Digitale Währung

Digitaler Euro: Welche Vorteile er gegenüber Bitcoins & Co. hätte

Eine digitale Version des Euro könnte bald Realität werden – jedoch nicht als Ersatz für Bargeld, sondern eher als Pendant. Was den digitalen Euro von anderen Kryptowährungen wie Bitcoins und Libra unterscheidet? Er würde von der Europäischen Zentralbank (EZB) emittiert werden, die die Stabilität der Währung sichern will.

Kommt er oder kommt er nicht? Die digitale Version des Euro beschäftigt seit langem die Finanzwelt. Langsam nimmt die europäische Digitalwährung auch konkrete Formen an. Immerhin will die Europäische Zentralbank (EZB) in nächster Zeit den digitalen Euro intern testen. Parallel dazu sollen vom 12. Oktober an Bürger sowie Fachleute aus Wissenschaft und Finanzsektor zum Für und Wider befragt werden. Voraussichtlich Mitte 2021 gibt die EZB dann entweder grünes Licht für den Start eines digitalen Euro-Projekts – oder sie lässt es eben.

Andere sind schon weiter in Sachen Digitalwährung

Während das Projekt einer Digitalwährung im Euroraum noch in den Kinderschuhen steckt, sind andere Länder schon deutlich weiter.

  • E-Krona: Das Projekt der schwedischen Zentralbank ist vergleichsweise weit vorangeschritten. In dem skandinavischen Land spielt Bargeld kaum noch eine Rolle.
  • DCEP: In China ist die staatliche Digitalwährung Digital Chinese Currency Electronic Payment seit Ende März 2020 in der Testphase.

Daneben gibt es noch weitere Initiativen.

  • Bitcoins: Diese Währung existiert nur als digitale Zeichenfolge, neue Bitcoins werden von Internet-Usern erstellt. Das Zahlungssystem arbeitet verschlüsselt über kryptografische Methoden. Daher heißen Bitcoins und andere digitale Währungen – es gibt inzwischen mehrere hundert Varianten – Kryptowährungen.
  • Libra: Diese digitale Währung will Facebook-Chef Mark Zuckerberg Ende 2020 auf den Weg bringen. Eines der Ziele von Libra: Geldtransfers sollen über Ländergrenzen hinweg schneller und günstiger werden.

Warum digitaler Euro?

EZB-Direktoriumsmitglied Fabio Panetta erläuterte in einem Blogbeitrag: „Die Einführung eines digitalen Euro kann in verschiedenen Szenarien erforderlich sein, etwa wenn die Menschen nicht mehr mit Bargeld zahlen wollen, oder in extremen Situationen wie Naturkatastrophen oder Pandemien, in denen andere herkömmliche Zahlungsdienstleistungen nicht mehr funktionieren.“

In dem Beitrag, der unter anderem auch in den Zeitungen „Die Welt“ und „Le Figaro“ erschienen ist, erklärte Panetta auch: „Ein digitaler Euro würde uns auch davor bewahren, dass staatliche oder privatwirtschaftliche digitale Zahlungsmittel, die aus Ländern außerhalb des Euroraums stammen oder von dort kontrolliert werden, bestehende Zahlungsmittel weitgehend verdrängen.“

Mit einem digitalen Euro könnten …

  • zum Beispiel grenzüberschreitende Zahlungen, die oft Tage dauern, binnen Sekunden getätigt sein.
  • sich finanzielle Geschäftsprozesse von Unternehmen automatisieren und damit beschleunigen lassen.

Bitcoins, Libra – womit punktet der digitale Euro?

„Ein digitaler Zentralbank-Euro hätte einen stabilen Wert, da er den Wert unserer Währung direkt abbildet und auch von der EZB emittiert würde – nur eben rein digital“, sagt Patrick Hansen vom Digitalverband Bitkom in Berlin. Zudem wäre er als allgemeines Zahlungsmittel überall akzeptiert. Damit hätte der digitale Zentralbank-Euro zwei klare Vorteile gegenüber anderen Kryptowährungen.

„Der Bitcoin ist zu hohen Schwankungen unterworfen, als dass er für den Zahlungsverkehr von Individuen und Unternehmen Sinn machen würde“, erklärt Hansen. Zudem akzeptieren die allermeisten Geschäfte und Dienstleister Bitcoins noch nicht als Zahlungsmittel.

Was Libra betrifft: Es ist noch unklar, auf welche Akzeptanz dieses Zahlungsmittel in der Geschäftswelt stoßen wird. Facebook will mit dem Projekt den bargeldlosen Zahlungsverkehr vor allem in Schwellenländern vereinfachen, da es dort keinen flächendeckenden Zugang zum Bankensystem gebe. Kritiker befürchten, dass Libra unter anderem Geldwäsche erleichtern könnte.

Welche Nachteile hätte ein digitaler Euro?

„Noch offen ist zum Beispiel, welche Auswirkungen ein digitaler Euro auf den klassischen Bankensektor haben könnte“, sagt Hansen. So könnte es bei einem digitalen Euro Bürgern möglich sein, Geld direkt bei der EZB zu hinterlegen. Bislang haben diese Möglichkeit nur gewerbliche Kreditgeber wie Banken, Regierungen und andere Zentralbanken.

Manch einer der Experten befürchtet nun, dass in Krisenzeiten Bankkunden ihr Geld von kommerziellen Banken auf die EZB verlagern und so Notlagen verstärken könnten. Diese möglichen Auswirkungen hängen allerdings in erster Linie von der technischen Ausgestaltung eines digitalen Euro ab. 

Ebenfalls noch zu klären: Sind die technischen Infrastrukturen absolut (betrugs-)sicher und können die persönlichen Daten von Nutzern geschützt werden? In Sachen Datenschutz und IT-Sicherheit gibt es noch einige offene Fragen.

Autor: ING