Gutschein oder Rückerstattung

Das ist bei abgesagten Reisen und Co. zu beachten

Ob Reisen oder Veranstaltungen: Viele Pläne sind durch die Corona-Krise geplatzt. Wie es aktuell mit Erstattungen aussieht, haben wir für Sie zusammengefasst.

Die lang ersehnte Pauschalreise ist abgesagt, das Konzert verschoben und die vor Monaten gebuchten Flüge ganz gestrichen – die Corona-Krise stellt viele Pläne auf den Kopf. Die Folge: Viele Verbraucher fragen sich, ob und wie sie ihr Geld zurück bekommen. Die aktuelle Rechtslage im Überblick.

Gutschein statt Erstattung: Aktuelle Debatte

Weil viele Branchen in der Corona-Krise um ihre Existenz kämpfen, ist eine Debatte um das Thema Gutscheine statt Geld entfacht. Verbraucher könnten künftig Gutscheine statt Kostenerstattungen erhalten dürfen, um Fluggesellschaften und Reiseveranstalter finanziell zu entlasten. Das Corona-Kabinett hatte sich am 2. April dafür ausgesprochen, dass Verbraucher kein Geld mehr zurückbekommen, wenn Flüge, Reisen, Fußballspiele und Konzerte abgesagt werden, sondern nur noch Gutscheine. Diese Entscheidung muss jedoch noch von der EU-Kommission bestätigt werden. Wann mit einer finalen Entscheidung zu rechnen ist, steht derzeit nicht fest. Verbraucherschützer sehen dieses Vorhaben kritisch: „Gutscheine sind unfair, diese staatlich abzusichern aufwändig“, twitterte beispielsweise die Mobilitätsexpertin des Verbraucherzentrale Bundesverbands Marion Jungbluth.

Das gilt bei Veranstaltungen

Die ganze Welt befindet sich im Ausnahmezustand und will die Verbreitung des Coronavirus so gut wie möglich eindämmen. Deshalb werden derzeit auch viele Veranstaltungen verschoben, oder sogar ganz abgesagt. Welche Rechte haben hier Betroffene? Parsya Baschiri von der Verbraucherzentrale Bremen erklärt, was Verbraucher dazu wissen müssen:

  • Wird eine Veranstaltung an einem bestimmten Termin abgesagt, können Verbraucher ihr Geld zurückverlangen. Denn: Der Veranstalter kommt in solchen Fällen seiner Leistungspflicht nicht nach. Gutscheine müssen Verbraucher hier nicht akzeptieren. Doch Stiftung Warentest weist darauf hin, dass vor allem kleine Theater und Konzerthäuser ihre Kunden darum bitten, statt des Geldes auch Gutscheine anzunehmen. Schließlich stehen viele Unternehmen gerade vor existenziellen Herausforderungen.
  • Wird die Veranstaltung verschoben, kommt es darauf an: „Steht auf der Karte ein festes Datum, müssen Betroffene sich auf die Verschiebung nicht einlassen“, sagt der Verbraucherschützer. Gilt das Ticket allerdings für einen Zeitraum oder ist an keinen festen Termin gebunden, können Ticketinhaber den Eintrittspreis nicht einfach so zurückfordern.
  • Das gilt auch, wenn sie ihr Ticket aus Angst vor dem Virus zurückgeben wollen: „In diesem Fall haben Verbraucher keinen Anspruch auf Rückerstattung“, erklärt Baschiri. Hier kommt es auf die Kulanz des Veranstalters an.
  • Bei Dauerkarten, etwa für Fußballspiele, sieht es etwas komplizierter aus: Zwar können Inhaber die Karte laut Baschiri nicht einfach stornieren, jedoch den Preis für abgesagte Veranstaltungen anteilig zurückerstatten lassen. Am besten wenden sich Verbraucher in solchen Fällen direkt an den Veranstalter.

Achtung: Wer Tickets kaufen und dafür eine Ticketversicherung abschließen möchte, sollte vorher genau in die Versicherungsbedingungen schauen. „Wir haben vereinzelt Erfahrungen gemacht, dass Versicherungsanbieter den Coronavirus bereits in ihre Ausschlussgründe reinformuliert haben“, warnt der Verbraucherschützer.

Das gilt bei Reisen

Um ein Schnäppchen zu ergattern, buchen viele Urlauber ihre Reise schon weit im Voraus. Der Nachteil: Unvorhergesehene Ereignisse, wie die Corona-Krise, können die Pläne durchkreuzen. Doch wie wird Reisenden bereits gezahltes Geld erstattet? Die Stiftung Warentest gibt auf ihrer Seite Antworten:

  • Die Reisebranche fürchtet um ihre Existenz, deshalb bieten einige Reiseveranstalter womöglich einen Gutschein bzw. einen anderen Reisetermin an. Müssen Touristen das akzeptieren? Die Warentester geben eine eindeutige Antwort: Nein.
  • Wichtig für die kostenlose Stornierung sei allerdings, dass am Urlaubsort oder in unmittelbarer Nähe „unvermeidbare und außergewöhnliche Umstände“ auftreten. Heißt: Hat das Auswärtige Amt etwa eine Reisewarnung gegeben, können Verbraucher die kurz bevorstehende Reise kostenlos stornieren.
  • Wer sich auf einen Gutschein eingelassen hat, fragt sich nun: Was, wenn der Anbieter in der Zwischenzeit pleitegeht? Das bereits gezahlte Geld bekommen Touristen trotz Insolvenz zurück, wenn sie eine Pauschalreise gebucht haben, die auf einen späteren Zeitraum verschoben wurde, erklärt die Stiftung Warentest. Wer aber nur ein Hotel oder einen Flug über einen Reiseanbieter gebucht hat, geht womöglich im Insolvenzfall leer aus.

Übrigens: Auch Reiserücktrittsversicherungen greifen bei Corona oft nicht. Darauf weist die Verbraucherzentrale hin. Das gelte sogar für Reisende, die selbst an Corona erkrankt sind. Denn: Die WHO hat Corona als Pandemie eingestuft und viele Versicherer haben Klauseln, die „Schäden, Erkrankungen und Tod infolge von Pandemien" von der Versicherung ausschließen.

Das gilt bei Flügen

Die Corona-Krise trifft den Luftverkehr besonders hart. Einer Schätzung des Weltverbandes IATA zufolge, kann es in diesem Jahr einen Umsatzrückgang von bis zu 252 Milliarden US-Dollar geben. Das wäre fast die Hälfte (44 Prozent) des Umsatzes aus dem Jahr 2019. Um ihre Kunden von einer Erstattung des bereits gezahlten Geldes abzuhalten, haben sich einige Fluggesellschaften etwas überlegt: Sie gewähren unter anderem verlängerte Fristen für Umbuchungen. Lufthansa bietet sogar einen Bonus an: Wer seine Flüge mit Abflugdatum bis 31. Dezember 2020 umbucht, erhält einen Rabatt von bis zu 50 Euro auf den Ticketpreis.

Gut zu wissen: Wer seinen Flug nicht antritt hat das Recht, Steuern und Flughafengebühren von der Airline erstattet zu bekommen. Diese muss die Airline nämlich erst entrichten, wenn Reisende den Flug auch antreten. Grundlage hierfür sind §648 Satz 2 im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) sowie ein Urteil des BGH (Az. X ZR 25/17). Oft machen die Steuern und Gebühren einen großen Teil der gesamten Kosten aus.

Es obliegt aktuell jedem Verbraucher selbst, ob er einen Gutschein akzeptiert oder nicht – das ist natürlich auch von der finanziellen Situation abhängig. Ist es finanziell machbar, hilft es besonders auch kleinen Unternehmen und Institutionen, die Krise zu überstehen

Autor: ING