Privatkunden

Nebenjobs in der Krise

Geld dazuverdienen in Corona-Zeiten: Was bietet sich an?

Jobverlust, Kurzarbeit, verlängerte Semesterferien: Die vergangenen Monate haben sich bei vielen Deutschen auch finanziell bemerkbar gemacht. Doch es gibt Branchen, die gerade jetzt nach Aushilfen suchen.

Die Corona-Krise hat die Arbeitswelt kräftig durcheinandergewirbelt. Laut Statistik der Bundesagentur für Arbeit wurden im April und Mai 2020 fast 50 Prozent weniger Stellen neu gemeldet als noch vor einem Jahr. Viele Angestellte haben in den vergangenen Monaten ihre Jobs verloren oder mussten in Kurzarbeit gehen. Auch Selbstständige kämpfen noch immer mit Auftragseinbrüchen. Die Folge: Finanziell kommt es in vielen Haushalten zu Schwierigkeiten. Doch Verbraucher haben zum Glück einige Möglichkeiten, um sich etwas dazuzuverdienen. Welche Branchen händeringend nach Personal suchen und was Jobsuchende dabei beachten sollten, lesen Sie hier.

Der Einzelhandel boomt

Gerade in den ersten Wochen der Corona-Krise waren die Supermärkte voller denn je. Besonders beliebt: Toilettenpapier und Nudeln. Auch wenn sich die Sache mit den Hamsterkäufen mittlerweile beruhigt hat, gibt es laut Steven Haarke, Geschäftsführer Arbeit, Bildung, Sozial- und Tarifpolitik beim Handelsverband Deutschland (HDE), gerade im Lebensmitteleinzelhandel auch weiterhin eine verstärkte Nachfrage. „Der flexible Einsatz von Aushilfen ist für die Lebensmittelhändler aktuell besonders wichtig, weil die Grundversorgung der Bevölkerung konstant gewährleistet sein muss“, sagt er. Aushilfen würden auch deshalb gesucht, weil durch den verstärkten Aufwand für Hygienemaßnahmen zusätzliche Arbeiten anfallen.

Die gute Nachricht ist: Sie brauchen für diese Jobs nicht zwingend Vorerfahrungen: „Viele Tätigkeiten können nach einer kurzen Einweisung gut erledigt werden”, so Haarke.

Landwirtschaft sucht nach Erntehelfern

Eine andere Anlaufstelle für Jobsuchende ist derzeit die Landwirtschaft. Aufgrund der Corona-Krise fehlen hier jede Menge Saisonarbeiter, die normalerweise aus dem europäischen Ausland kommen. Um diese Lücke zu schließen, wurden in den vergangenen Monaten einige Initiativen ins Leben gerufen.

Ein Beispiel: „Das Land hilft“ ist eine Initiative des Bundesverbands der Maschinenringe, die in Abstimmung mit dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft entstanden ist. Menschen, die ihren Job verloren haben, und Landwirte, die dringend nach helfenden Händen suchen, sollen dabei zusammengebracht werden.

Patrick Fischer vom Bundesverband der Maschinenringe berichtet zwar, dass die akute Situation derzeit vorüber sei, aber: „Perspektivisch ist es gut möglich, dass zum Sommer hin die Zahl der Inserate wieder steigt, wenn beispielsweise Arbeiten wie die Apfel-, Birnen- oder Hopfenernte anstehen.” Aktuell würden vor allem Erdbeeren, andere Beerenfrüchte und verschiedene Salatarten geerntet.

Was dabei zu beachten ist: Vorerfahrungen sind laut Fischer zwar nicht nötig, Helfer sollten sich aber bewusst sein, dass diese Jobs anstrengend sind. „Die Arbeit findet in einer für uns in der Regel ungewohnten Körperhaltung und unter freiem Himmel statt. Helferinnen und Helfer sollten also eine gewisse körperliche Belastbarkeit mitbringen”, rät er.

Studenten-Jobs im Gesundheitswesen

Auch Studenten sind von der Corona-Krise betroffen. Nicht nur, weil Vorlesungen und Prüfungen verschoben wurden, sondern auch, weil viele durch die aktuelle Lage in finanzielle Engpässe geraten. Denn: Jede Menge Studentenjobs sind weggebrochen. Deshalb stellt das Jobportal Stellenwerk verschiedene Branchen vor, die derzeit nach Studenten suchen. In Gesundheitseinrichtungen etwa soll es demnach immer mehr Aushilfsjobs geben, für die man keine medizinischen Vorkenntnisse benötigt. Studenten könnten etwa als Apothekenkurier Medikamente für Risikopatienten ausliefern. Auch für Pharmazie-Studenten sind Apotheken interessant: Seit Beginn der Corona-Pandemie hätten sie sich vor allem als kurzfristige Unterstützung angeboten, berichtet Christian Splett von der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände.

Was bei Kurzarbeit und Nebenjobs zu beachten ist

Angestellte in Kurzarbeit müssen auf Teile ihres Gehalts verzichten. Das ist keine schöne Situation. Doch wer sich bisher etwas dazuverdienen wollte, hatte es nicht ganz so leicht: Er musste berücksichtigen, dass der zusätzliche Verdienst in vielen Fällen auf das Kurzarbeitergeld angerechnet wurde.

Seit dem 1. Mai 2020 gelten aber andere Regeln: „Beschäftigte in Kurzarbeit können einen Nebenverdienst bis zur Höhe ihres ursprünglichen Einkommens haben, ohne dass dieser auf das Kurzarbeitergeld angerechnet wird”, heißt es auf der Seite des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales. Aber Achtung: Angestellte dürfen dabei die Höhe des Lohns nicht überschreiten, den sie vor der Kurzarbeit bekommen haben.

Fazit: Ob auf dem Feld Erdbeeren ernten oder im Supermarkt Regale einräumen: Wer gerade mehr Zeit hat als einem lieb ist, kann auch während der Pandemie einen neuen Nebenjob anfangen und das eigene Gehalt aufstocken. Auf der Seite der Bundesagentur für Arbeit zu Saisonarbeiten finden Jobsuchende passende Stellenangebote zur Unterstützung in der Corona-Krise. Ein schöner Nebeneffekt solcher Arbeiten: Sie helfen dabei, besonders gefragte Branchen zu entlasten – und somit die Krise zu bewältigen.

Autor: ING