Value at Risk

Kennzahl zur Risikobewertung | 08.11.2017

„Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.“ – ein Rat, der bei der Einnahme von Medikamenten unangenehmen Begleiterscheinungen vorbeugen kann. Auch bei der Geldanlage kann es zu unangenehmen Nebenwirkungen wie Angstschweiß oder schlaflosen Nächten kommen, wenn man sich im Vorfeld eines Investments zu stark auf den möglichen Ertrag fokussiert und die damit verbundenen Risiken nicht bedacht hat.

Je nach Anlageklasse und Anlageprodukt gibt es allgemeine Risiken wie das Marktrisiko und spezielle Risiken wie die Kreditwürdigkeit des Schuldners (Anleihen) oder das Emittentenrisiko (Zertifikate). Ein allgemeines Risiko, dem sowohl Aktien als auch Investmentfonds, ETFs, Zertifikate, Währungen oder Rohstoffe unterworfen sind, ist das Preisrisiko. Damit ist das Risiko gemeint, dass sich der Preis eines Wertpapiers während der Dauer des Investments zum Nachteil des Anlegers ändert. Die Preisschwankungen können mit der allgemeinen Tendenz am jeweiligen Markt zusammenhängen (z.B. fallende Kurse an den Aktienmärkten) oder auf spezifische Faktoren zurückzuführen sein (z.B. Verschlechterung der Kreditwürdigkeit eines Anleiheemittenten oder schlechte Unternehmensnachrichten). Doch wie lässt sich dieses Risiko konkret einschätzen? Als eine objektive Kennzahl zur Risikoeinschätzung hat sich der Value at Risk (VaR) etabliert.

Mögliches Verlustrisiko quantifizieren

Der Value at Risk ermittelt auf der Grundlage historischer Daten das Verlustrisiko eines Anlageprodukts innerhalb eines bestimmten Zeitraums. Konkret gibt die Kennzahl an, welchen Wert ein möglicher Verlust innerhalb eines bestimmten Zeitraums mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit (Konfidenzniveau) nicht überschreitet. Der VaR lässt sich für verschiedene Zeiträume und verschiedene Konfidenzniveaus darstellen. So kann bei einem längerfristigen Anlagehorizont, beispielsweise in der Vermögensverwaltung, ein Zeitraum von einem Jahr und ein Konfidenzniveau von 95 % gewählt werden. Der VaR würde dann den möglichen Verlust innerhalb eines Jahres angeben, der mit einer Wahrscheinlichkeit von 95 % nicht überschritten werden sollte.

Der Deutsche Derivate Verband (DDV) hat gemeinsam mit der European Derivatives Group (EDG) eine einheitliche Risikoeinschätzung für Zertifikate auf der Basis des´Value at Risk entwickelt. Der Zeitraum beträgt hier 10 Tage, das Konfidenzniveau 99 %. Bei einer angenommenen Anlagesumme von 10.000 Euro würde ein VaR von 400 bedeuten, dass bei einer Haltedauer von 10 Tagen der mögliche Verlust der Investition mit einer Wahrscheinlichkeit von 99 % nicht höher als 400 Euro bzw. 4 % der Anlagesumme ausfällt. Anders formuliert wird die Investition nach 10 Tagen mit einer Wahrscheinlichkeit von 99 % mindestens 9.600 Euro wert sein. Wie hoch ein möglicher Verlust außerhalb des Konfidenzniveaus ausfallen könnte, lässt sich dem Value at Risk jedoch nicht entnehmen.

Was beeinflusst das Verlustrisiko?

Bei der Ermittlung des Verlustrisikos werden verschiedene Faktoren berücksichtigt, die den Preis des Anlageprodukts beeinflussen. Hier ist an erster Stelle das Kursrisiko zu nennen, also das Risiko, das sich der Kurs des Anlageprodukts (im Fall von Zertifikaten der Kurs des Basiswerts) ändert. Weitere Faktoren sind z.B. das Volatilitätsrisiko (Veränderung der von den Marktteilnehmern erwarteten Schwankungsbreite, auch implizite Volatilität genannt), das Währungsrisiko (Veränderung des Wechselkurses), das Bonitätsrisiko (Veränderung des Risikoaufschlags bei Anleihen) oder das Zinsrisiko (Veränderung des Zinsniveaus am Markt). Zwischen den einzelnen Risiken besteht dabei untereinander eine teilweise Abhängigkeit. So geht mit stark fallenden Kursen häufig auch ein Anstieg der Volatilität einher.

Für Zertifikate können Anleger den VaR auf der Internetseite des DDV unter https://www.derivateverband.de/DEU/Transparenz/Risikokennzahl abrufen. Um den Wert besser einordnen zu können, teilt der DDV Wertpapiere anhand der Höhe ihres Value at Risk in fünf Risikoklassen ein. Dadurch lässt sich das jeweils produktspezifische Risiko vergleichbaren Investments zuordnen. Allerdings ist der Value at Risk keine konstante Größe, sondern kann sich im Zeitverlauf ändern. Daher ist eine Überprüfung der Kennzahl von Zeit zu Zeit ratsam. So lässt sich erkennen, ob das produktspezifische Risiko noch zur persönlichen Risikobereitschaft passt.

Umsetzung der VaR-Werte in Risikoklassen

Risikoklasse 1

VaR absolut*

0 < VaR < = 250

VaR (in %)*

0 < VaR < = 2,5

Anlegerprofil

sicherheitsorientiert

Vergleichbare Investments

kurzfristige Anleihen (Laufzeit: 1-5 Jahre)

Risikoklasse 2

VaR absolut*

250 < VaR < = 750

VaR (in %)*

2,5 < VaR < = 7,5

Anlegerprofil

begrenzt risikobereit

Vergleichbare Investments

langfristige Anleihen (Laufzeit > 5 Jahre)

Risikoklasse 3

VaR absolut*

750 < VaR < = 1250

VaR (in %)*

7,5 < VaR < = 12,5

Anlegerprofil

risikobereit

Vergleichbare Investments

breite Aktienmarktindizes

Risikoklasse 4

VaR absolut*

1250 < VaR < = 1750

VaR (in %)*

12,5 < VaR < = 17,5

Anlegerprofil

vermehrt risikobereit

Vergleichbare Investments

volatilere Aktienmarktindizes, große Blue-Chip-Aktien

Risikoklasse 5

VaR absolut*

1750 < VaR < = 10000

VaR (in %)*

17,5 < VaR < = 100

Anlegerprofil

spekulativ

Vergleichbare Investments

volatilere Blue-Chips und Nebenwerte

*gemessen als Anteil an der Investition - hier VaR berechnet mit einer Anlage von 10.000 Euro = 100% Quelle: Deutscher Derivate Verband (https://www.derivateverband.de/DEU/Transparenz/Risikokennzahl)


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