Kryptowährungen in der Pandemie

Was macht eigentlich der Bitcoin-Markt in der Corona-Krise?

Die einen sind euphorisch, die anderen skeptisch. An der Kryptowährung Bitcoin scheiden sich die Geister. Denn möglich ist mit dem Internet-Geld beides: sowohl märchenhafte Gewinne als auch Totalverlust. Wie steht es in der Corona-Krise um den Bitcoin-Markt? Mit diesem Thema setzt sich diesmal unsere Finanzfrage des Monats auseinander.

Die Zinsen sind mau, die Lage an den Finanzmärkten angesichts der wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise ernst. Doch Anleger sind natürlich weiterhin auf möglichst hohe Gewinne aus. Dabei denkt manch einer über Alternativen zu den herkömmlichen Anlageprodukten nach. Aktuell rückt die digitale Währung Bitcoin wieder verstärkt in den Fokus. Das Internet-Geld stößt bei den einen auf tiefes Misstrauen, bei anderen auf starke Zustimmung. Aber was macht überhaupt der Bitcoin-Markt in diesen Pandemie-Zeiten? Darum geht es dieses Mal in unserer Finanzfrage des Monats.

Nachdem der Bitcoin-Kurs von Mitte März bis Ende April 2020 auf Achterbahnfahrt war und davor teils herbe Verluste verzeichnet hatte, stieg er wieder an. Anfang Mai lag der Kurs bei 9.000 US-Dollar. Aber Achtung: Wer in Bitcoins investiert, sollte sich mit dem Thema intensiv befassen – und sich vor Betrügern wappnen.

Das sind Bitcoin

Erst seit dem Jahr 2009 gibt es Bitcoin. Der Name ist eine Kombination aus „Bit“ – die kleinste digitale Einheit – und „coin“ – das englische Wort für Münze. Die Währung existiert vor allem als digitale Zeichenfolge. Internet-User sind es, die neue Bitcoins erstellen. Dabei helfen ihnen mathematische Verfahren. Guthaben und Zahlungen landen in einem Blockchain. Das ist ein dezentrales Netzwerk. Das Zahlungssystem arbeitet verschlüsselt über kryptografische Methoden. Das ist der Grund, warum man Bitcoin auch als Kryptowährung bezeichnet.

Schürfen – so kommt man an Bitcoin

Wer eine Überweisung mit Bitcoins tätigt, muss erst eine komplizierte Rechenaufgabe lösen. Diejenigen, die das Netzwerk am Laufen halten und Zahlungen bestätigen, bekommen Bitcoins zur Belohnung. Dieser Vorgang heißt „Mining“ – auf Deutsch: Schürfen. Beim Mining kommt es auf technisches Wissen an. Grundvoraussetzung ist eine entsprechende Computerausrüstung. Weil die Anforderungen an die Rechenleistung mit den Jahren immer mehr gestiegen sind, ist es heutzutage so gut wie unmöglich, vom heimischen PC aus das Mining zu betreiben. Mining-Pools oder aufs Mining spezialisierte Firmen kümmern sich darum.

Was es mit dem Bitcoin-Halving auf sich hat

Am Abend des 11. Mai 2020 kam es zu einem lang erwarteten Event – dem sogenannten Bitcoin-Halving. Zu dieser Halbierung kam es, als insgesamt 630.000 Blöcke generiert wurden. Somit erhalten künftig Miner, wenn sie neue Blöcke erzeugen, statt 12,5 Bitcoins nur noch 6,25 Bitcoins als Belohnung. Die Halbierung ist fester Bestandteil des Bitcoin-Codes. Sie erfolgt immer dann, wenn 210.000 neue Blöcke erzeugt wurden. Dazu kommt es im Schnitt alle vier Jahre. Das Halving ging also in diesem Jahr nach 2012 und 2016 zum dritten Mal über die Bühne.

Warum die Halbierung?

  • Dadurch wird zum Beispiel die festgelegte Höchstmenge von 21 Millionen Bitcoins nicht so schnell erreicht.
  • Es kommt zu keiner Inflation bei der Kryptowährung, denn infolge eines Halvings wächst die Menge der Bitcoins langsamer. Gleichzeitig bleibt die Nachfrage gleich. Sie kann sogar in die Höhe schnellen, weil die Bitcoins nicht zuletzt durch das Event bekannter werden. Das hat womöglich zur Folge, dass der Bitcoin-Kurs steigt

Informieren ist das A & O

Bei dem Wort „Schürfen“ denken die meisten an Gold Und tatsächlich sehen viele Experten in Bitcoins „digitales Gold“. So auch Philipp Sandner, Professor am Blockchain Center der Frankfurt School of Finance & Management. „Bitcoins sind ebenso wie Gold ein knappes Asset“, sagt Sandner. Aus seiner Sicht stehen derzeit viele Anleger der digitalen Währung skeptisch gegenüber, weil sie darüber noch nicht so viel wissen. „Die Sache ist schwierig zu verstehen, und es ist auch nicht damit getan, darüber einfach nur mal ein Buch zu lesen“, betont Sandner. Man müsse sich mit dem Thema sehr intensiv befassen. Je mehr sich das Wissen verbreite und Anleger auf Bitcoins setzten, desto stärker könne der Bitcoin-Kurs steigen.

Sandner glaubt, dass Bitcoins als Anlageform eine „vielversprechende Zukunft“ haben. Noch in diesem Jahr könnte der Kurs der digitalen Währung dauerhaft die 10.000-Dollar-Marke übersteigen. Allerdings müsse auch jederzeit wieder mit mehr oder weniger starken Rückgängen gerechnet werden.

Wichtig zu wissen:

  • Bitcoins sind in Deutschland kein gesetzliches Zahlungsmittel.
  • Kein Händler steht in der Pflicht, Bitcoins anstelle von Euros zu akzeptieren – nur einzelne tun dies überhaupt, etwa Läden, Kneipen oder der Essen-Bringdienst Lieferando.
  • Bitcoins haben keine Wertstabilität. Würde ein Gehalt in Bitcoins gezahlt, könnte der Empfänger vielleicht in einem Monat damit seinen Lebensunterhalt finanzieren, sich im nächsten Monat eventuell eine Luxus-Limousine leisten, und im darauffolgenden Monat könne sich der Wert aufgrund der großen Volatilität wieder deutlich reduzieren.

Warum Bitcoins für viele einen negativen Beigeschmack haben

Es gab Zeiten, da galten Bitcoins als Währung für Dealer. Waffen- und Drogengeschäfte wickelten sie mit dem Internet-Geld im Darknet ab. Das Darknet ist die Schattenseite des World Wide Web. Dort sind Nutzer weitgehend anonym unterwegs. Für Furore sorgten Bitcoins auch im Zusammenhang mit Lösegeldforderungen.

Generell gilt: Bitcoins sind Spekulationsobjekte. Sie bergen erhebliche Risiken, wie ein Sprecher des deutschen Fondsverbands BVI betont: „So verlockend der rasante Wertzuwachs einzelner Digitalwährungen auch ist, eine Spekulation gleicht einem Einsatz in einem Spielkasino.“

Der Rat des Experten: „Erst einmal einen kleinen Geldbetrag, den man wirklich nicht braucht, in Bitcoins investieren, sich so mit der Materie vertraut machen und schauen, wie sich die Sache entwickelt“, erklärt Sandner. Möglich ist alles – von märchenhaften Gewinnen über teilweise Einbußen bis hin zum Totalverlust.

Autor: ING
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