Setzen, 6! Finanzbildung an Schulen erhält schlechtes Zeugnis

Was für den Unterricht gefordert wird – und wo auch Sie Online-Angebote zu Finanzfragen finden

Wissen Sie eigentlich, welche Funktion die Europäische Zentralbank (EZB) hat? Und können Sie auf Anhieb die ungefähre Höhe der Inflationsrate benennen? (Für alle, die sich unsicher sind: die Antworten finden Sie am Ende). Viele Jugendliche und junge Erwachsene sind bei solchen Fragen ratlos. Es hapert bei ihnen oftmals in Sachen Finanzbildung. Was auch die repräsentative Jugendstudie 2021 des Bundesverbands deutscher Banken (BdB) zeigt. Diese ergab unter anderem:

  • 44 % der 14- bis 24-Jährigen können nichts mit dem Begriff Inflationsrate anfangen.
  • Mehr als zwei Drittel (68 %) haben keine oder eine falsche Vorstellung davon, wofür die EZB zuständig ist.
  • Knapp ein Drittel (31 %) kann nicht erklären, was eine Aktie ist.
  • Nur 41 % der 14- bis 24-Jährigen geben an zu wissen, was Investmentfonds sind – aber nur 28 % können richtig erklären, was ein Investmentfonds ist.

Finanzthemen stärker in Schulunterricht einbringen

„Diese Bildungslücken sind alarmierend und zeigen deutlich, dass Wirtschafts- und Finanzthemen einen höheren Stellenwert in den Lehrplänen erhalten müssen“, sagt BdB-Hauptgeschäftsführer Andreas Krautscheid. Für die BdB-Jugendstudie hatte das Meinungsforschungsinstitut Kantar im Zeitraum vom 1. bis 27. Juli dieses Jahres 700 Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 14 bis 24 Jahren befragt.

Was junge Menschen sich zur Finanzbildung wünschen

Auch die jungen Leute selbst sind der Meinung, dass im Schulunterricht stärker Wirtschafts- und Finanzthemen zum Zuge kommen sollten.

  • Zwei Drittel der Befragten geben an, in der Schule wenig über Wirtschaft und Finanzen gelernt zu haben: „So gut wie nichts“, lautet das Urteil von 30 % der Befragten, „nicht so viel“, sagen 38 %. Nur 32 % antworten mit „viel“.
  • 76 % der 14- bis 24-Jährigen wünschen sich, dass die Vermittlung von wirtschaftlichen Zusammenhängen in der Schule einen höheren Stellenwert erhält.
  • 77 % der 14-bis 24-Jährigen treten für ein eigenes Unterrichtsfach Wirtschaft ein.

Informierte Verbraucherinnen und Verbraucher

Schon lange gibt es den Ruf von Experten nach mehr Wissensvermittlung in puncto Wirtschaft und Finanzen an Schulen. „Man muss ja in der Schule nicht gleich über Arbitragegeschäfte, Währungs-Swaps und Wandelanleihen dozieren“, sagt Prof. Michael Heuser, Wissenschaftlicher Direktor des Instituts für Vermögensbildung und Alterssicherung (DIVA).

Das Leitbild finanzieller Allgemeinbildung seien vielmehr mündige, weil informierte Verbraucherinnen und Verbraucher, erklärt er. Also jene, die Grundzusammenhänge überblicken. Die wissen, wann es Zeit für professionellen Rat ist. Und die die Antworten auf Sinnhaftigkeit und Plausibilität überprüfen können.

Junge Menschen wollen Umgang mit Geld lernen

Und was konkret wünschen sich die jungen Befragten der BdB-Jugendstudie für mehr Finanzbildung im Unterricht? Auf die Frage, welche Wirtschafts- und Finanzthemen in der Schule einen höheren Stellenwert bekommen sollten, zeigt sich folgendes Bild:

  • 87 %: Umgang mit Geld
  • 81 %: Möglichkeiten der Altersvorsorge
  • 76 %: Wirtschaftssystem und Rolle der Unternehmen
  • 74 %: Finanzsystem und Rolle der Banken
  • 73 %: Möglichkeiten der Geldanlage

Übrigens: Immer mehr junge Leute legen regelmäßig Geld beiseite. Nach der Jugendstudie liegt der Anteil der regelmäßigen Sparenden bei 60 %. Bei der vorherigen BdB-Erhebung im Jahr 2018 betrug deren Anteil noch 48 %.

Wo sich Angebote außerhalb der Schule finden

Bis deutschlandweit in den Lehrplänen Wirtschafts- und Finanzthemen stärker verankert sind, kann es noch dauern. Vorerst helfen – nicht nur jungen Menschen – diverse Online-Angebote weiter, sich mehr Wissen rund ums Geld anzueignen, zum Beispiel:

Wer sich derart mit Finanzbildung befasst, ist auch bald in der Lage, die Funktion der EZB zu benennen: Sie ist für die Preisstabilität in der Euro-Zone verantwortlich. Und die Höhe der Inflationsrate lag zuletzt (September 2021) bei 4,1 %. Haben Sie es gewusst?