Privatkunden

Abschied vom Kleingeld

Werden 1- und 2-Cent-Münzen abgeschafft?

Gibt es bald kein Kleingeld mehr? Die EU-Kommission prüft, die 1- und 2-Cent-Stücke abzuschaffen. Ende 2021 soll eine Entscheidung fallen.

Eigentlich sind sie ja ganz putzig: die kleinen roten Münzen. Wenn sie in großen Mengen nur nicht so schwer im Portemonnaie lägen. Auch in der Herstellung sind sie teuer. Um eine 1- oder 2-Cent-Münze zu prägen und auszuliefern, müssen manche EU-Länder erheblich mehr als den Nominalwert aufwenden.

Rund 135 Milliarden Münzen im Gesamtwert von 30 Milliarden Euro wurden nach Angaben der Deutschen Bundesbank europaweit bislang ausgegeben. Mit etwa 37 Milliarden Stück liege die 1-Cent-Münze dabei ganz vorne. „Nimmt man noch die 2- und 5-Cent-Münzen hinzu, so stellen diese stückmäßig annähernd zwei Drittel der ausgegebenen Münzen dar, wertmäßig allerdings nicht einmal sieben Prozent des Münzumlaufs“, berichtete die Bundesbank (Stand März 2020). „Die 1- und 2-Euromünzen bilden in etwa 70% des umlaufenden Wertes aller Münzen ab.“

Insgesamt gibt es im Euroraum rund 65 Milliarden 1- oder 2-Cent-Münzen. Die Kleinen müssen immer wieder nachgeprägt werden, weil viele sie anscheinend Zuhause sammeln und nicht wieder in Umlauf bringen.

Übrigens: Falls Sie jetzt darüber nachdenken, Ihre Bestände loszuwerden: Unbegrenzt beim Händler ist das nicht möglich. In Deutschland sind Gläubiger verpflichtet, bis zu 50 Münzen oder Münzen im Gegenwert von bis zu 200 Euro anzunehmen, sofern dies zuvor nicht explizit ausgeschlossen wurde, wie auch die Bundesbank in ihrem Bericht betont.

Große Diskussion um kleines Geld

In regelmäßigen Abständen wird auch bei uns laut darüber nachgedacht, ob die 1- und 2-Cent-Münzen langsam ausgedient haben. Das minutenlange Kramen im Portemonnaie kostet Zeit und an Parkschein- oder Fahrkartenautomaten werden die Kleinstmünzen zumeist schon längst nicht mehr akzeptiert. Besonders wegen der gestiegenen Herstellungskosten hat die EU-Kommission schon 2013 über die Abschaffung spekuliert und Vorschläge für einen Zahlungsverkehr ohne 1er und 2er entwickelt. Jetzt gibt es einen neuen Vorstoß der EU-Kommission. Anstelle der Kleinstmünzen soll nach festen Regeln auf- und abgerundet werden.

  • Bei Geldbeträgen mit 1, 2, 6 oder 7 Cent am Ende heißt es: abrunden
  • Bei Summe mit 3,4, 8 oder 9 Ende lautet die Devise: aufrunden.

Ob es tatsächlich dazu kommt, will Brüssel Ende 2021 entscheiden.

Nachbarn ohne Kleingeld

Unsere europäischen Nachbarn diskutieren schon lange nicht mehr, sondern haben im Alltag längst Fakten geschaffen. In Finnland, Irland, Belgien und den Niederlanden zum Beispiel spielen 1- und 2-Cent-Münzen beim täglichen Einkauf schon lange keine große Rolle mehr. Überall dort wird beim Bezahlen an der Kasse fleißig auf 5 Cent auf- oder abgerundet.

Wenn die kleinen Münzen trotzdem noch geprägt werden, freut das den Sammler: Die Cent-Stücke werden in einigen Ländern nur noch in kleinster Auflage ausgegeben.

Was sagen die Deutschen dazu?

Von all dem haben sich die Deutschen jahrelang nicht beeindrucken lassen. Nur 39% waren nach einer Umfrage der Deutschen Bundesbank im Jahr 2011 für die Abschaffung des Kleingeldes. Auch Spendenorganisationen freuen sich immer noch über jeden Cent in der Sammelbüchse und die Stadt Rom fischte bisher jedes Jahr ein Vermögen an kleinen Münzen aus dem Glücksbrunnen Fontana di Trevi.

Aber kippt langsam die Stimmung in Deutschland? Nach einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Yougov für das Handelsblatt von Januar 2020 sind inzwischen 63 Prozent der Deutschen für eine Abschaffung der Kleinstmünzen.

Geehrte Kunden, wir runden!

Ob mit ein paar einfachen Rundungsregeln auf die kleinen Münzen verzichtet werden kann, hat etwa die Stadt Kleve 2016 in einem vielbeachteten Pilotversuch ausprobiert. Beim Bezahlen wurde der Gesamtkaufpreis von den an der Aktion teilnehmenden Händlern an der Kasse auf volle 5 Cent auf- oder abgerundet – auf freiwilliger Basis und nur mit Zustimmung des Kunden. Fazit: Einen Nachahmungseffekt hat die Aktion bis heute nicht ausgelöst und auch die meisten Händler in Kleve runden nicht mehr.

Das Glück liegt auf der Straße

Einige gehen ungerührt am herrenlosen 2-Cent-Stück vorbei, ohne sich zu bücken. Für andere bedeutet der vernachlässigte Einser auf dem Boden Glück und der Tag ist gerettet. Kleingeld aufzuheben, kann sich lohnen: Für manche seltenen Stücke wird von Sammlern ein hübsches Sümmchen geboten.

Autor: Ben Bernard