Halbleiter-Produzenten: Aktien unter Strom

Die Chip-Branche dürfte vor weiteren Jahren mit kräftigem Wachstum stehen

Eine Analyse des DUP UNTERNEHMER-Magazins, Kai Makus | Werbemitteilung

Die Halbleiterbranche steht vor einem Wachstumsjahrzehnt – so lautet die Einschätzung der Unternehmensberatung McKinsey. Deren Forscher sagen, dass die Umsätze in diesem Bereich – ausgehend von einem Marktvolumen von 600 Milliarden US-Dollar im Jahr 2021 – bis zum Jahr 2030 um jährlich sechs bis acht Prozent steigen dürften. Damit wäre in acht Jahren die magische Marke von einer Billion Dollar durchbrochen.

Allerdings gibt es derzeit einige kräftige Fragezeichen hinter dieser Prognose. An dieser Stelle ist darauf hinzuweisen, dass Prognosen keine verlässlichen Indikatoren für die künftige Wertentwicklung darstellen. McKinsey schränkt denn auch ein: „Vorausgesetzt, die Gesamtwirtschaft bleibt trotz veränderter Rahmenbedingungen, wie zum Beispiel höherer Inflation, grundsätzlich auf einem stabilen Wachstumspfad.“ Und aktuell schwächelt der Trend, denn Halbleiter-Aktien gelten als zyklische Titel. Ökonomische Verwerfungen bremsen das Wachstum; in der Folge rechnen Marktteilnehmer mit einer sinkenden Nachfrage ab dem Jahr 2023. Die Lockdowns in China, der Ukraine-Krieg, hohe Inflationsraten und daraus resultierende höhere Zinsen sowie entstehende Überkapazitäten sorgen für kalte Füße bei vielen Börsianerinnen und Börsianern. Das ist der Grund für die seit Monaten sinkenden Aktienkurse.

Immer mehr neue Fabriken

Aber ist die Situation wirklich so angespannt? Fest steht: Die Auftragsbücher der Halbleiterhersteller sind bis weit ins nächste Jahr gefüllt. Vor allem auf Chips älterer Bauart müssen die Produzenten von Autos und Haushaltsgeräten, von Unterhaltungselektronik oder Mobiltelefonen mittlerweile lange warten. Deshalb investieren aktuell viele Konzerne in Halbleiter-Fabriken. Die ersten dieser neuen Werke dürften 2023 in Betrieb gehen – und dann aufgrund eines hohen Produktionsausstoßes für fallende Preise sorgen. Dennoch: Megatrends wie Künstliche Intelligenz, Autonomes Fahren, Internet der Dinge oder Metaverse sollten nach Prognosen von Marktbeobachtern zu einer steigenden Nachfrage führen. 

Dabei wissen viele Menschen gar nicht, was sich hinter dem so häufig verwendeten Begriff Halbleiter überhaupt verbirgt. Üblicherweise leiten Stoffe elektrischen Strom oder sie leiten ihn nicht. Halbleiter dagegen können mit Hilfe einer elektrischen Spannung dazu gebracht werden, Strom zu leiten oder zu blockieren. Als elektronische Torwächter sind diese winzigen Schalter die wichtigsten Elemente beim Bau von Transistoren, die wiederum die weitaus wichtigsten Bestandteile elektronischer Schaltungen und somit von Chips sind. Noch werden die meisten Halbleiter aus Silizium gefertigt, doch die Industrie, die viel Geld in Forschung und Entwicklung steckt, arbeitet intensiv an Materialien, mit denen höhere Leitfähigkeit, schnellere Reaktionen und kleinere Transistoren realisierbar sind.

Immer kleiner, immer schneller

Mittlerweile können fertige Chips so winzig sein, dass sie gigantische Rechenleistung auf kleiner Fläche versammeln. Ein Beispiel: Der Grafik-Chip GV100 von Nvidia etwa bringt es auf 21,1 Milliarden Transistoren auf einer Fläche von 815 Quadratmillimetern, das entspricht etwa der Hälfte einer modernen Briefmarke.

Welche Unternehmen sind grundsätzlich für Anlegende interessant? Neben dem deutschen Wert Infineon sind das vor allem die großen amerikanischen Konzerne, mit denen sich Anlegerinnen und Anleger jedoch auch ein Währungsrisiko ins Depot holen. Dennoch: AMD, Nvidia, Qualcomm, Texas Instruments und der Chip-Wert schlechthin, Intel, sind aufgrund ihrer Marktmacht und ihrer Erfahrung potenzielle Kandidaten für viele Portfolios. Wer sich für einen der Titel eingehender interessiert, sollte sich selbst ein Bild vom jeweiligen Geschäftsmodell machen. Es gilt: Nach dem Kursrutsch seit Jahresbeginn sind die Aktien günstiger bewertet und könnten wieder Luft nach oben haben – eine Garantie für steigende Kurse gibt es aufgrund der unsicheren Rahmenbedingungen jedoch nicht. Immerhin: Trotz der etwas angespannteren Situation zeigen sich die Konzerne finanziell solide aufgestellt und generieren stabile Cashflows.

Infineon mit guten Aussichten

Nahezu mustergültig macht Infineon die Bewegungen der Branche mit – schlecht für Aktionärinnen und Aktionäre. Die Notierungen erreichten vor gut einem halben Jahr Rekordhöhen, mittlerweile ist der Kurs um rund 45 Prozent abgerutscht. Zugleich jedoch spricht Infineon-Produktionsvorstand Rutger Wijburg von „rasantem Wachstum“ und erklärt: „Strukturelle Überkapazitäten sind nicht zu erwarten. Denn es gibt kaum noch eine Innovation, die ohne Halbleiter auskommt.“ Das sieht Analystin Tammy Qiu von der Privatbank Berenberg ähnlich; sie rechnet mit einer ungebrochen starken Nachfrage aus der Automobilfertigung und sieht Infineon zudem im Industriegeschäft gut positioniert. Verhaltener bewertet Janardan Menon vom Analysehaus Jefferies die Situation. Er rechnet zwar damit, dass 30 bis 40 Prozent der Erlöse – und damit mehr als bei Wettbewerbern – „widerstandsfähig“ seien, dennoch könnten die Gewinne 2023 etwas sinken.

Die Branche scheint zukunftsträchtig und zugleich spannend zu bleiben. Beruhigend ist der Blick nach Taiwan: Dort haben sich die Anteilseignerinnen und Anteilseigner des bedeutenden Chip-Auftragsfertigers TSMC kürzlich zur Hauptversammlung getroffen. Und sie durften sich über ein voraussichtliches Umsatzplus von 30 Prozent in diesem Jahr freuen – deutlich mehr, als bislang prognostiziert.

Investment-Beispiele Aktien:

Name Aktueller Kurs KGV*(2022) Gewinn/Aktie (2022**) Dividende (2022**) Dividendenrendite (2022**)
AMD*** 74,04 € 26,8 3,04 €

0,00 €

0,0 %

Infineon**** 23,85 € 16,7 1,46 €

0,33 €

1,4 %
Intel

35,58 €

9,9

3,69 €

1,37 € 3,8 %
Nvidia 148,56 € 43,8

3,64 €

0,15 € 0,1 %
Qualcomm**** 123,56 €

11,6

10,35 € 2,64 € 2,2 %
Texas Instruments 146,20 € 17,5 8,42 € 4,42 € 3,0 %

*KGV: Kurs-Gewinn-Verhältnis; ** Prognose; *** Geschäftsjahresende 25.12.; **** Geschäftsjahresende 30.9.; Fremdwährungen umgerechnet in Euro; Stand: 30.6.2022

Autor: Kai Makus
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