Bitcoin und Corona

Bitcoin-Kurs auf Rekordhoch – Was das für Anleger bedeutet

Ein atemberaubender Höhenflug: Der Kurs der Digitalwährung Bitcoin hat sich im Corona-Jahr 2020 auf Jahressicht mehr als vervierfacht. Doch Experten raten zur Vorsicht.

Das Jahr 2021 war erst wenige Tage alt, da hatte die Digitalwährung Bitcoin das Rekordhoch von über 40.000 US-Dollar geknackt. Zwölf Monate zuvor sah alles noch ganz anders aus. Auf einem bescheidenen Niveau von etwa 8.000 US-Dollar lag der Bitcoin damals. Dann kam die erste Corona-Welle im Frühjahr und der Kurs fiel auf unter 4.000 Dollar. Erst langsam, dann ganz rasant ging es danach aufwärts. Auf Jahressicht 2020 hat sich der Kurs des Bitcoins mehr als vervierfacht.

Warum der Bitcoin kein Gewinner der Corona-Krise ist

Der Bitcoin – ein Gewinner der andauernden Corona-Krise? „Nein“, sagt der Kölner Vermögensverwalter Uwe Zimmer. Das hat zwei Gründe:

  • Der Bitcoin hat während der ersten Corona-Welle, ebenso wie alle anderen Asset-Klassen auch, stark an Wert verloren – aber mit dem Unterschied, dass der Wertverlust bei den Bitcoins höher war. „Dafür fiel dann die Erholung stärker aus als bei den anderen Asset-Klassen“, so Zimmer.
  • Große institutionelle Anleger haben im zurückliegenden Jahr ihre anfängliche Skepsis gegenüber Bitcoins abgelegt. Der Bezahldienst Paypal hatte zudem unlängst angekündigt, seinen Kunden das Bezahlen mit Bitcoins zu ermöglichen. Die Folge: Ein enormer Nachfrageschub. „Auch das hat zur rasanten Kursentwicklung beigetragen“, sagt Zimmer.

Bitcoins als Zahlungsmittel weitgehend ungeeignet

Bislang ist der Bitcoin zumeist kein gesetzliches Zahlungsmittel. Es obliegt Firmen und Organisationen zu entscheiden, ob sie ihn akzeptieren oder nicht. Derzeit gibt es übrigens mehr als 4.000 Kryptowährungen - der im Zuge der Finanzkrise von 2008 entstandene Bitcoin ist die älteste und bekannteste. Seit jeher werden Bitcoins auch kritisch gesehen: Bemängelt wird etwa, sie könnten aufgrund anonymer Zahlungsprozesse leicht für kriminelle Zwecke missbraucht werden.

Bitcoins – Das neue digitale Gold?

„Wer eine Alternative zur Anlage in Gold sucht, für den könnten Bitcoins durchaus in Frage kommen“, sagt Zimmer. Anders als das Edelmetall besitzt der Bitcoin zwar keinen Eigenwert, aber es gibt mehrere Parallelen:

  • Gold kommt in den Gold-Minen nur begrenzt vor, Bitcoins sind ebenfalls auf Basis ihres Programmcodes auf eine bestimmte Stückzahl – nämlich auf 21 Millionen Stück - limitiert.
  • Gold und Bitcoins werden „geschürft“. Beim Bitcoin erfolgt dies auf Basis von komplexen Berechnungen, wofür übrigens viel Energie nötig ist.
  • Sowohl Gold als auch Bitcoins gelten als „Wertespeicher“. Zinsen werfen allerdings beide nicht ab.

Was bei Gold gilt, gilt auch bei Bitcoins: Wer auf diese Anlageform setzt, sollte sie als Beimischung sehen – „und allenfalls einen geringen Anteil seines Vermögens investieren“, rät Zimmer. Keinesfalls sollte es Geld sein, das kurzfristig benötigt wird.

Was gegen Bitcoins spricht

Die teils heftigen Kursschwankungen des Bitcoin lassen viele Kritiker an seinem Potenzial als Anlagegenstand zweifeln. Auch Experte Zimmer verweist auf „enorme Kursschwankungen“. Anleger sollten ein gehöriges Maß an Risikobereitschaft mitbringen. Ebenso rasant wie der Kurs nach oben schnellt, kann er auch fallen. Um etwa 70% brach der Kurs der Digitalwährung vor einigen Jahren ein. Bitcoins sind also alles andere als eine sichere Geldanlage.

Experte Tilo Emden ging in einer Kurzstudie Anfang 2021 davon aus, dass bei der Kursentwicklung vor allem das Überschreiten der 30.000er-Marke den Preisauftrieb ausgelöst hat. „Anziehende Preisniveaus sind Lockstoff für Privatinvestoren, welche schon länger hinter der Seitenlinie gewartet und mit Engagements geliebäugelt haben“, schrieb Emden hier. Die Risiken und Nebenwirkungen ließen Marktteilnehmer offenbar außer Acht - sie lechzten nach neuen Rekorden.

Autor: ING