E-Commerce: Gewinner aus der zweiten Reihe

Es muss nicht immer Amazon sein. Auch kleinere Unternehmen überzeugen mit attraktiven Geschäftsmodellen im Internet.

Eine Analyse von BÖRSE ONLINE, Martin Hintze | Werbemitteilung

Während der stationäre Handel barmt, Geschäfte schließen und Innenstädte zu Shopping-Wüsten werden, reiben sich die Manager*innen von Amazon, Ebay und Co. die Hände. Denn der Onlinehandel boomt. Der Trend, der bereits Jahre vor der Corona-Pandemie begonnen hatte, setzt sich nun – beschleunigt durch die Krise – immer rasanter fort. Unternehmen entwickeln neue Geschäftsmodelle, um am großen Kuchen teilhaben zu können. Was zählt, sind digitale Projekte, flankiert durch gesellschaftliche Entwicklungen wie Nachhaltigkeit.

Tatsächlich sprechen aktuelle Daten aus dem E-Commerce eine klare Sprache. So dürfte das weltweite Onlineshopping in diesem Jahr Umsätze in Höhe von bis zu 4,5 Billionen US-Dollar (gut 3,7 Billionen Euro) generieren – doppelt so viel wie noch 2017. Zugleich wächst die Internationalität des Business. Zwar ist etwa Alibaba in China dominierend, bringt es dort aber „nur“ auf einen Marktanteil von 59 Prozent bei einem Gesamtvolumen von 672 Milliarden Dollar. China ist damit auch der global größte Onlinemarkt vor den USA (340 Milliarden Dollar) und Großbritannien (99 Milliarden Dollar). Deutschland liegt mit 73 Milliarden Dollar auf Rang 5.

Positive Entwicklung

Einige Unternehmen könnten von der weiteren, positiv erwarteten Entwicklung besonders profitieren und sind deshalb einen genaueren Blick wert. Gleich drei Trends bedient die noch recht junge amerikanische Firma Freshpet. Sie setzt auf die Freude der Menschen am Haustier, die während Lockdown-Phasen noch deutlich gestiegen ist. Gleichzeitig betont sie den Gesundheitsaspekt, weil ihr Katzen- und Hundefutter frisch gehalten werden muss; Markennamen wie „Vital“ oder „Nature’s Fresh“ unterstreichen das. Und Freshpet profitiert vom Boom in Sachen Onlinehandel. Allerdings noch nicht so stark, wie Anlegende es sich wünschen: Fürs Gesamtjahr 2020 meldete das Unternehmen gerade einen Verlust von 0,08 Dollar je Aktie. Doch Freshpet-Chef Billy Cyr gibt sich sehr zuversichtlich: Man habe das Wachstum im vierten Jahr in Folge beschleunigt und rechne nun für 2025 mit elf Millionen Kundenhaushalten statt wie bisher mit acht Millionen.

Fast schon ein Dino im Haustier-Segment ist Zooplus aus München: Bereits seit 1999 versorgen die Bayern Haustierhalter mit Futter für ihre Lieblinge. Zwar lief das Geschäft einige Jahre nicht allzu erfolgreich, doch Corona hat alles verändert. Analyst*innen wie Borja Olcese von JP Morgan rechnen damit, dass Zooplus sowohl bei den kurzfristigen Zielen für 2021 als auch bei den Aussichten bis 2025 seine Prognosen mindestens erfüllen wird. Zooplus setzt jetzt vermehrt auf eine bessere Kundenbindung sowie auf eine höhere Profitabilität, was sich in einer Verdoppelung von Umsatz und Gewinn in den nächsten vier Jahren niederschlagen dürfte.

Mode und Möbel

Auch wenn es um Mode geht, können Onlinefirmen mittlerweile punkten. Viele bieten innovative Verfahren zum Beispiel beim Vermessen des Körpers, damit Hemd, Hose oder Schuhe auch wirklich passen. Richtig gut hat sich der deutsche Mode-Versender Zalando im ersten Quartal dieses Jahres geschlagen. Ein starkes Frühjahr/Sommer-Geschäft dürfte für erfreuliche – schwarze – Zahlen gesorgt haben. Nizla Naizer von der Deutschen Bank rechnet mit einem verbesserten Ergebnis auch fürs Gesamtjahr. Für Zalando gilt: Die Covid-19-Pandemie hat die Wettbewerbsposition des Onlinemodehändlers im europäischen Markt verbessert.

Der zweite Modehändler, der sich gerade schick macht, ist die Revolve Group aus Los Angeles. Das Unternehmen sieht sich selbst als „Modeeinzelhändler der nächsten Generation für Millennials und Konsumenten der Generation Z“ und verkauft vor allem hochwertige Markenbekleidung. Der Umsatz lag 2020 bei knapp 581 Millionen Dollar, der Gewinn bei 56,8 Millionen. Im Durchschnitt bestellen Kunden bei Revolve Waren im Wert von 236 Dollar – zum Vergleich: Bei Zalando waren es laut Statista 57,20 Euro. Die Revolve Group bedient das Segment hipper junger Menschen und stellt zugleich ihr Nachhaltigkeitsengagement heraus – das sorgt für eine positive Stimmung bei den Konsument*innen. Anlegerinnen und Anleger sollten bei Aktien, die nicht in Euro notieren, neben dem allgemeinen Kursrisiko auch das Wechselkursrisiko beachten.

„Starke Ausgangslage“

Auch im Bereich Möbel und Einrichtung positionieren sich in der Pandemie die Onlinehandelnden, darunter zwei starke deutsche Vertreter. Westwing ist erst seit 2018 an der Börse notiert, eilt aber zu immer neuen Höchstkursen. Das birgt Gefahren für Aktionär*innen, doch noch ist kein Ende auszumachen. Zuletzt hatte das SDax-Unternehmen herausragende Jahreszahlen für 2020 vorgelegt und mit einem positiven Ausblick auf 2021 die Analysierenden überzeugt.

Auch Home24 ist seit 2018 auf dem Parkett vertreten und nach Einschätzung von Berenberg-Analystin Catharina Claes auch für die Zeit nach Corona in einer „starken Ausgangslage“. Der Haken: Investitionen ins Marketing und in die Onlineplattform kosten zunächst Geld, was wiederum die Profitabilität schmälert. Auf mittlere bis lange Sicht sind die Berliner jedoch gut aufgestellt.

Kunst, Medizin und Videos

Interessant sind auch die Unternehmen Cliq Digital, Etsy und Zur Rose. Cliq bietet vor allem Streaming-Entertainment-Dienste an, mit denen gerade in der aktuellen Situation Konsumentinnen und Konsumenten ihre Langeweile bekämpfen. Etsy offeriert vor allem Künstler*innen und Kunsthandwerker*innen eine Plattform für den Vertrieb von Kunst, Mode, Schmuck, Kosmetik, Spielzeug und anderen Produkten. Aufgrund der höheren Spezialisierung und wegen des „alternativen“ Ansatzes gilt Etsy vielen Kundinnen und Kunden als das bessere Ebay. Der Kurssturz nach dem jüngsten Ausblick könnte dabei als gesunde Korrektur zu werten sein. Und die Schweizer Gruppe Zur Rose kennen nur wenige Anlegende. Mit der Tochtergesellschaft Doc Morris ist das Unternehmen allerdings Marktführer im deutschen Pharma-Versandhandel – einer Branche, die in der Pandemie ebenfalls ein stabiles, dauerhaftes Geschäftsmodell ausbauen kann.

So sehr Corona mit den Auswirkungen viele Wirtschaftszweige belastet, so sehr können doch andere Sparten ihr Wachstum beschleunigen. Anlegende können sich daher die in Frage kommenden Gesellschaften in Ruhe ansehen – und mit etwaigen Gewinnen den Frust über Corona ein wenig vergessen.

Investmentbeispiele:

Cliq Digital

  • ISIN: DE000A0HHJR3
  • Aktueller Kurs: 35,00 €
  • KGV* (2021): 19,9
  • Gewinn/Aktie (2021**): 1,73 €
  • Dividende (2021**): 0,69 €
  • Dividendenrendite (2021**): 2,0 %

 

Etsy

  • ISIN: US29786A1060
  • Aktueller Kurs: 130,48 €
  • KGV* (2021): 63,4
  • Gewinn/Aktie (2021**): 2,46 €
  • Dividende (2021**): 0,00 €
  • Dividendenrendite (2021**): 0,0 %

 

Freshpet

  • ISIN: US3580391056
  • Aktueller Kurs: 141,09 €
  • KGV* (2021): V***
  • Gewinn/Aktie (2021**): V***
  • Dividende (2021**): 0,00 €
  • Dividendenrendite (2021**): 0,0 %

 

Home24

  • ISIN: DE000A14KEB5
  • Aktueller Kurs: 17,89 €
  • KGV* (2021): V***
  • Gewinn/Aktie (2021**): V***
  • Dividende (2021**): 0,00 €
  • Dividendenrendite (2021**): 0,0 %

 

Revolve

  • ISIN: US76156B1070
  • Aktueller Kurs: 41,57 €
  • KGV* (2021): 74,0
  • Gewinn/Aktie (2021**): 0,57 €
  • Dividende (2021**): 0,00 €
  • Dividendenrendite (2021**): 0,0 %

 

Westwing

  • ISIN: DE000A2N4H07
  • Aktueller Kurs: 43,46 €
  • KGV* (2021): 61,8
  • Gewinn/Aktie (2021**): 0,69 €
  • Dividende (2021**): 0,00 €
  • Dividendenrendite (2021**): 0,0 %

 

Zalando

  • ISIN: DE000ZAL1111
  • Aktueller Kurs: 84,80 €
  • KGV* (2021): 97,7
  • Gewinn/Aktie (2021**): 0,85 €
  • Dividende (2021**): 0,00 €
  • Dividendenrendite (2021**): 0,0 %

 

Zooplus

  • ISIN: DE0005111702
  • Aktueller Kurs: 237,20 €
  • KGV* (2021): 90,1
  • Gewinn/Aktie (2021**): 2,83 €
  • Dividende (2021**): 0,00 €
  • Dividendenrendite (2021**): 0,0 %

 

Zur Rose

  • ISIN: CH0042615283
  • Aktueller Kurs: 248,17 €
  • KGV* (2021): V***
  • Gewinn/Aktie (2021**): V***
  • Dividende (2021**): 0,00 €
  • Dividendenrendite (2021**): 0,0 %

*KGV: Kurs-Gewinn-Verhältnis; ** Prognose; Fremdwährungen umgerechnet in Euro; *** V: Verlust; Stand: 7.5.2021

 

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Autor: Martin Hintze