Logistik-Aktien: Vorfreude auf Weihnachten

Jahresendgeschäft und anziehender Welthandel sorgen für Fantasie

Eine Analyse von BÖRSE ONLINE, Martin Hintze | Werbemitteilung

Viel Licht wirft auch Schatten. Diese Binsenweisheit bewahrheitet sich gerade mit Blick auf die internationale Logistikbranche. Denn den Unternehmen geht es prima – sie sind echte Pandemie-Gewinner, weil immer mehr Waren bestellt und bis in die Wohnhäuser zugestellt werden. Tendenziell nimmt der Welthandel weiter zu. Umsätze und Gewinne steigen deutlich; so hat etwa die Deutsche Post in diesem Jahr bereits viermal ihre Erlösprognosen nach oben revidiert.

Der Schatten stammt vom Materialmangel in der Industrie. Weil die Lieferketten nicht reibungslos funktionieren und manche Produkte – vor allem Halbleiter – nicht rechtzeitig zu den verarbeitenden Unternehmen gelangen, wird die Konjunktur gebremst. So hatten die führenden Forschungsinstitute ihre Prognosen zuletzt recht deutlich nach unten geschraubt. Dennoch blicken gerade die deutschen Logistiker optimistisch in die Zukunft.

Post boomt

Was des einen Leid, freut – in diesem Fall – die Deutsche Post. Denn weil viele Unternehmen händeringend auf Pakete und Paletten ihrer Zulieferer warten, frohlockt das Konzernmanagement: Es kann immer höhere Preise verlangen. Im dritten Quartal buchten die Bonner 370 Millionen Euro Umsatz in dieser Sparte – gegenüber dem Vorjahreszeitraum ein Plus von knapp 140 Prozent. Insgesamt lag der Betriebsgewinn bis 30. September bei 5,8 Milliarden Euro. Im Vorjahr hatte das Unternehmen im selben Zeitraum rund 2,9 Milliarden Euro erzielt. Und die Hochphase des Jahres steht noch an. Post-Chef Frank Appel erklärte jüngst, dass sich der Welthandel gegenüber dem Vorjahr deutlich beschleunigt habe, die Sendungsmengen im E-Commerce unverändert hoch seien. Appel: „Deswegen blicken wir optimistisch auf das bevorstehende Weihnachtsgeschäft.“ Die Deutsche Post bereitet sich intensiv auf mögliche Rekordmengen in den nächsten Wochen vor und hat zusätzliche Kapazitäten aufgebaut.

Das Sorgenkind der deutschen Logistikbranche ist der Hamburger Hafen. In der Pandemie kamen weniger Seeschiffe an, ein Teil der Flotten löschte seine Ladung in anderen Nordsee-Häfen wie Antwerpen. Jetzt aber sind die Hanseaten zurück in der Wachstumsspur. Im ersten Halbjahr wurden 4,3 Millionen Standardcontainer (TEU, Twenty Foot Equivalent Unit, 20-Fuß-Standardcontainer) bewegt, gegenüber dem ersten Halbjahr 2020 ein Zuwachs um 5,5 Prozent. Auch das Ausbaggern der Elb-Fahrrinne hat dazu beigetragen, weil jetzt Schiffe der Megamax-Klasse mit bis zu 24.000 Containern an Bord die 100 Kilometer von der Elbmündung bis nach Hamburg bequem fahren können. Falls die Kapazitäten in der Hansestadt dennoch nicht mehr ausreichen sollten, will der Hafen mit dem Jade-Weser-Port kooperieren, Deutschlands einzigem Tiefwasserhafen, der sich in Wilhelmshaven befindet.

Zukunft Hafen

Am Jade-Weser-Port hat sich übrigens kürzlich die börsennotierte Reederei Hapag-Lloyd mit 30 Prozent beteiligt. Es geht den Hamburgern letztlich darum, den Frachtlinien einen schnelleren, weil küstennahen Umschlag anzubieten. Das wird nicht einfach, denn Wilhelmshaven hat noch keinen optimalen Schienenanschluss, die Abfertigung gilt – wie in Hamburg und Bremerhaven auch – als eher langsam und teuer. Kein Wunder, dass der 2012 in Betrieb genommene Jade-Weser-Port zwar 2,7 Millionen Standardcontainer (TEU) pro Jahr umschlagen könnte, die Auslastung bisher aber deutlich unter den Erwartungen liegt. Hapag-Lloyd geht davon aus, dass sich die Situation verbessert. Und Hapag-Chef Rolf Habben Jansen sieht in der Beteiligung sogar ein Geschäftsmodell: „Es würde mich nicht wundern, wenn es in Zukunft die eine oder andere ähnliche Investition geben würde.“ Das Kerngeschäft der Hanseaten liegt jedoch weiterhin in der klassischen Schifffahrt.

Der Mittelständler Logwin mit Sitz in Luxemburg bietet Industrie- und Handelskunden Transportlösungen an. Dabei ist das Unternehmen weltweit tätig. Diese regionale Streuung hat mit zum guten Halbjahresergebnis beigetragen. Der Konzern erzielte in den ersten sechs Monaten des Geschäftsjahres einen Umsatz von 771,1 Millionen Euro und damit 43,4 Prozent mehr als im Vorjahr. Geschuldet war die positive Entwicklung dem deutlich gesteigerten Volumen in der Luft- und Seefracht sowie den erheblichen Ratensteigerungen gegenüber der Vorjahrsperiode in der Seefracht. Und der Trend soll sich fortsetzen: „Aufgrund der Entwicklungen des ersten Halbjahres erwarten wir nunmehr ein deutliches Umsatzwachstum auf rund 1,5 Milliarden Euro“, teilen die Grevenmacher mit.

Positive Impulse aus China

Die Schatten, die noch über der Branche liegen, könnten zudem bald noch kleiner werden. Denn die Ausfuhren aus China sind im September um 28,1 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat gestiegen, bereits im August hatte es ein Plus von 25,6 Prozent gegeben. Das war deutlich mehr, als Beobachter*innen erwartet hatten. Die solide weltweite Nachfrage hat demnach den Druck auf die Produzenten infolge von Energieengpässen und einem Wiederaufleben der Coronafälle im Inland teilweise ausgeglichen. Es geht also weiter aufwärts.

Investment-Beispiele Aktien:

Name ISIN Aktueller Kurs KGV* (2021) Gewinn/Aktie (2021**) Dividende (2021**) Dividendenrendite (2021**)
Deutsche Post DE0005552004 57,45 € 14,1 3,89 € 1,68 € 3,1 %
Hamburger Hafen und Logistik DE000A0S8488 20,26 € 21,4 0,93 € 0,59 € 3,0 %

Hapag-Lloyd

DE000HLAG475 222,20 € 5,2 42,80 € 22,30 € 10,3 %

Logwin

LU1618151879

230,00 € 14,4 16,99 € 3,50 € 1,4 %

*KGV: Kurs-Gewinn-Verhältnis; ** Prognose; Fremdwährungen umgerechnet in Euro; Stand: 05.11.2021

Autor: Martin Hintze
Beeindrucke Dich selbst.

Mit dem besten Derivate-Deal. Ab 0 Euro Fee. Jetzt aus allen Zertifikaten und Hebelprodukten unserer 5 starken Partner wählen.