Geldanlage 2020

Diese Themen sollten Anleger dieses Jahr im Auge behalten

Internationale Handelskriege, die Niedrigzinspolitik der Notenbanken oder der Brexit – auch dieses Jahr wird ein spannendes werden. Das dürfte auch Anleger interessieren. Worauf sich diese einstellen können.

Wie schon in 2019 schwelen dieses Jahr weltweit einige Brandherde, die sich auch auf den Kapitalmarkt auswirken können. Zur Bewertung von Kurspotenzialen sollten Anleger die politischen und unternehmerischen Entwicklungen rund um den Globus daher im Blick behalten. Zum Jahresauftakt geben wir Ihnen einen Ausblick, was die Finanzmärkte 2020 bewegen könnte.

Schwächeres Wirtschaftswachstum weltweit

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) rechnet insgesamt für 2020 global mit dem schwächsten Wachstum seit der Finanzkrise. Diese Erwartung spiegelt sich auch im Herbstgutachten der Europäischen Kommission wider, die ihre Prognose für fast alle Eurozonen-Länder gegenüber ihrem Sommer-Gutachten reduziert hat.

Die Brüsseler Behörde geht nun davon aus, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) des Euroraums 2020 um 1,2 % wachsen wird. Im Sommer hatte die Kommission noch ein Wachstum um 1,4 % erwartet. Die Unsicherheit sei hoch und Europa gehe schwierigeren Zeiten entgegen, begründete die Kommission ihre Revision. Der europäischen Wirtschaft könnte eine längere Phase mit gedämpftem Wachstum und geringer Inflation bevorstehen.

Machtspiele zwischen den USA und China

Der bevorstehende „Phase One Deal“ im Zoll- und Handelsstreit zwischen den USA und China wurde von den Märkten wohlwollend aufgenommen, zumal er einige bestehende Zollsätze reduziert und das angekündigte Inkrafttreten weiterer Zölle aussetzt. Weitergehende Themen wie indirekte Subventionen, der Schutz geistigen Eigentums oder Chinas Ambitionen im Technologiesektor sind jedoch Gegenstand weiterer Verhandlungen. Bleibt eine umfassende Einigung aus bzw. weitet sich der Handelskonflikt auf andere Regionen aus, dürfte dies das Wachstum der Volkswirtschaften rund um den Globus weiter belasten und Rezessionsängste voraussichtlich wieder verstärken. Eine weitere Konjunktureintrübung in China sollte sich ebenfalls wachstumshemmend auswirken.

Trump kündigte bereits Verhandlungen für einen „Phase Two Deal“ an. Ein Abkommen mit China wird jedoch nicht mehr vor der US-Präsidentschaftswahl im November erwartet. Eine mögliche Amtsenthebung Trumps könnte für neue Verunsicherung sorgen und zur Folge haben, dass Unternehmen Investitionen zurückhalten.

No-Deal-Brexit scheint vom Tisch – wie geht es weiter?

Das Thema Brexit wird die Märkte auch im Jahre 2020 beschäftigen. Mit Boris Johnsons klarer Mehrheit nach den Parlamentswahlen im Dezember erscheint eine Annahme des ausgehandelten Brexit-Abkommens nunmehr fast sicher; ein ungeregelter Austritt dürfte vom Tisch sein. An den voraussichtlich zu Ende Januar vollzogenen Brexit wird sich eine Übergangsphase anschließen, in der die Handelsbeziehungen zwischen der EU und Großbritannien zunächst unverändert bleiben.

Diese Phase endet jedoch mit Ablauf des Jahres 2020 – und die Verhandlungen über die künftige Ausgestaltung der Beziehungen haben noch nicht einmal begonnen. Elf Monate werden allgemein als ein extrem knapper Zeitrahmen für derartige Verhandlungen angesehen. Die Übergangsfrist kann um zwei Jahre verlängert werden; dies wäre jedoch mit weiteren britischen Zahlungen ins EU-Budget verbunden und wird von der Regierung um Boris Johnson bislang vehement abgelehnt.

Ein Auslaufen der Übergangsfrist ohne Handelsabkommen brächte für Unternehmen dies- und jenseits des Ärmelkanals große Unsicherheiten mit sich und würde das Wachstum Großbritanniens beeinträchtigen. Die Gefahr eines „No Deal Brexit“ ist der Gefahr eines „No Trade Deal Brexit“ gewichen.

Kein Ende der Niedrigzinsen in Sicht

Hatten die Notenbanken im vergangenen Jahr mit ihrer Kehrtwende zu einer lockeren Geldpolitik und Zinssenkungen sowohl im Euroraum als auch in den USA die Börsenkurse noch befeuert, geht ihnen nun langsam das geldpolitische Pulver aus. US-Notenbankchef Jerome Powell erklärte zuletzt allerdings, dass weitere Zinssenkungen notwendig sein könnten, sollte die US-Wirtschaft zur Schwäche neigen.

Mit Zinserhöhungen rechnet kaum ein Marktteilnehmer im Jahr der Fußball-Europameisterschaft und Olympischen Sommerspiele in Tokio – weder in den USA noch im Euroraum. Die neue Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB), Christine Lagarde, will die ultralockere Geldpolitik ihres Vorgängers Mario Draghi fortführen und mit rekordtiefen Leitzinsen und neuen Anleihekäufen die Konjunktur im Euroraum stärken. Außerdem soll die Politik nun mit verstärkten Investitionen in die Digitalisierung zusätzliche Wachstumsimpulse liefern.

Angesichts der Mini- bis Minuszinsen bleiben Aktien attraktiv. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis des Deutschen Aktienindex (Dax-KGV) stieg zum Jahresende zwar auf 15,8. In den vergangenen 30 Jahren lag es mit durchschnittlich 19 aber noch deutlich höher, was für eine derzeit günstige Bewertung deutscher Aktien spricht. Das KGV gibt an, ob und ab wann sich der Kauf von Aktien rentiert. Je niedriger das KGV, desto günstiger eine Aktie.

Die Aussicht auf ein anhaltendes Zinstief dürfte zudem bei Immobilienanlagen für Preisauftrieb sorgen. Gold mit seinem Ruf als „sicherer Hafen“ sollte ebenfalls von den schwachen globalen Wachstumsaussichten und der Aussicht anhaltender Niedrigzinsen profitieren. 2019 legte der Goldpreis bereits deutlich zu.

Sehr langsamer Aufwärtstrend erkennbar

Deutschland steht angesichts der schwächeren Weltwirtschaft, der internationalen Handelskonflikte und des anstehenden Brexits an der Schwelle eines neuen herausfordernden Jahrzehnts, erklärten unlängst die fünf „Wirtschaftsweisen“, die jährlich der Bundesregierung einen umfassenden Bericht zur wirtschaftlichen Entwicklung Deutschlands vorlegen. Bislang blieb hierzulande die befürchtete Rezession aus, das Risiko bleibt aber bestehen. Der Sachverständigenrat rechnet frühestens im Jahresverlauf mit einer Belebung. Frühindikatoren wie der ifo-Geschäftsklimaindex deuten bereits darauf hin, dass die Talsohle durchschritten ist.

Die Bundesregierung revidierte insbesondere aufgrund des schwächeren Welthandels ihre Konjunkturprognose für 2020 deutlich nach unten und erwartet nun nur noch ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 1 %. Die fünf Wirtschaftsweisen rechnen mit einem BIP-Wachstum von 0,9 %. Allein 0,4 Punkte davon sind allerdings auf mehr Arbeitstage im Kalender zurückzuführen, da anders als in 2019 viele Feiertage auf ein Wochenende fallen.

Green Deal im Fokus

Ein Potenzial für europaweite Wachstumsimpulse könnte auch das geplante Klimaschutzprogramm der neuen EU-Kommission entfalten. Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen will Europa mit einem „Green Deal“ zum ersten klimaneutralen Kontinent der Welt machen. Nicht China, sondern Europa soll die Technik und das Wissen dafür exportieren. Im Frühjahr sollen die Pläne in Gesetzesform gegossen werden. Die EU will 2020 verbindlich festlegen, welche Investments als nachhaltig gelten, und damit Privatkunden wie Profi-Investoren eine Orientierungshilfe für ihre Anlageentscheidungen geben.

Autor: ING
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