Rückblick: 10 starke Aktien 2020

Performance-Könige der deutschen Börse.

Eine Analyse von BÖRSE ONLINE, Kai Makus | Werbemitteilung

Wer zu Beginn des vergangenen Jahres 1.000 Euro in die richtige deutsche Aktie steckte, konnte sich am Silvesterabend 2020 locker ein Menü mit kostbaren weißen Trüffeln und edlem Champagner gönnen. Der Titel des Düsseldorfer Online-Media-Unternehmens Cliq Digital etwa legte über die zwölf Monate um 453,3 Prozent zu, eine 1.000-Euro-Position ist damit auf 5.533 Euro angewachsen (genaue Entwicklung siehe Investment-Beispiele). Allerdings knabbern am Zugewinn die Gebühren für Kauf und Verkauf. Auch lässt die Performance der Vergangenheit keinen Aufschluss über künftige Wertentwicklungen zu.

Viele Aktien haben sich 2020 – allen Corona-Verwerfungen zum Trotz – recht erfreulich entwickelt. Einige der Top-Werte aus Deutschland erscheinen weiter interessant. Dabei gilt: Nicht jeder Performance-Sprung deutet auf ein solides Geschäftsmodell hin. Kleinstgesellschaften, Cent-Aktien oder Rumpf-Gesellschaften – zum Beispiel Air Berlin – eignen sich zudem kaum für Privatanleger*innen und sind daher nicht berücksichtigt.

Erfolgreich in Nischen

Die Münchner Atoss Software ist spezialisiert auf Programme für die Personalplanung. Das Unternehmen profitiert stark davon, dass Firmen ihre Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen gerade in Krisenzeiten gezielt einsetzen müssen. Zwar erzielt der Anbieter keine gigantischen Umsätze. Für das Geschäftsjahr 2020 rechnet das Management mit etwa 82 Millionen Euro Umsatz und einer Ebit-Marge zwischen 27 und 28 Prozent (Ebit: Gewinn vor Zinsbelastung und Steuern). Dafür aber steigern die Bayern ihr Geschäft seit nunmehr 15 Jahren kontinuierlich.

Wenn es einen Krisengewinner 2020 gab, dann war es die Cliq Digital AG. Kursplus im Kalenderjahr: gut 450 Prozent. Zwar erklärte Vorstandsmitglied Ben Bos zuletzt, die Wachstumsgeschichte des Unternehmens habe lange vor den ersten Covid-19-Effekten begonnen und man sei eben kein klarer Profiteur des Coronavirus. Aber: Das Digital-Lifestyle-Unternehmen, das Konsumenten und Konsumentinnen weltweit Streaming-Unterhaltungsdienste mit unbegrenztem Zugang zu Musik, Hörbüchern, Spielen, Sport- und Filminhalten anbietet, hat vielen Menschen während der Lockdown-Phasen geholfen, Zeit totzuschlagen. Zuletzt hob das Management deshalb seine Prognosen an und rechnet nun fürs Gesamtjahr 2020 mit einem Bruttoumsatz von mehr als 105 Millionen Euro und einem Ebitda-Ergebnis von mindestens 15 Millionen Euro (Ebitda: Gewinn vor Zinsbelastung, Steuern und Abschreibungen).

Nachhaltigkeit ist auch in Zeiten der Pandemie gefragt. Das kommt dem Hamburger Wind- und Solarparkbetreiber Encavis zugute. Zwar sind die Titel bereits recht hoch bewertet, aber viele Analyst*innen sehen die Zukunft der Hanseaten positiv. So urteilte Sven Kürten von der DZ Bank, Sonnen- und Windstrom werde konkurrenzfähiger gegenüber anderen Energiequellen, und stütze außerdem den globalen Trend zu mehr Klimaschutz. Daher waren ihm die Encavis-Titel zuletzt die Empfehlung „kaufen“ wert.

Umwelt, Haushalt und Gesundheit

Ein ähnliches Geschäftsmodell wie Encavis hat auch die Energiekontor AG. Die Bremer generieren Erträge nicht zuletzt durch den Verkauf entwickelter Windparks und von Großsolaranlagen. In den letzten Wochen des Jahres 2020 haben die Norddeutschen einige entsprechende Verträge abgeschlossen. Damit dürfte das Unternehmen die soliden Wachstumsaussichten fürs Gesamtjahr wohl erreicht haben. Aufgrund der Bewertung und wegen eher verhaltener Aussichten drängen sich die Anteilsscheine der Bremer jedoch aktuell nicht als Kauf auf.

Bereits seit 1984 ist der Hausgerätehersteller Leifheit aus Nassau an der Lahn an der Deutschen Börse notiert. Das Jahr 2020 brachte für die 1959 gegründeten Rheinland-Pfälzer große Herausforderungen. Gerade zu Beginn der Pandemie stieg die Nachfrage nach Wäschespinnen und Reinigungsgeräten deutlich an, weil die Menschen mehr zu Hause waren. Allerdings sorgten wegen Corona zeitweise geschlossene Baumärkte dafür, dass sich viele Kunden und Kundinnen online oft mit asiatischen Produkten eindeckten. Zudem war 2019 kein besonders erfolgreiches Jahr, wodurch die Zuwächse beim Umsatz und beim Gewinn vor allem optisch rosig ausfielen.

„Als Profiteur der Covid-19-Pandemie erfreut sich der weltweit aufgestellte Konzern Sartorius mit Hauptsitz in Göttingen einer hohen Nachfrage und blickt auf volle Auftragsbücher. Die Produkte von Sartorius kommen beispielsweise bei der Herstellung von Impfstoffen und von antiviralen Medikamenten zum Einsatz.“ Das schreibt die DekaBank in einer Analyse. Tatsächlich hat das Management zuletzt seine Prognose fürs Gesamtjahr angehoben: Der Umsatz könnte nun um 26 Prozent oder mehr wachsen, die operative Marge auf Stufe Ebitda soll bei 29,5 Prozent landen. Das sieht Analyst Richard Vosser von JP Morgan ähnlich. Er geht von einer anhaltend hohen Nachfrage in der Sparte Bioprocess Solutions (BPS) aus und bewertet die Aktien mit „overweight“, also „übergewichten“.

Dämmen und desinfizieren

In die Zukunft investiert die Steico-Gruppe aus Feldkirchen bei München. In wenigen Wochen soll der Bau eines Werks in Polen beginnen. Damit will der Weltmarktführer bei Holzfaser-Dämmstoffen Engpässen als Folge einer erwarteten Nachfragesteigerung zuvorkommen. Analystin Charlotte Meese vom Research-Haus Montega meint: „Dank der Position als Marktführer, intakter Nachfragetreiber inmitten eines regulatorisch vorteilhaften Umfelds – etwa dem Green Deal der EU – und der zunehmenden Projektrealisierung in der Elementfertigung rechnen wir bei marginal höheren Erlösen mit einer nachhaltig verbesserten Ebit-Marge aufgrund von ergebniserhöhenden Effekten.“ Allerdings: Die Luft für die Steico-Titel wird langsam dünner.

Ein weiterer echter Krisengewinner kommt aus Birkenfeld bei Pforzheim: Stratec ist in der Entwicklung und Herstellung integrierter, vollautomatischer Analysesysteme tätig. So notierte Analyst Oliver Reinberg vom Analysehaus Kepler Cheuvreux kürzlich, er halte trotz hoher Bewertungen und der Hoffnung auf ein baldiges Ende der Coronakrise wegen verfügbarer Impfstoffe Aktien aus dem Diagnostiksektor für weiterhin attraktiv. Das spiegelt sich auch in den Zahlen für die ersten neun Monate des Geschäftsjahres wider: Der Konzernumsatz stieg um 13,1 Prozent auf 179,1 Millionen Euro, die Ebit-Marge kletterte deutlich auf 15,7 Prozent. Dazu hieß es aus dem Unternehmen: „Die hohe zusätzliche Nachfrage nach in-vitro-diagnostischen Produkten zur Eindämmung der Covid-19-Pandemie setzte sich dabei auch im dritten Quartal ungemindert fort.“

Die Aktien der Verbio Vereinigte Bioenergie sind bereits seit 2006 an der Frankfurter Börse erhältlich. Das Management hat auf den Beginn der Coronakrise schnell reagiert. Zwar ging der Umsatz mit Biodiesel aufgrund der Einschränkungen erheblich zurück, dafür aber hat Verbio innerhalb kürzester Zeit eine Produktionslinie zur Herstellung von Hand- und Flächen-Desinfektionsmitteln eingerichtet sowie die Logistik und den Vertrieb neu organisiert. Insgesamt haben die Zörbiger den Umsatz im Geschäftsjahr 2019/2020 (zum 30. Juni) um 11,9 Prozent auf 872,4 Millionen Euro gesteigert. Das Ergebnis (Ebitda) lag 28,4 Prozent höher als in der Vorperiode. Auch für das aktuelle Geschäftsjahr rechnet das Management mit einer deutlichen Ergebnissteigerung, die aber wohl nicht an die Zahlen für 2019/2020 heranreichen dürfte.

Spannendes Börsenjahr

Schreien vor Glück? Das können laut Werbung die Kund*innen des Modeversenders Zalando. Doch auch Aktionär*innen werden sich angesichts der Performance 2020 freuen. Klar, denn wer nicht in den Geschäften shoppen darf, der bestellt online. Analystin Olivia Townsend von der UBS jedenfalls ist von den weiteren Wachstumsaussichten von Zalando überzeugt. Sie rechnet damit, dass der Online-Händler mit seiner Prognose für das Wachstum des Bruttowarenvolumens 2021 positiv überraschen wird; ihrer Ansicht nach dürften die Zahlen über der aktuellen Markterwartung sowie höher als die mittelfristige Unternehmenszielspanne von 20 bis 25 Prozent liegen. Townsend weiter: „Die größte Gefahr für den Aktienkurs ist eher eine Abwertung der Technologiebranche insgesamt als schwächer werdende fundamentale Unternehmensdaten.“

Es gibt einige interessante Titel am deutschen Markt, die für Anleger einen Blick wert sind. Dabei darf neben den allgemeinen Kursrisiken nicht vergessen werden, dass das Börsenjahr 2020 – allen Unkenrufen zum Trotz – ziemlich gut gelaufen ist. So legte der Dax im Jahresverlauf trotz des massiven Kurssturzes im Februar und März unterm Strich um 3,6 Prozent in neue Rekordhöhen zu, beim MDax war es sogar ein Plus von 8,8 Prozent. Kein Wunder, dass viele Beobachter vor allzu euphorischen Erwartungen an das Jahr 2021 warnen.

Investment-Beispiele Aktien:

Atoss Software

  • ISIN DE0005104400
  • Aktueller Kurs: 157,50 €
  • Performance 2016: -23,0 %
  • Performance 2017: 41,6 %
  • Performance 2018: 4,8 %
  • Performance 2019: 84,3 %
  • Performance 2020: 121,0 %
  • KGV* (2021): 69,7
  • Gewinn/Aktie (2021**): 2,29 €
  • Dividende (2021**): 1,72 €
  • Dividendenrendite (2021**): 1,1 %

Cliq Digital

  • ISIN DE000A0HHJR3
  • Aktueller Kurs: 16,90 €
  • Performance 2016: 146,3 %
  • Performance 2017: 58,3 %
  • Performance 2018: -15,7 %
  • Performance 2019: 70,9 %
  • Performance 2020: 453,3 %
  • KGV* (2021): 11,6
  • Gewinn/Aktie (2021**): 1,54 €
  • Dividende (2021**): 0,60 €
  • Dividendenrendite (2021**): 3,7 %

Encavis

  • ISIN DE0006095003
  • Aktueller Kurs: 20,25 €
  • Performance 2016: -18,4 %
  • Performance 2017: 0,3 %
  • Performance 2018: -15,7 %
  • Performance 2019: 71,4 %
  • Performance 2020: 116,8 %
  • KGV* (2021): 37,5
  • Gewinn/Aktie (2021**): 0,52 €
  • Dividende (2021**): 0,29 €
  • Dividendenrendite (2021**): 1,4 %

Energiekontor

  • ISIN DE0005313506
  • Aktueller Kurs: 57,00 €
  • Performance 2016: 24,6 %
  • Performance 2017: -6,6 %
  • Performance 2018: -6,4 %
  • Performance 2019: 58,5 %
  • Performance 2020: 159,2 %
  • KGV* (2021): 32,3
  • Gewinn/Aktie (2021**): 1,63 €
  • Dividende (2021**): 0,61 €
  • Dividendenrendite (2021**): 1,1 %

Leifheit

  • ISIN DE0006464506
  • Aktueller Kurs: 43,10 €
  • Performance 2016: 15,8 %
  • Performance 2017: -1,4 %
  • Performance 2018: -36,0 %
  • Performance 2019: 36,4 %
  • Performance 2020: 82,9 %
  • KGV* (2021): 29,9
  • Gewinn/Aktie (2021**): 1,47 €
  • Dividende (2021**): 0,79 €
  • Dividendenrendite (2021**): 1,8 %

Sartorius

  • ISIN DE0007165607
  • Aktueller Kurs: 343,00 €
  • Performance 2016: -1,5 %****
  • Performance 2017: 4,4 %
  • Performance 2018: 26,2 %
  • Performance 2019: 79,4 %
  • Performance 2020: 94,3 %
  • KGV* (2021): 73,7
  • Gewinn/Aktie (2021**): 4,62 €
  • Dividende (2021**): 1,19 €
  • Dividendenrendite (2021**): 0,3 %

Steico

  • ISIN DE000A0LR936
  • Aktueller Kurs: 59,40 €
  • Performance 2016: 56,3 %
  • Performance 2017: 63,3 %
  • Performance 2018: -4,0 %
  • Performance 2019: 40,7 %
  • Performance 2020: 109,3 %
  • KGV* (2021): 33,4
  • Gewinn/Aktie (2021**): 1,75 €
  • Dividende (2021**): 0,37 €
  • Dividendenrendite (2021**): 0,6 %

Stratec

  • ISIN DE000STRA555
  • Aktueller Kurs: 122,40 €
  • Performance 2016: -25,0 %
  • Performance 2017: 41,9 %
  • Performance 2018: -24,4 %
  • Performance 2019: 21,5 %
  • Performance 2020: 90,6 %
  • KGV* (2021): 43,8
  • Gewinn/Aktie (2021**): 2,77 €
  • Dividende (2021**): 1,05 €
  • Dividendenrendite (2021**): 0,9 %

Verbio***

  • ISIN DE000A0JL9W6
  • Aktueller Kurs: 31,20 €
  • Performance 2016: 21,3 %
  • Performance 2017: 12,2 %
  • Performance 2018: -18,7 %
  • Performance 2019: 79,3 %
  • Performance 2020: 148,3 %
  • KGV* (2021): 24,6
  • Gewinn/Aktie (2021**): 1,17 €
  • Dividende (2021**): 0,20 €
  • Dividendenrendite (2021**): 0,7 %

Zalando

  • ISIN DE000ZAL1111
  • Aktueller Kurs: 90,97 €
  • Performance 2016: 0,0 %
  • Performance 2017: 19,6 %
  • Performance 2018: -48,4 %
  • Performance 2019: 102,0 %
  • Performance 2020: 98,0 %
  • KGV* (2021): 102,4
  • Gewinn/Aktie (2021**): 0,93 €
  • Dividende (2021**): 0,00 €
  • Dividendenrendite (2021**): 0,0 %

*KGV: Kurs-Gewinn-Verhältnis; ** Prognose; *** Geschäftsjahresende 30.6.; **** Börsenstart 7.3.2016; Stand: 31.12.2020

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Autor: Kai Makus