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Vermögen in der Eurozone

Wie sich Covid-19 auf das Finanzvermögen auswirkt

Die Corona-Krise hat auch finanziell Spuren hinterlassen: Im ersten Quartal von 2020 haben die privaten Haushalte in Deutschland in der Summe Milliarden verloren. Diese Verluste sind laut einer Analyse längst aufgeholt.

Der Kurssturz an den Börsen im März 2020 hatte es in sich. Vor allem er war es, der das Geldvermögen der privaten Haushalte in Deutschland im ersten Quartal im Vergleich zum Rekordwert des Vorquartals kräftig schrumpfen ließ – und zwar um 128 Milliarden Euro oder 2,0% auf 6,34 Billionen Euro. Damit kamen die Bundesbürger vergleichsweise glimpflich davon, Menschen in anderen EU-Ländern traf es weitaus härter.
 
Hinweis: Die ING-Studie Unser Geld & COVID-19 analysiert die Entwicklung des Finanzvermögens sowie des Sparverhaltens privater Haushalte in Deutschland und in der Eurozone im ersten Quartal 2020. Dazu wurden durch Barkow Consulting Daten der Deutschen Bundesbank, der Deutschen Börse, der EZB, des statistischen Bundesamts (destatis) und von Eurostat ausgewertet. Der Ausblick für das erste Halbjahr wurde auf Basis der Entwicklung der Kapitalmärkte mit Hilfe statistischer Schätzverfahren ermittelt. Das Finanzvermögen wird dazu in 7 Kategorien unterteilt: Bargeld, Einlagen, Aktien, Anleihen, Fonds, Versicherungen, sonstiges Finanzvermögen. Des Weiteren wird unter Berücksichtigung des Kapitalmarktumfeldes ein Ausblick auf die Entwicklung des Finanzvermögens im zweiten Quartal gegeben. Hierzu werden klassisch deskriptive Methoden der Statistik mit Verfahren des maschinellen Lernens zur Variablenselektion kombiniert, eine Vielzahl von Modellen konstruiert und berechnet. Die finale Modellselektion basiert dann auf der historischen Prognosegüte in Verbindung mit Expertenwissen aus jahrzehntelanger Marktkenntnis. Die analysierten Daten stammen von der Deutschen Bundesbank, der Deutschen Börse, der EZB, dem statistischen Bundesamt (destatis) und von Eurostat.

Der Grund, warum die Deutschen eher gut davon kamen? Weil sie einen vergleichsweise hohen Anteil an Bankeinlagen inklusive Bargeld (41% versus Eurozone mit 35%) und Versicherungen (37% vs. Eurozone 35%) haben, die entweder gar nicht oder nur gering auf Schwankungen des Kapitalmarktes reagieren.

Griechenland war am heftigsten betroffen

Das Finanzvermögen europäischer Sparer hat sich im ersten Vierteljahr kapitalmarktbedingt um 771 Milliarden Euro oder 3,0% gegenüber Dezember 2019 auf 25,1 Billionen Euro reduziert. Das war der mit Abstand höchste Finanzvermögensverlust binnen drei Monaten der vergangenen 20 Jahre. Insgesamt haben Verbraucher aus 16 von 19 Eurozonen-Länder im ersten Vierteljahr Vermögenseinbußen gehabt. Mit minus 11,0% war Griechenland gegenüber dem Vorquartal am heftigsten betroffen, im Wesentlichen wegen überdurchschnittlich hohen Verlusten des Aktienvermögens. Das ergibt folgendes Bild:

  • Griechenland mit minus 11,0%
  • Italien mit minus 5,1%
  • Belgien mit minus 4,4%
  • Finnland mit minus 4,3%
  • Spanien mit minus 4,3%
  • Frankreich mit minus 4,0%
  • Irland mit minus 3,5%
  • Österreich mit minus 2,2%
  • Deutschland mit minus 2,0%
  • Lettland mit minus 1,8%
  • Estland mit minus 1,7%
  • Portugal mit minus 1,4%
  • Luxemburg mit minus 0,9%
  • Slowakei mit minus 0,6%
  • Slowenien mit minus 0,6%
  • Malta mit minus 0,0%

Bewohner von drei Euro-Zonen-Länder konnten indes ihr Vermögen im ersten Vierteljahr im Vergleich zu Dezember 2019 sogar noch steigern, und zwar

  • Litauen mit plus 5,8%
  • Niederlande mit plus 3,3%
  • Zypern mit plus 0,5%

Bargeld und Aktien in der Krise gefragt

Geldanlage in Krisenzeiten – wie gingen die Deutschen in dieser Sache im ersten Quartal von 2020 vor? Auch auf diese Frage liefert die Analyse interessante Antworten:

  • Bargeld: Bargeld als Zahlungsmittel – das war lange Zeit in Deutschland von abnehmender Bedeutung. Doch im ersten Quartal von 2020 hat das Bargeldsparen mit Abstand am meisten zugelegt. Mit einem Rekordvolumen von 20 Milliarden Euro ist mehr als jeder fünfte Spar-Euro, also 22%, im Sparschwein gelandet. Zum Vergleich: Im ersten Quartal von 2019 machte Bargeld nur 5% des Sparvolumens aus. Und: Während bei den Deutschen zu Beginn diesen Jahres das Sparvolumen in Sachen Bargeld bei 22% lag, machte es bei den Bewohnern in der restlichen Euro-Zone nur 7% aus.
  • Aktien: Ebenfalls ein deutliches Plus erzielten Aktien-Investments mit 14 Milliarden Euro oder 15% des Sparvolumens (erstes Quartal 2019: 8% des Sparvolumens). Was also zeigt, dass die Deutschen beim Geldanlegen inzwischen deutlich risikofreudiger waren. Bewohner anderer Länder in der Euro-Zone erteilten indes im ersten Quartal von 2020 Aktien-Investments eine klare Absage: Sie investierten keinen Cent – also 0% – in Aktien.
  • Bankeinlagen: Der große Verlierer des ersten Quartals waren bei Deutschlands Sparer indes Bankeinlagen. Sie konnten mit 5% des Sparvolumens so wenig neues Geld anziehen wie seit 15 Jahren nicht mehr. Im ersten Quartal von 2019 hatte noch der Anteil von Bankeinlagen am Sparvolumen bei 25% gelegen. Ganz anders in der Euro-Zone: Während der Anteil am Sparvolumen in Sachen Bankeinlagen in Deutschland zu Jahresbeginn bei 5% lag, betrug er in der Euro-Zone 57%.
  • Anleihen: Auf wenig Interesse stießen im ersten Quartal von 2020 bei deutschen Anlegern Anleihen. Hier gab es ein Minus am gesamten Sparvolumen von 2%. Im ersten Quartal von 2019 wurde in Sachen Anleihen noch ein Plus von 1% am Sparvolumen verzeichnet. Auch in der Euro-Zone sind Anleihen bei Sparern alles andere als beliebt. Hier sank der Anteil am Sparvolumen um 12%.
  • Fonds: 8% des Sparvolumens machte hierzulande im ersten Quartal von 2020 das Fondssparen auf – im Vergleichszeitraum des Vorjahres waren es 5%. Ein Zuwachs also von 3 Prozentpunkten. Und in der Euro-Zone? Dort lag das Fondssparen im ersten Vierteljahr dieses Jahres bei 11% des Sparvolumens.
  • Versicherungen: Sparer in Deutschland steckten zu Jahresbeginn mehr Geld in Versicherungen – auf 26% beläuft sich hier der Anteil am Sparvolumen gegenüber 23% zu Beginn des Jahres 2019. In der Euro-Zone betrug indes Anfang 2020 der Anteil an Versicherungen am Sparvolumen 24%.
Autor: ING