Jahresrückblick 2020

So prägt Corona Wirtschaft und Märkte

Das nahende Ende eines Jahres bietet Gelegenheit, zurückzublicken auf wichtige Ereignisse, die seinen Verlauf prägten und auch künftige Entwicklungen beeinflussen können. 2020 ist dies ohne Zweifel die Corona-Pandemie.

Schien der Ausbruch des Corona-Virus zu Jahresbeginn noch ein Problem, das auf China begrenzt ist, änderten weltweit emporschnellende Infektionszahlen alsbald diese Einschätzung. Um die an ihre Grenzen geratenen Gesundheitssysteme vor dem Zusammenbruch zu bewahren, wurde das öffentliche Leben im Frühjahr in weiten Teilen der Welt komplett heruntergefahren.

Globale Lieferketten in der Pandemie anfällig

Die Lockdowns halfen dabei, das Infektionsgeschehen nach mehreren Monaten in den Griff zu bekommen. Zugleich offenbarten sie die Anfälligkeit der Wirtschaft für Störungen in den globalen Lieferketten. Durch die zwangsweise Schließung von Werken in China kam es relativ rasch zu Nachschubproblemen und Produktionseinschränkungen in anderen Regionen, beispielsweise bei den Automobilherstellern in Europa. Auch in der Pharmaindustrie offenbarte sich die hohe Abhängigkeit von Zulieferern aus Asien.

Vonseiten der Politik wurde daraufhin das Ziel ausgegeben, Teile der Produktion zurück nach Europa zu verlagern, um in künftigen Krisen und Pandemie-Lagen weniger anfällig zu sein. Im Zuge der Anpassung bestehender Lieferketten wird dort, wo es möglich ist, auch auf neue Techniken wie den 3-D-Druck gesetzt. Dies ermöglicht es Zulieferern, Baupläne digital zu übermitteln und Auftraggebern die für die Produktion benötigten Teile ohne Zeitverzug direkt vor Ort herzustellen.

Hilfsmaßnahmen stützen Wirtschaft und Märkte

Für die Volkswirtschaften rund um den Globus brachte der mehrwöchige Stillstand starke Einbrüche der Wirtschaftsleistung mit sich. Waren die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die deutsche Wirtschaft im ersten Quartal 2020 mit einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 2,2 % gegenüber zum Vorquartal noch begrenzt, änderte sich dies im zweiten Quartal. Hier zeigte sich das ganze Ausmaß der negativen Pandemieauswirkungen: Von April bis Juni brach das deutsche BIP um 9,7 % im Vergleich zum Vorquartal ein. Für das dritte Quartal wies das Statistische Bundesamt dann ein Wachstum von 8,2 % gegenüber dem Vorquartal aus. Daran haben neben den Lockerungen in den Sommermonaten auch die von der Bundesregierung beschlossenen milliardenschweren Hilfsmaßnahmen einen Anteil.

Finanzmärkte erholen sich schnell vom Corona-Schock

Die Aktienmärkte reagierten auf die Pandemie und den sich abzeichnenden Stillstand der Weltwirtschaft mit einem Crash. So verlor allein der DAX im Anschluss an sein Mitte Februar markiertes Rekordhoch bei 13.795 Punkten in nur vier Wochen rund 40 % an Wert. Doch die umfangreichen Stützungsmaßnahmen vieler Staaten sowie der großen Zentralbanken zeigten Wirkung und verhalfen den Märkten zu einer starken Erholung. Das US-Technologiebarometer NASDAQ 100 überwand schon im Juni 2020 das vor dem Corona-Crash markierte Rekordhoch.

In den USA senkte die Fed Anfang März die Leitzinsen in zwei Schritten von 1,50 % bis 1,75 % auf 0,00 % bis 0,25 %. Darüber hinaus verkündetet Fed-Chef Jerome Powell einen Strategiewechsel: Die US-Notenbank wird ihr Inflationsziel flexibler handhaben. Danach kann die Preissteigerung künftig für längere Zeit über dem Fed-Ziel von 2,00 % liegen, wenn sie sich zuvor für einen längeren Zeitraum darunter bewegt hat. In den USA wird das Niedrigzinsumfeld damit noch eine ganze Weile andauern, Powell zufolge voraussichtlich bis mindestens 2023.

Die EZB weitete im Zuge der Corona-Pandemie ihre bestehenden Anleihekäufe mit dem Pandemic Emergency Purchase Programme (PEPP) aus. Insgesamt erhöhte sich das Volumen der Anleihekäufe auf über 1 Billion Euro. Ökonomen rechnen zudem damit, dass die EZB bei ihrem Inflationsziel („unter aber nahe 2,0 %“) dem Beispiel der Fed folgt. Das Niedrigzinsumfeld wird somit auch im Euroraum weiter Bestand haben.

Nach der US-Wahl: Erfüllen sich die Hoffnungen?

Von Corona geprägt war auch die Präsidentschaftswahl in den USA. Zwar blieb ein erdrutschartiger Sieg der Demokraten aus. Dennoch steht mit Joe Biden inzwischen der Kandidat der Demokraten als gewählter Präsident fest. Daran werden auch die vom noch amtierenden US-Präsidenten Donald Trump eingereichten Klagen nichts ändern.

Mit dem Amtsantritt Bidens dürfte sich in den kommenden Jahren der Fokus der Investoren auf Unternehmen aus den Bereichen Erneuerbare Energie und Infrastruktur richten. Denn ebenso wie die EU mit ihrem „Green Deal“ will auch Biden die Wirtschaft der USA auf ein nachhaltiges Fundament stellen und bis Mitte dieses Jahrhunderts die Klimaneutralität erreichen. Ob sich in Sachen Handelskonflikt die Wogen zwischen den USA und der EU glätten lassen, muss sich indes noch zeigen. Zwar droht unter Biden voraussichtlich keine neue Eskalationsrunde bei den Strafzöllen. Gleichwohl will auch Biden in erster Linie die US-Wirtschaft stärken und warb im Wahlkampf mit dem Slogan „Buy American“.

Die größten Hoffnungen für 2021 ruhen jedoch auf wirksamen Impfstoffen zum Schutz vor COVID-19. Bis diese in ausreichender Menge zur Verfügung stehen und eine weitreichende Immunisierung – sofern möglich – erreicht wurde, werden allerdings noch mehrere Monate vergehen. Doch an der Börse wird bekanntermaßen die Zukunft gehandelt. Und so ließ sich am Aktienmarkt mit den ersten Meldungen von einer nahenden Impfstoffzulassung ein Favoritenwechsel beobachten. Aktien von Firmen, deren Dienstleistungen in der Corona-Pandemie besonders gefragt waren, wurden verstärkt verkauft, während Anteilsscheine von Unternehmen mit einem zyklischen Geschäftsmodell gefragt waren. Da Ökonomen für 2021 eine signifikante Erholung der Weltwirtschaft prognostizieren, kann es aus Anlegersicht interessant sein, Unternehmen aus Bereichen wie der Industrie und Chemie, die von einer Besserung der konjunkturellen Lage profitieren, im Blick zu behalten.

Autor: ING
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