Hehlerware

Was passiert, wenn ich unwissentlich gestohlene Waren gekauft habe?

Was für ein Angebot! Da ist das gerade auf den Markt gekommene Tablet eines Markenherstellers für einen sagenhaft günstigen Preis zu haben. Der Leser der Kleinanzeige überlegt nicht lange und kontaktiert den Anbieter, beide Seiten werden sich einig. Kurze Zeit später das böse Erwachen: Die Polizei meldet sich. Sie war einer Bande von Einbrechern auf die Spur gekommen. Weil diese umfassend aussagten, stießen die Ermittler auch auf den Tablet-Käufer - der aus allen Wolken fiel. Und nun?

Was passiert, wenn ich unwissentlich gestohlene Ware gekauft habe? Das ist diesmal unsere Finanzfrage des Monats. Die Antwort lautet: Der Käufer muss die Ware wieder an seinen rechtmäßigen Eigentümer zurückgeben. Der Schnäppchenjäger geht erst einmal leer aus.

Ein Blick ins BGB

Wer gestohlene Sachen kauft, wird grundsätzlich nicht deren rechtmäßiger Eigentümer. Das ist in Paragraph 935 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) geregelt. Gleiches gilt demnach auch für verloren gegangene oder ansonsten abhanden gekommene Gegenstände. Diejenigen, die etwas auf der Straße finden und es zum Beispiel in einem Internetauktionshaus zum Verkauf anbieten, können dem Käufer nicht zu neuem Eigentum verhelfen.

Was in den Gesetzen sonst noch steht

Egal, ob An- oder Verkauf von gestohlener Ware: Die sogenannte Hehlerei kann strafbar sein. Laut Paragraph 259 des Strafgesetzbuches (StGB) wird derjenige bestraft, der Sachen, die anderen gestohlen wurden,

  • ankauft,
  • sich verschafft
  • sie absetzt oder
  • sie absetzen hilft.

Die Hehlerei wird mit einer Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit einer Geldstrafe geahndet. Diejenigen, die gewerbsmäßig hehlen oder zu einer Diebesbande gehören, müssen mit einer Freiheitsstrafe von bis zu zehn Jahren rechnen.

Gestohlene Ware gekauft – und jetzt?

Um beim Fall des Kaufs des gestohlenen Tablets zu bleiben: „Der ursprüngliche Eigentümer ist und bleibt rechtmäßiger Eigentümer“, stellt der Berliner Rechtsanwalt Roosbeh Karimi klar. Er kann vom Käufer verlangen, dass er das Tablet wieder herausgibt. Den Kaufpreis muss er dem Käufer der Hehlerware dabei selbstredend nicht zahlen. Will dieser sein Geld zurück, muss er sich an seinen Vertragspartner halten: Der Verkäufer muss den Kaufpreis erstatten. Außerdem drohen ihm strafrechtliche Konsequenzen – „mit solchen Folgen muss der Tablet-Käufer nicht rechnen, da er nicht wusste, dass die Ware gestohlen war“, sagt Karimi.

  • Achtung: Der Käufer kann sich gegebenenfalls schadensersatzpflichtig machen, und zwar ab dem Zeitpunkt, an dem er erfährt, dass die gekaufte Ware gestohlen war. „Er haftet dann für an der Ware verursachte Schäden“, so Karimi.

Wann einem Käufer Hehlerei vorgeworfen werden kann

Anders sieht es aus, wenn der Käufer nach dem Kauf erfährt, dass die erworbene Ware gestohlen war und sie dann schnell weiterverkaufen will – um sich selbst keine weiteren Nachteile einzuhandeln. In dem Fall muss sich der Käufer, falls er auffliegt, wegen Hehlerei verantworten.

Auch bei sensationell billigen Schnäppchen kann ein allzu gutgläubiger Käufer im Einzelfall doch wegen Hehlerei belangt werden. So jedenfalls urteilte das Landgericht Karlsruhe (Az: 18 AK 136/07). Insofern heißt es auch für Käufer: Kritisch sein beim Shoppen!

Wie sich Verbraucher beim Schnäppchen-Kauf wappnen können

Ob nun Fahrräder, Laptops oder Baumaschinen – viele Dinge werden im Internet, über Inserate oder in Läden mit teils enormen Preisabschlägen angeboten. Die Stiftung Warentest empfiehlt, Waren vor dem Kauf mithilfe von Online-Datenbanken zu prüfen.

  • Wer beispielsweise auf Nummer sicher gehen will, kein gestohlenes Fahrrad zu kaufen, kann die Rahmennummer in diese Datenbank eingeben. Die Daten werden dort von den rechtmäßigen Eigentümern eingetragen, die oft auch einen Finderlohn in Aussicht stellen. Ein seriöser Verkäufer dürfte nichts dagegen haben, wenn ein Kaufwilliger ihn nach der Rahmennummer des Rads fragt und dann Internet-Recherchen betreibt.
  • Daneben gibt es etwa eine Datenbank für gestohlene Fahrzeuge, stolencars24. Dort können Sie die Fahrgestellnummer eintragen, um zu prüfen, ob ein Fahrzeug als gestohlen gemeldet wurde.
  • Überprüfen Sie vor dem Kauf eines Handys oder Smartphones die IMEI- und/oder die Seriennummer des Geräts – und zwar hier.

Übrigens: Sie möchten gestohlene Wertgegenstände wiederfinden? Vielleicht werden Sie ja auf der Datenbank securius des Bundeskriminalamtes (BKA) fündig.

Autor: ING
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