und Quartalsberichte enthalten eine Vielzahl an Daten, die Aktionären und Analysten Auskunft über die Geschäftsentwicklung eines Unternehmens geben sollen. Doch um sich ein Bild von der wirtschaftlichen Lage eines Unternehmens machen zu können, muss man wissen, was die veröffentlichten Zahlen im Detail aussagen.

Am Anfang steht der Umsatz

Eine der ersten Kennzahlen, auf die man beim Lesen der Mitteilungen zum Geschäftsverlauf stößt, ist der Umsatz. Auch als Erlöse bezeichnet, stellt der Umsatz die Einnahmen dar, die das Unternehmen mit seinen Produkten oder Dienstleistungen erzielt hat. Die Höhe der Erlöse ergibt sich aus der Anzahl der im betrachteten Zeitraum verkauften Produkte (oder erbrachten Dienstleistungen) multipliziert mit dem jeweiligen Verkaufspreis. Der Umsatz bildet die Basis für Gewinn eines Unternehmens. Insbesondere börsennotierte Unternehmen verfolgen das Ziel, Umsatz und Gewinn im Zeitverlauf zu steigern und damit den Unternehmenswert zu erhöhen.

EBIT, EBIT-Marge und EBITDA – internationale Vergleichskennzahlen

Die Erlöse geben einen ersten Hinweis auf die Geschäftsentwicklung. Allerdings geht daraus nicht hervor, ob gestiegene Erlöse z. B. aus der Gewährung von hohen Rabatten resultieren. Auskunft über die Erträge, die ein Unternehmen aus seiner gewöhnlichen Geschäftstätigkeit erzielt, gibt das Ergebnis vor Zinsen und Steuern, kurz EBIT (Earnings before interest and taxes) auch operatives Ergebnis genannt. Es hat sich international als wichtige Kennzahl für die Beurteilung der operativen Profitabilität etabliert. Berechnet wird das EBIT, indem von den Umsatzerlösen alle aus der operativen Geschäftstätigkeit resultierenden Kosten (z. B. Produktion, Verwaltung, Forschung, Marketing) abgezogen werden. Im EBIT nicht berücksichtigt werden das Finanzergebnis und die Ertragsteuern.
 
Für einen aussagekräftigen Vergleich mehrerer Unternehmen sollte jedoch nicht nur die absolute Höhe des EBITs, sondern auch die EBIT-Marge betrachtet werden. Sie lässt sich mit der Formel „EBIT/Umsatz x 100“ ermitteln und gibt Auskunft über den Anteil des operativen Gewinns am gesamten Umsatz. Dabei gilt: Je höher die Marge, desto mehr Erträge erzielt ein Unternehmen aus seinen Umsätzen. Dabei kann eine hohe EBIT-Marge beispielsweise aus Wettbewerbsvorteilen wie fortschrittlichen Technologien oder einer kostengünstigen Produktion resultieren. Mit der Betrachtung der EBIT-Marge über längere Zeiträume lassen sich Rückschlüsse darüber ziehen, ob es dem Unternehmen gelungen ist, seine Profitabilität zu steigern. Darüber hinaus können mit dieser Kennzahl verschiedene Unternehmen verglichen werden. Dabei sollte jedoch berücksichtigt werden, dass es abhängig von der Branche zu deutlichen Unterschieden hinsichtlich der Profitabilität kommen kann, sodass ein Vergleich der EBIT-Margen vor allem innerhalb einer Branche sinnvoll ist.
 
Eine weitere Kennzahl zur Beurteilung der operativen Ertragskraft ist das EBITDA (Earnings before interest, taxes, depreciation and amortisation), also das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen). Das EBITDA erhält man, indem zum EBIT die getätigten Abschreibungen wieder hinzuaddiert werden. Sinnvoll ist die Betrachtung des EBITDA vor allem, wenn es zu stark schwankenden Abschreibungen kommt, beispielsweise durch Zukäufe oder Investitionen.

Tücken beim Jahresüberschuss

Viele Unternehmen erzielen nicht nur aus dem Verkauf ihrer Produkte und Dienstleistungen Einnahmen. Oftmals fallen auch Zinserträge aus Geldanlagen an, andererseits entstehen Kosten für Zinszahlungen. Diese Posten werden im Finanzergebnis berücksichtigt. Zieht man das Finanzergebnis sowie die Steuern vom EBIT ab, erhält man das Jahresergebnis. Es stellt die Differenz zwischen den Einnahmen und sämtlichen Ausgaben im betrachteten Zeitraum dar. Ist diese Differenz positiv, spricht man von einem Jahresüberschuss, andernfalls von einem Jahresfehlbetrag.
Teilt man den Jahresüberschuss durch die Anzahl der vom Unternehmen ausgegebenen Aktien, erhält man das Ergebnis je Aktie (Earnings per share). Allerdings können Sondereffekte wie der Verkauf von Unternehmensanteilen oder eine außergewöhnlich hohe Steuerbelastung das Bild von der tatsächlichen Lage verzerren. Einige Unternehmen berechnen daher um Sondereffekte bereinigte Kennzahlen, wie ein bereinigtes Ergebnis je Aktie.

Gut, das wir verglichen haben

Um sich ein Bild von der aktuellen Geschäftslage sowie den Perspektiven machen zu können, werden die verschiedenen Kennzahlen mit den entsprechenden Werten des Vorjahres bzw. der Vorjahre verglichen. Dabei sollte darauf geachtet werden, ob mögliche Sondereffekte das Bild verzerren. Hinweise darauf finden sich in der Regel in den Quartals- bzw. Geschäftsberichten. Zudem ist ein Blick auf die Wettbewerber sinnvoll: Wie viel erlöste die Konkurrenz, wie viel Gewinn blieb davon hängen und wie hoch war deren Marge? So kann beispielsweise ein Unternehmen, dessen Kennzahlen sich im Jahresvergleich verbessert haben, im Vergleich mit seinen Wettbewerbern weniger gut abschneiden, als es auf den ersten Blick scheint.


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