Des einen Freud, des anderen Leid

Wechselkurse und ihr Einfluss auf die Geldanlage | 06.09.2017

Schwankende Wechselkurse können deutlich spürbare Auswirkungen auf international ausgerichtete Depots haben. Nicht immer nur zum Nachteil der Investoren.

Am Devisenmarkt hat sich in den vergangenen Monaten der Wind gedreht. Seit Jahresbeginn kann der Euro gegenüber den wichtigsten Leitwährungen der Welt deutliche Kursgewinne verzeichnen. Dabei konnte die Gemeinschaftswährung gegenüber dem US-Dollar in den ersten sieben Monaten des Jahres 2017 rund zehn Prozent zulegen, im Vergleich zum japanischen Yen liegt der Zugewinn im gleichen Zeitraum bei mehr als fünf Prozent. Exportorientierte Unternehmen aus der Eurozone sorgen sich bereits vor einer länger andauernden Euro-Stärke. Doch auch wer sein Geld weltweit anlegt, bekommt derzeit das Währungsrisiko zu spüren.

Währungsrisiko bei Anlagen außerhalb der Eurozone

Für Anleger aus dem Euro-Raum besteht ein Währungsrisiko grundsätzlich dann, wenn sie Investitionen außerhalb der Eurozone eingehen und z.B. die Aktie eines US-Unternehmens kaufen. In diesem Fall hängt die Wertentwicklung des Investments nicht allein von der Kursentwicklung der Aktie ab, sondern auch von der Entwicklung des Wechselkurses der beiden Währungen untereinander, hier des Euro gegenüber dem US-Dollar.
 
Was sich auf dem Papier recht kompliziert liest, lässt sich anhand eines einfachen Beispiels leicht erklären. Kauft ein deutscher Anleger 60 Aktien eines US-Unternehmens an der New Yorker Börse zum Kurs von 100 US-Dollar, beträgt sein Gesamtinvestment – Gebühren und Spesen außen vor gelassen – exakt 6.000 US-Dollar (60 Aktien x 100 US-Dollar = 6.000 US-Dollar). Bei einem Euro-Wechselkurs von 1,20 US-Dollar ist sein Investment umgerechnet 5.000 Euro wert (6.000 US-Dollar: 1,20 US-Dollar = 5.000 Euro). Wertet der Euro gegenüber dem US-Dollar auf und steigt auf 1,25 US-Dollar, beträgt der Gegenwert des Investments bei einem unveränderten Aktienkurs nur noch 4.800 Euro (6.000 US-Dollar: 1,25 US-Dollar = 4.800 Euro). Der Investor erleidet also einen Währungsverlust. Im umgekehrten Fall, wenn also der Euro gegenüber dem US-Dollar beispielsweise auf 1,10 US-Dollar nachgibt, würde der Wert der Position trotz eines unveränderten Aktienkurses auf rund 5.455 Euro (6.000 US-Dollar: 1,10 US-Dollar = 5.454,55 Euro) steigen und der Anleger einen Währungsgewinn erzielen.

Auf die Zusammensetzung des Fonds kommt es an

Auch bei einer Anlage in Fonds oder börsengehandelte Indexfonds (ETFs), mit denen sich in ausländische Märkte oder Indizes investieren lässt, müssen Anleger das Währungsrisiko stets im Blick behalten. Dies gilt z.B. dann, wenn der ETF in US-Dollar notiert, wie es bspw. häufig bei ETFs auf den MSCI World Index der Fall ist. Entscheidend für das Währungsrisiko ist allerdings, welche Wertpapiere im Fonds enthalten sind. So kann ein in Euro notierter Fonds ebenso Währungsrisiken ausgesetzt sein, wenn er bspw. in den japanischen Nikkei oder den chinesischen Hang Seng investiert. Währungsgesicherte Fonds schalten das Währungsrisiko durch den Einsatz derivativer Finanzinstrumente zwar aus. Allerdings ist dieser Service mit zusätzlichen Kosten verbunden.

Möglichkeiten, um das Währungsrisiko zu reduzieren

Das Währungsrisiko im Vorfeld eines Investments abzuschätzen, ist keine leichte Aufgabe, denn zahlreiche Faktoren können den Kurs eines Währungspaares beeinflussen. So spielen die realwirtschaftlichen Bedingungen gemessen an der Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts oder der Leistungsbilanz ebenso eine wesentliche Rolle wie die Zinsdifferenz zwischen den jeweiligen Ländern. Ist die Verzinsung im Ausland höher, fließt das Kapital der Anleger in der Regel verstärkt dorthin, was die ausländische Währung an Wert zulegen lässt. Darüber hinaus nehmen die Entwicklungen an den weltweiten Renten-, Aktien- oder Rohstoffmärkten Einfluss auf die Wechselkurse. Die Entwicklung der zahlreichen Einflussfaktoren ist für den privaten Anleger jedoch nur sehr schwer, sofern überhaupt, vorherzusehen.
 
Wer sein Geld weltweit anlegen und das Risiko von Wechselkursschwankungen minimieren möchte, sollte daher vor allem auf eine breite Streuung und einen langfristigen Anlagezeitraum seiner Investments achten. Oftmals gleichen sich Veränderungen in den verschiedenen Währungspaaren aus, auf lange Sicht verlieren Wechselkurse zudem meist an Bedeutung für den jeweiligen Anlageerfolg.


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