Goodbye Plastik: Wie lassen sich verbotene Einwegprodukte ersetzen?

Ökologisch bedenklich oder sogar schädlich – nicht alle Alternativen sind zu empfehlen

Wer Urlaub am Strand macht, findet nicht nur Sand, Muscheln und Krebse. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass alte Trinkhalme und Wattestäbchen an der Sandale kleben – oder die nächste Welle einen Plastikbecher anspült. Keine romantische Vorstellung, aber Realität. Unsere Strände sind vermüllt. An der Nordsee befinden sich laut Umweltbundesamt auf hundert Metern rund 390 Müllteile; der Großteil ist Plastikmüll. Damit soll jetzt Schluss sein.

In Deutschland sind im Juli zwei Gesetze in Kraft getreten: die Einwegkunststoffverbotsverordnung und die Einwegkunststoffkennzeichnungsverordnung. Sie besagen, dass viele Einwegplastikprodukte wie Trinkhalme, Plastik-Eislöffel oder Luftballonstäbe in der EU nicht mehr produziert werden dürfen. Wie die Deutsche Umwelthilfe berichtet, gilt das Verbot für Waren, die besonders häufig an europäischen Stränden zu finden sind und für die es geeignete Alternativ-Erzeugnisse gibt. Produkte, die Kunststoff enthalten und weiter auf dem Markt bleiben dürfen – beispielsweise Tampons oder Feuchttücher – müssen ab sofort gekennzeichnet werden.

Für diese Produkte gilt die Einwegkunststoffverbotsverordnung:

  • Wattestäbchen (außer Medizinprodukte)
  • Besteck
  • Teller
  • Trinkhalme (außer Medizinprodukte)
  • Rührstäbchen
  • Luftballonstäbe
  • To-Go-Lebensmittelbehälter aus expandiertem Polystyrol (Styropor)
  • Getränkebecher und -behälter aus expandiertem Polystyrol (Styropor)
  • Alle Produkte aus oxo-abbaubarem Kunststoff (er wird zersetzt, aber nicht vollständig biologisch abgebaut)

(Quelle: Deutsche Umwelthilfe)

Plastikfrei – und nun? Welche Alternativen es gibt

Wer glaubt, dass der Alltag durch die neuen Gesetze komplizierter wird, darf beruhigt sein. Viele Ersatzprodukte und Alternativ-Ideen machen den Abschied vom Kunststoff leicht. Und wer bei (noch mehr) Einwegprodukten auf Mehrweg setzt, kann auch seinem Geldbeutel Gutes tun.

Hier sind einige Goodbye-Plastik-Tipps.

Plastik-Besteck und -teller ade! Willkommen Fingerfood!

Klar waren die Einweg-Teller und -Becher aus Plastik praktisch. Aber es geht auch ohne! Kartoffelsalat und Schokopudding lassen sich prima gegen Fingerfood eintauschen, für das überhaupt kein Besteck und Geschirr benötigt wird. Und falls doch: Am besten Mehrwegbesteck- und teller benutzen, zum Beispiel aus Edelstahl oder Porzellan – oft verwendet sind sie nachhaltiger als Einwegprodukte.

„Leider gibt es nicht für jede Anwendung eine ökologisch bessere und zugleich bequeme Alternative“, erklärt die Verbraucherzentrale. „Sogenannte Bio-Kunststoffe, die aus pflanzlichen Rohstoffen statt aus Erdöl hergestellt werden, können von Kompostieranlagen in der Regel nicht gut abgebaut werden.“ Plastik einfach durch Papier zu ersetzen, erhöhe wiederum den Druck auf die Wälder, sofern nicht Recyclingmaterial verwendet werde.

Zudem ergab etwa eine Untersuchung des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv), dass auch plastikfreies Einweggeschirr aus Pappe, Palmenblättern oder Zuckerrohr häufig gesundheitsgefährdende Stoffe enthalte.

Ohrenstäbchen? Gibt’s auch plastikfrei!

Kosmetische Wattestäbchen aus Kunststoff gehören der Vergangenheit an. Müssen wir nun also auf diese Pflegeprodukte verzichten? Die Stäbchen gibt es in den Kosmetikabteilungen von Drogerien auch in der Papp- oder Bambus-Alternative. Papp- bzw. Papierprodukte hätten allerdings ähnlich hohe Umweltauswirkungen wie Plastik, erklärt die Verbraucherzentrale. Die Aufbereitung von Bambus zu Produkten sei weniger aufwendig als die von Papier/Pappe.

Zudem gibt es die wiederverwendbare Silikon-Variante, die sich nach der Benutzung reinigen lässt. Ein Kunststoff, der ökologisch vertretbar sei, schreiben die Verbraucherschutzfachleute. Ein Hinweis der Verbraucherzentrale zu ihrer Einschätzung der Plastik-Alternativen, die hier zu finden sind: Ihre Bewertung stelle nur eine grobe Einordnung der Produkte hinsichtlich ihrer Umweltauswirkungen dar, es fehlten genau Ökobilanzen.

Coffee to go im Mehrwegbecher

Herkömmliche To-Go-Becher bestehen meist aus Pappe mit Kunststoffbeschichtung. Laut Verbraucherzentrale sind die Einwegdeckel aus Plastik besonders umweltschädlich. Auch wenn solche Produkte ab sofort nicht mehr hergestellt werden, steht dem Kaffee für unterwegs auch in Zukunft weiterhin nichts entgegen. Viele Cafés haben längst auf Mehrwegbecher aus Polypropylen – kurz PP – umgestellt. Es enthält keine schädlichen Weichmacher und zersetzt sich unter dem Einfluss von UV-Strahlung. „Einfach besser bechern“, lautet etwa das Motto beim deutschlandweiten Recup-Pfandsystem, das ebenfalls auf Polypropylen setzt.

Und einfach selbst den ganz eigenen Becher fürs Heißgetränk mitbringen? Ob dieser aufgefüllt wird, entscheiden die Anbieterinnen und Anbieter. Grundsätzlich sei dies möglich, erklärt der Bundesverband der Lebensmittelkontrolleure Deutschlands (BVLK), „sofern die jeweils verantwortlichen Lebensmittelunternehmer sich freiwillig hierfür entscheiden“. Manche gewähren sogar einen Preisnachlass.

TIPP: Mehrwegbecher kaufen – aber welchen? Wer über den Kauf von Mehrwegbechern nachdenkt, sollte auf jeden Fall Becher aus Polypropylen (PP), Glas oder Edelstahl auswählen. Bambus-Becher kamen hingegen bei einem Test der Stiftung Warentest aus dem August 2019 schlecht weg.

Strohhalm zum Aufessen

Vor allem Kinder lieben es, aus Strohhalmen zu trinken. Auch mit den neuen Verordnungen müssen sie nicht darauf verzichten. Wie wäre es zum Beispiel mit essbaren Trinkhalmen? Es gibt sie aus Hartweizengrieß, Reis und Tapioka. Strohhalme aus Zucker dürften indessen den Zähnen nicht guttun. Ebenfalls eine gute und letztlich Geld sparende Alternative sind wiederverwendbare Trinkhalme; beispielsweise bruchsichere Glasröhrchen, Edelstahlhalme oder Silikonröhrchen, die zur Reinigung mit in die Spülmaschine dürfen.

Kritik: Mehr Mehrweg muss her!

Vielen gehen die neuen Regelungen allerdings nicht weit genug, sie fordern zum Beispiel ein generelles Einweg-Verbot. Die Bundesregierung habe die Chance verpasst diesen Rückenwind zu nutzen, um schneller mehr Mehrwegbehälter gegen Einweg-to-go-Produkte durchzusetzen, kritisierte etwa vzbv-Vorstand Klaus Müller. „Nur ein Systemwechsel weg von Einweg- hin zu Mehrwegverpackungen lässt die Verpackungsmüllberge von derzeit 19 Millionen Tonnen jährlich schrumpfen. Das muss ein erklärtes Ziel der nächsten Bundesregierung sein, denn Verbraucher wollen weniger Verpackungsmüll beim Einkaufen und beim unterwegs Konsumieren erzeugen.“