Zukunftstrends im Blick

Das Internet der Dinge | 06.10.2017

An der Börse wird bekanntermaßen die Zukunft gehandelt. Wer wissen will, welche Themen Unternehmen und Marktteilnehmer in naher und ferner Zukunft beschäftigen, sollte sich über neue Trends informieren. Wir stellen Ihnen einige interessante Zukunftstrends etwas genauer vor. Den Anfang macht das Internet der Dinge.

Was verbirgt sich hinter dem Internet der Dinge?

Anfang September fand in Berlin die Internationale Funkausstellung (IFA) statt. Auf der weltweit führenden Messe für Consumer Electronics und Home Appliances stand das Thema Internet der Dinge in den letzten Jahren immer stärker im Fokus. Als Internet der Dinge bezeichnet man die Vernetzung von Geräten mit dem Internet und untereinander. Ausgestattet mit Prozessoren, Sensoren und einem Netzwerkanschluss können die Geräte mit anderen Geräten kommunizieren und so die unterschiedlichsten Aufgaben übernehmen, angefangen von der Information über Warn- und Überwachungsfunktionen bis hin zur Automatisierung von Abläufen wie Bestellvorgängen oder der Heizungssteuerung. Die Zahl der möglichen Anwendungsbereiche wächst dabei mit der Zahl der vernetzbaren Geräte. In einer Pressemitteilung vom August 2016 veröffentlichte das Analystenhaus Machina Research eine Schätzung, wonach die Anzahl der mit dem Internet der Dinge verknüpften Endgeräte von 6 Milliarden im Jahr 2016 auf 27 Milliarden im Jahr 2025 steigen wird. (Quelle: https://machinaresearch.com/news/press-release-global-internet-of-things-market-to-grow-to-27-billion-devices-generating-usd3-trillion-revenue-in-2025/)
Zwei Beispiele sollen das Potenzial des Internets der Dinge veranschaulichen.

Home, smart Home

In modernen Häusern lassen sich bereits heute viele Geräte mit dem Internet vernetzen und so bequem via Smartphone steuern. So kann die programmierbare Heizung dafür sorgen, dass die heimischen vier Wände in der kalten Jahreszeit bei der Ankunft zu Hause angenehm temperiert sind. In der Küche läuft sich der Backofen derweil bereits für das Abendessen warm. Damit die Teller nicht unbeabsichtigt leer bleiben, überwacht der Kühlschrank fortlaufend seinen Füllstand und bestellt bei Bedarf selbstständig die benötigten Nahrungsmittel nach. Sollte sich die Ankunft daheim unvorhergesehen verzögern, lassen sich Heizung und Backofen aus der Ferne an die neue Situation anpassen. Ebenfalls aus der Ferne lässt sich der Smart-TV programmieren, sodass die Lieblingsserie jederzeit angeschaut werden kann – sofern man nicht ohnehin auf einen Streaming-Dienst zurückgreift. Auch die Kontrolle der eigenen vier Wände von unterwegs ist dank internetfähiger Überwachungskameras und Alarmanlagen kein Problem.

Smart is the City

Die Sicherheit ist auch in Städten ein Dauerthema. An Brennpunkten wie z. B. Flughäfen oder Bahnhöfen könnten Kameras mit Gesichtserkennung, die ihre Daten mit Datenbanken der Polizei abgleichen, einen Beitrag zu Verbesserung der Sicherheitslage leisten. Ein solches Pilotprojekt läuft seit dem 1. August 2017 in Berlin am Bahnhof Südkreuz.

Doch das Internet der Dinge bietet viele weitere Möglichkeiten. So kann eine intelligente Infrastruktur dabei helfen, Ressourcen wie Wasser und Strom effizienter zu nutzen. Ein weiterer Anknüpfungspunkt ist die Verkehrsinfrastruktur. Künftig können sich Automobile mit der Infrastruktur der Stadt vernetzen. Diese weist dann z.B. freie Parkplätze zu. Autonom agierende Fahrzeuge ermöglichen es ihrem Fahrer, an einem bestimmten Treffpunkt auszusteigen und finden anschließend selbstständig einen freien Parkplatz. Ist das Treffen beendet, lässt sich das Auto via App an den gewünschten Abfahrtort rufen. Durch die Kommunikation untereinander wird es künftig zudem möglich sein, dass sich vernetzte Fahrzeuge gegenseitig vor potenziellen Gefahrensituationen warnen.

Nahezu unbegrenzte Möglichkeiten…

Es gibt unzählige weitere Anwendungsfelder, in denen das Internet der Dinge heute schon unser Leben verändert hat, man denke nur an die Möglichkeit des mobilen Bezahlens via Smartphone oder eines unter der Haut implantierten Chips, der gleichzeitig als Zugangsautorisation verwendet werden kann. Die Chancen, die das Internet der Dinge bietet, bestehen in einer effizienteren Organisation und kostengünstigeren Produktion in den Unternehmen. Im privaten Bereich stehen vor allem ein erhöhter Komfort sowie die Entlastung im Vordergrund. Gerade wiederkehrende Routineaufgaben wie Einkaufen oder Staubsaugen können an vernetzte Geräte übertragen werden. So bleibt mehr Zeit für andere Dinge. Darüber hinaus können moderne Geräte, die sich bedarfsgerecht aktivieren lassen, dabei helfen, Heiz- oder Stromkosten zu senken.

… aber nicht ganz ohne Risiko

Allerdings hat die schöne neue Welt auch einen Preis. Und der besteht in erster Linie aus unseren persönlichen Daten. Wenn der Kühlschrank automatisch für Nachschub sorgen soll, werden für die Lieferung nach Hause natürlich Name und Anschrift benötigt. Diese Daten lassen sich verknüpfen mit den Vorlieben für bestimmte Produkte. Für Unternehmen sind derartige Informationen sehr interessant, ermöglichen sie es doch, den Kunden mit personalisierter Werbung gezielt anzusprechen, nicht nur auf dem Smartphone, sondern beispielsweise auch auf dem Display des Kühlschranks oder anderer Geräte. Digitale Sprachassistenten sammeln ebenfalls Daten und lernen so die Wünsche und Vorlieben ihrer Nutzer kennen oder wissen über anstehende Termine sowie den Freundeskreis Bescheid. Insofern kann man auch vom gläsernen Verbraucher sprechen.

Ein ernstes Risiko in der digitalen Welt sind Cyberangriffe. Für professionelle Hacker stellt nahezu jedes vernetzte Gerät ein potenzielles Einfallstor dar. Und nicht selten erleichtern unzureichende Sicherheitsmaßnahmen kriminelle Handlungen. Insbesondere Firmen wurden in der Vergangenheit immer wieder Opfer von Cyberangriffen. Ziele dieser Angriffe waren Wirtschaftsspionage oder die Erpressung von Lösegeldzahlungen für die Wiederherstellung zuvor verschlüsselter Daten.

Welche Unternehmen können profitieren?

Chancen bietet die vernetzte Zukunft auch jenen Unternehmen, die mit ihren Produkten oder Dienstleistungen diesen Trend bedienen. Angefangen vom Chiphersteller, der intelligente Chips zur Steuerung von smarten Netzen oder zur Verarbeitung der stark steigenden Datenmengen produziert, über die Hersteller von smarten Kommunikations- und Haushaltsgeräten sowie entsprechendem Zubehör (Kameras, Sensoren), den Automobilzulieferern, die Komponenten für vernetzte Fahrzeuge  sowie das autonome Fahren anbieten, bis hin zu Softwarekonzernen, die Apps und Sicherheitslösungen zum Schutz vor Cyberattacken programmieren. Mit der voranschreitenden Digitalisierung und der zunehmenden Vernetzung dürften sich künftig weitere Geschäftsmöglichkeiten eröffnen.


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