Corona und Verträge

Das gilt beim Zahlungsaufschub für Kredite, Miete und Co.

Das neue Coronavirus sorgt bei vielen Deutschen für finanzielle Schwierigkeiten. Jetzt auch noch Kredite, Miete und Strom bezahlen? Nicht unbedingt: Manche Zahlungen können Verbraucher aufschieben.

Fehlende Aufträge, Kurzarbeit oder sogar Kündigung: Für viele Deutsche bringt die Corona-Pandemie neben den Alltagsherausforderungen auch finanzielle Sorgen mit sich. Laufende Verträge, Kredite und Mietzahlungen können Kopfschmerzen bereiten: Was, wenn ich meine Rechnungen nicht mehr zahlen kann? Verliere ich dann meine Wohnung oder wird mir womöglich der Strom abgestellt? Die gute Nachricht ist: Für einige dieser Rechnungen können Verbraucher im Zuge der Corona-Krise einen Zahlungsaufschub bekommen.

Mietschulden: Worauf müssen Mieter achten?

Ein Dach über dem Kopf ist gerade jetzt wichtiger als je zuvor. Umso bedrohlicher kann es sich für Mieter anfühlen, wenn sie die Miete nicht mehr begleichen können. Und nun? Erst einmal heißt es: aufatmen. Laut eines neuen Gesetzes dürfen Vermieter ihren Mietern nicht einfach kündigen, wenn diese ihre Miete bis Ende Juni aufgrund der Corona-Krise nicht zahlen können. Aber: „Dafür müssen sie ihrem Vermieter allerdings glaubhaft machen, dass das tatsächlich an der Virus-Pandemie liegt“, erklärt Gerold Happ vom Eigentümer-Verband Haus & Grund Deutschland. Als Beweise gelten etwa die Kündigung des Arbeitgebers, abgesagte Projekte oder ein Kontoauszug, aus dem ersichtlich wird, dass kein Geld mehr fließt.

Achtung: Die Zahlung der Miete wird nur aufgeschoben und ist weiterhin fällig. Darüber hinaus müssen die Mietschulden verzinst werden. Laut Happ müssen Mieter hier mit etwa 4% Zinsen rechnen.

Außerdem wichtig: Diese außergewöhnliche Situation ist für alle Parteien schwierig. Deshalb rät Happ Mietern dazu, das Gespräch mit den Vermietern zu suchen. Dazu gehört, die Miete nicht einfach ohne Kommentar einzustellen, sonst riskiere man die Kündigung. Außerdem seien auch viele kleine Vermieter selbst von der Krise betroffen: „Oft lassen sich im Gespräch Lösungen finden“, sagt er.

Grundversorgung sichern: Zahlungen für Strom, Wasser und Co. aufschieben

Nicht nur die Miete wartet jeden Monat darauf, bezahlt zu werden. Auch Kosten für Strom, Gas, Wasser, Telefon und Internet gehen regelmäßig vom Konto ab. Wer hier aufgrund der Pandemie Zahlungsschwierigkeiten bekommt, kann die Zahlung momentan aussetzen – und zwar ohne zu befürchten, dass Strom und Wasser abgestellt werden. Das erklärt die Verbraucherzentrale und weist gleichzeitig darauf hin, dass es sich hierbei nur um einen Zahlungsaufschub handelt.

Außerdem gilt dieses Recht nur dann, wenn:

Achtung: Wer Tickets kaufen und dafür eine Ticketversicherung abschließen möchte, sollte vorher genau in die Versicherungsbedingungen schauen. „Wir haben vereinzelt Erfahrungen gemacht, dass Versicherungsanbieter den Coronavirus bereits in ihre Ausschlussgründe reinformuliert haben“, warnt der Verbraucherschützer.

  1. der Vertrag vor dem 8. März 2020 abgeschlossen wurde.
  2. Verbraucher darlegen, dass sie aufgrund der Corona-Krise knapp bei Kasse sind und ihnen durch die zusätzliche Zahlung von Strom und Co. ein angemessener Lebensunterhalt nicht mehr möglich ist.

Auch Kreditraten lassen sich stunden

Laufende Kredite können für Kunden während der Pandemie eine echte Herausforderung sein. Um Kreditnehmer in Not zu entlasten, dürfen sie seit 1. April die Raten eines Verbraucherkredits, der vor dem 15. März abgeschlossen wurde, für drei Monate stunden.

Achtung, auch hier gilt: „Es handelt sich um eine Akutmaßnahme, die Schulden werden damit nicht weggezaubert“, warnt Dorothea Mohn vom Verbraucherzentrale Bundesverband. Außerdem gelte die Regelung nur für Kunden, die aufgrund der aktuellen Krise in finanzielle Schwierigkeiten geraten sind. „Das müssen Betroffene im Zweifel auch nachweisen.“ Die Expertin rät: Am besten sollten sich Verbraucher bei Problemen sofort an ihre Bank oder Sparkasse wenden. Wenn Sie Kunde bei uns sind, finden Sie hier weitere Informationen.

Mitgliedschaften im Fitnessstudio pausieren

Auch Fitnessstudios sind von der Corona-Krise betroffen und mussten vorerst ihre Türen verschließen. Doch viele Kunden stellen sich jetzt die Frage: Müssen sie weiterhin ihre Beiträge bezahlen, obwohl sie nicht im Studio trainieren können? Müssen sie aus juristischer Sicht nicht, sagt Stiftung Warentest. Das gilt zumindest für die Zeit der Schließung. Doch vor allem für kleinere Studios ist die aktuelle Situation existenziell bedrohlich. Eine mögliche Lösung ist deshalb, seinen Vertrag zeitweise ruhen zu lassen. Und was, wenn jemand bereits Beiträge für das ganze Jahr gezahlt hat? Laut Warentester können sich Mitglieder in so einem Fall auch einen Teil des Geldes zurückerstatten lassen. Manche Studios würden außerdem anbieten, die Mitgliedschaft um die Corona-Zeit kostenlos zu verlängern.

Fazit: Keine Panik – es gibt Lösungen für finanzielle Engpässe

Es kann beruhigend sein: Die neuen Regelungen helfen Verbrauchern, die durch die Corona-Krise in eine finanzielle Notlage gerutscht sind. Die Verbraucherzentrale warnt dennoch davor, dass der Zahlungsaufschub schnell zu einem großen Berg an Schulden führen kann und dieser trotzdem in besseren Zeiten abbezahlt werden muss. Sie rät, Hilfen rechtzeitig zu beantragen und eine Liste zu erstellen, welche Zahlungen im Moment Vorrang haben.