Zahltag für die Aktionäre – Was bei der Besteuerung von Dividenden zu beachten ist

Deutsche Aktiengesellschaften werden in diesem Jahr voraussichtlich so viel Geld ausschütten wie niemals zuvor. Beim Zahltag gilt seit Jahresbeginn allerdings eine wichtige Änderung.

Aufgrund der Vereinheitlichung von Stichtagsregelungen und in der technischen Abwicklung des Wertpapiergeschäfts innerhalb der Europäischen Union gelten seit Jahresbeginn die im vergangenen Sommer beschlossenen Änderungen des § 58 Aktiengesetz. Bislang konnten Dividendenjäger in den allermeisten Fällen am Tag nach der Hauptversammlung mit der Dividendengutschrift auf ihrem Konto rechnen. Seit dem 1. Januar 2017 sind die Dividenden inländischer Aktiengesellschaften erst am dritten Bankarbeitstag nach der Hauptversammlung fällig. Den Unternehmen steht es zudem offen, per Beschluss einen noch späteren Ausschüttungstermin festzulegen. Keine Veränderung gibt es bei der Frage der Dividendenberechtigung. Wer in den Genuss einer Ausschüttung kommen möchte, muss die Aktien der Gesellschaft am Tag der Hauptversammlung nach Handelsschluss im Depot haben.

Einfache Besteuerung inländischer Erträge

Dividendengutschriften unterliegen auch weiterhin der seit 2009 geltenden Abgeltungssteuer und werden wie Kursgewinne oder Zinserträge ebenfalls pauschal mit einem Steuersatz in Höhe von 25 % besteuert, hinzu kommen Solidaritätszuschlag und ggf. Kirchensteuer. Hat der Anleger seinen Sparerpauschbetrag in Höhe von 801 Euro pro Jahr bereits aufgebraucht, wird die Abgeltungssteuer von der depotführenden Bank umgehend an das Finanzamt abgeführt. Aktionäre mit einem persönlichen Steuersatz von weniger als 25 % können sich die zu viel bezahlte Abgeltungssteuer im Rahmen ihrer Steuererklärung erstatten lassen.

Wenn der ausländische Fiskus mitverdient

Aktien von dividendenstarken Unternehmen aus dem Ausland zu kaufen ist meist problemlos möglich, kompliziert kann es allerdings bei der Besteuerung der Ausschüttungen werden. Grundsätzlich müssen in Deutschland steuerpflichtige Anleger auch ausländische Dividenden hierzulande versteuern, doch auch der ausländische Staat hält seine Hand in Form einer Quellensteuer auf. Doppelbesteuerungsabkommen zwischen den Staaten sollen eine zweifache Besteuerung von Dividenden allerdings verhindern. An den deutschen Fiskus wird nur der vereinbarte Reststeuersatz in Höhe von mindestens 10 Prozent abgeführt. Liegt die Besteuerung insgesamt bei mehr als 25 Prozent können Aktionäre zu viel bezahlte Quellensteuer vom ausländischen Staat zurückfordern. Die entsprechenden, oftmals leider komplizierten Formulare gibt es beim Bundeszentralamt für Steuern und in vielen Fällen auch bei der Depotbank. Abweichende Regelungen zur US-Quellensteuer gelten seit dem 01.01.2017 für Derivate, die sich auf Dividenden ausschüttende US-Aktien als Basiswert beziehen und damit den erweiterten Regularien des US-amerikanischen Steuergesetzbuches gemäß Section 871(m) unterliegen. Wie die neuen Regelungen in Deutschland konkret umgesetzt werden bzw. wie die Steuern für die Kunden abgeführt werden, konnte bisher allerdings noch nicht endgültig geklärt werden.

Zu schön, um wahr zu sein

In der für Anleger besten Variante fließen die Dividendenzahlungen ohne Abzug und in voller Höhe auf das Konto, während der Fiskus gänzlich außen vor bleibt. Steuerfreie Ausschüttungen sind dann möglich, wenn die Unternehmen die Dividenden nicht aus den erzielten Gewinnen, sondern aus bestimmten Kapitalrücklagen, dem steuerlichen Einlagenkonto ausschüttet. Allerdings reduzieren steuerfreie Ausschüttungen auch die Anschaffungskosten der Wertpapiere, die um die Höhe der Dividende vermindert werden. Bei einem späteren Verkauf der Position fallen deshalb höhere Kursgewinne an. Wirklich steuerfrei sind die Dividenden aus dem steuerlichen Einlagenkonto daher nur für Titel, die bereits vor Einführung der Abgeltungssteuer im Jahr 2009 im Depot waren, bei späteren Käufen freuen sich Investoren lediglich über den Liquiditätsvorteil aufgrund der zeitlichen Verschiebung bei der Besteuerung.


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