Der neue DAX 40

Der DAX entwickelte sich im Laufe der Jahre zu einer festen Größe in den Anlageüberlegungen vieler Investorinnen und Investoren hierzulande. Damit das Börsenbarometer die deutsche Wirtschaft möglichst repräsentativ abbildet, wurde die Aufstockung des Index von 30 auf 40 Unternehmen beschlossen.

Kaufen oder Abwarten?

Siemens, Adidas, BMW oder Bayer – so unterschiedlich die Unternehmen auch sein mögen, eines haben sie gemeinsam: Sie sind den Menschen hierzulande vertraut. Ein Gefühl, das sich auch auf die Geldanlage überträgt, man spricht dabei vom Home-Bias-Effekt. Charakteristisch für diesen Effekt ist die Neigung von Anlegerinnen und Anlegern, verstärkt in Unternehmen aus dem Heimatland zu investieren, da man zu diesen eine Beziehung hat und meint, sie zu kennen.

Gleiches gilt für den DAX, der seit seinem Start am 1. Juli 1988 die Wertentwicklung der 30 größten und liquidesten Unternehmen abbildete, die im Regulierten Markt der Frankfurter Wertpapierbörse gelistet sind. Der Leitindex für den deutschen Aktienmarkt, der als Basiswert und Vergleichsmaßstab für eine Vielzahl an Finanzprodukten wie Optionen, Futures, Fond, ETFs oder Zertifikate dient, entwickelte sich im Laufe der Jahre zu einer festen Größe in den Anlageüberlegungen vieler Investorinnen und Investoren hierzulande. Ein Erfolg, der zugleich verpflichtet.

40 ist die neue 30

Damit der DAX die deutsche Wirtschaft möglichst repräsentativ abbildet, wurde nach einer im vergangenen Jahr durchgeführten Marktkonsultation die Aufstockung des Index von 30 auf 40 Unternehmen beschlossen. Am 3. September 2021 gab die STOXX Ltd. als der globale Indexanbieter von Qontigo (Teil der Deutsche Börse Group) die neue Zusammensetzung bekannt. Seit dem 20. September komplettieren der deutsch-französische Flugzeughersteller Airbus, der Chemikalienhändler Brenntag, der Lieferant von Kochboxen HelloFresh, die Porsche Automobil Holdinggesellschaft, der Sportartikelhersteller PUMA, das Biotechnologie- und Diagnostikunternehmen QIAGEN, der Pharma- und Laborzulieferer Sartorius, der Medizintechnikkonzern Siemens Healthineers, der Hersteller von Aromen und Duftstoffen Symrise sowie der Onlinehändler für Mode und Accessoires Zalando die Riege der Unternehmen im DAX.

Diversifikation verbessert sich etwas

Durch die Aufstockung repräsentiert der Index nun rund 80 % der Marktkapitalisierung börsennotierter Aktiengesellschaften in Deutschland (zuvor rund 74 %). Mit Unternehmen wie HelloFresh und Zalando, aber auch Qiagen, Siemens Healthineers oder Sartorius ist der DAX zugleich ein Stück weit moderner geworden und spiegelt die gestiegene Bedeutung von Themen wie Digitalisierung und Gesundheit wider. Die Diversifikation verbessert sich durch die Aufstockung ebenfalls, zumindest ein wenig. Ließen sich die 30 Indexmitglieder vor der Umstellung 14 verschiedenen Branchen zuordnen, hat sich die Zahl der repräsentierten Branchen nach der Umstellung auf 17 erhöht. Nach wie vor haben dabei die Sektoren Industrie, Chemie, Technologie und Automobil das höchste Gewicht. Hinzu kommt die Gesundheitsbranche. Zusammen machen die fünf Sektoren rund zweit Drittel des Indexgewichts aus.

Wirft man einen Blick auf die Einzelwerte, so findet sich mit Airbus immerhin auch eines der zehn neu aufgenommenen Unternehmen unter den fünf DAX-Unternehmen mit dem höchsten Indexgewicht. Die Beschränkung des maximalen Gewichts eines Indexmitglieds auf 10 % soll helfen, ein Klumpenrisiko zu vermeiden. Ein solches entsteht, wenn die Kursveränderung eines Wertes aufgrund seines hohen Gewichts den Kurs des gesamten Index signifikant beeinflusst.

Anpassung der Aufnahmekriterien

Als grundlegende Voraussetzung, um sich für die Aufnahme in den DAX zu qualifizieren, müssen die Aktien eines potenziellen Kandidaten im Regulierten Markt der Frankfurter Wertpapierbörse gelistet sein und fortlaufender auf Xetra gehandelt werden. Zudem muss das Unternehmen seinen Sitz oder operativen Sitz in Deutschland haben und geprüfte Jahresabschlüsse, Halbjahresfinanzberichte sowie Quartalsmitteilungen pünktlich veröffentlichen.

Als eine der Lehren aus dem tiefen Fall des einstigen DAX-Unternehmens Wirecard führte der im Sommer 2020 angestoßene Reformprozess auch zu Änderungen am Regelwerk für den Index. So müssen künftige DAX-Kandidaten in ihren beiden jüngsten Jahresabschlüssen ein positives EBITDA (Ergebnis vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Amortisation) ausweisen. Zudem wurden Sanktionen für den Fall der Nichteinhaltung von Finanzberichterstattungspflichten eingeführt.

Darüber hinaus findet die reguläre Überprüfung der Indexzusammensetzung künftig im März und September eines jeden Jahres statt. Für die Aufnahme eines Unternehmens in den DAX ist nunmehr die Marktkapitalisierung der frei gehandelten Aktien im Streubesitz entscheidend (Mindeststreubesitz von 10 %). Zudem muss das Unternehmen bestimmte Mindestanforderungen hinsichtlich des Börsenumsatzes seiner Aktien erfüllen (Mindestorderbuchvolumen der letzten 12 Monate von 1 Mrd. EUR oder Börsenumsatz von 20 % des handelbaren Börsenwerts pro Jahr).

Mit der Erweiterung auf 40 Unternehmen sowie den Anpassungen am Regelwerk wurde im September 2021 die größte Reform in der mehr als 33-jährigen Gesichte des DAX abgeschlossen. Bestens gerüstet für die Zukunft bleibt der Index ein interessanter Basiswert, der Anlegerinnen und Anlegern vielfältige Möglichkeiten für ein langfristiges Investment in den deutschen Aktienmarkt eröffnet.

Die fünf größten Unternehmen im DAX

Unternehmen Indexgewicht Branche
Linde 9,8 % Chemie
SAP 9,2 % Technologie
Siemens 7,9 % Industriegüter und Dienstleistungen
Allianz 5,6 % Versicherung
Airbus 4,8 % Industriegüter und Dienstleistungen

Quelle: Qontigo; Stand: 20.09.2021

Autor: ING-DiBa AG