Lastenrad – eine Alternative zum Auto?

5 Tipps zur nachhaltigen Fortbewegung

Knappe Parkplätze, steigende Spritpreise und vielleicht auch einfach der Wunsch, sich nachhaltiger fortzubewegen: Gründe für den Umstieg auf ein Lastenrad gibt es viele. Aber was gilt es zu beachten?

Vom Baby bis zum Greis: In Deutschland kommt auf fast jeden Einwohner ein Fahrrad. 75 Millionen Drahtesel bewegen die Menschen in diesem Land nachhaltig und emissionsfrei. Immer häufiger lassen sie sich dabei elektronisch unterstützen. Fast 5 Millionen E-Bikes sind auf Deutschlands Straßen unterwegs – mittlerweile hat jedes 4. verkaufte Fahrrad einen Akku. 4% der Verkäufe entfallen mittlerweile auf Lastenräder. Was macht sie so interessant?

Praktischer Alltagshelfer

Eines steht fest: Lastenräder haben den Sprung aus der Nische geschafft. Früher erste Wahl für ambitionierte Bastler und im ökologisch denkenden Milieu verhaftet, prägen sie heute in moderner Variante die Stadtbilder. Der überwiegende Teil geht mit elektrischem Antrieb über die Theke – bei einem durchschnittlichen Gewicht von oft über 50 Kg keine Überraschung.

Tipp 1: Bedarf bestimmen und abgrenzen

Die erste Frage, die sich potentielle Käufer stellen sollten, ist die nach dem häufigsten Verwendungszweck. Dient das Rad ausschließlich als Einkaufshelfer oder sollen auch Nachwuchs oder Haustier als Passagier zusteigen?

Für reine Cargo-Räder, die ausschließlich Gegenstände von A nach B bringen, eignen sich spezielle Ausfertigungen, die beispielsweise von der Firma Urban Arrow für Liefer- und Kurierdienste entwickelt wurden. Viele Käufer planen aber einen vollwertigen Ersatz für die Familienkutsche und wollen sich mit Kind und Kegel damit fortbewegen. In diesem Fall bieten sich die klassischen Lastenräder mit charakteristischer offener „Wanne“ an. Je nach Anzahl und Alter der Mitfahrer sollte eine zweite Sitzbank in Betracht gezogen und in jedem Fall ein Regenschutz angeschafft werden. Diesen bietet fast jeder Hersteller als Zubehör an.

Tipp 2: Den richtigen Antrieb wählen

Reine Muskelkraft oder mit „Rückenwind“ - wie Neulinge das Fahrgefühl mit Motor gerne beschreiben – ist die Gretchenfrage. Wer sportlich ambitioniert unterwegs ist, oder schlicht den saftigen Aufpreis von gut und gerne 50% scheut, wählt die motorlose Variante. Das Rad wird dadurch leichter, verliert an Attraktivität bei Dieben und fördert die Kondition. Allerdings sollte diese Variante in jedem Fall mit Ladung und bergauf getestet werden – wer erlebt, wie sich 40 Kilo Rad plus 50 Kilo Zuladung, z.B. aus dem Baumarkt, am Berg verhalten, hinterfragt ggf. nochmal seine Ambitionen.

Elektrisch unterstützt zu fahren muss einem nicht peinlich sein und zeugt auch nicht von Faulheit. Vielmehr ist es bei Lastenrädern, die tatsächlich auch für „Last“ genutzt werden fast eine Notwendigkeit, um entspannt und sicher von A nach B zu kommen. Da eine Nachrüstung in der Regel nicht in Frage kommt, bietet sich ein Probewochenende an. Viele Händler haben das im Programm.

Tipp 3: Mieter nutzen – Käufer besitzen

Mittlerweile bieten viele Händler auch Dauermietverträge für Lastenräder an. Das ist besonders für diejenigen klasse, die sich wenig Sorgen um Serviceintervalle und Versicherungen machen möchten, denn in der Regel ist mit dem Mietpreis alles abgegolten. Wenn das Rad – analog zum Cabrio oder Motorrad – vornehmlich ein Sommergefährt für Familienausflüge zum Badesee sein soll, kann sich die saisonale Miete lohnen. Die Mietkosten liegen bei ungefähr 200 Euro pro Monat. Mögliche Nachteile: Am Leihrad kann man keine Veränderungen vornehmen – „Pimp my Lastenrad“ fällt also flach. Zudem fährt man in der Regel auch die Werbung des Vermieters großflächig spazieren. Das mag nicht jeder. Wer nur mal kurz reinschnuppern will: In einigen Städten kann man - zeitlich begrenzt - sogar kostenlos Lastenräder ausleihen. Wer das Rad ganzjährig nutzt und nicht bloß 1 oder 2 Jahre, macht als Käufer langfristig den besseren Schnapp. Doch nicht jeder möchte oder kann 4.000 – 6.000 Euro (je nach Modell und Ausstattung) auf den Tisch legen. Wer dennoch kaufen möchte, kann auch nach Händler- und Bankkrediten schauen. Bei der ING darf dafür sogar der zinsgünstige Autokredit verwendet werden.

Tipp 4: Gut sichern – gut versichern!

Der hohe Kaufpreis erfordert auch eine entsprechende Sicherung und Versicherung auf höchstem Niveau. Lastenräder sind beliebte Objekte bei Diebesbanden – und wenn es nicht das Rad ist, wird schnell der Akku (Neupreis 400 – 800 €) oder nicht fest verschraubtes Zubehör eingesackt.

Die Hausratversicherung leistet oft nur mit starken Einschränken – wenn Fahrräder in dieser Preisklasse überhaupt mit abgesichert sind. Zudem werden oft fallende Versicherungssummen angesetzt, so dass nach wenigen Jahren nur noch ein Bruchteil des Neupreises ersetzt wird. Besser abgestimmt auf die Bedarfe sind Angebote spezialisierter Anbieter wie beispielsweise Enra. Diese schließen oft auch den Akku-Diebstahl mit ein, versprechen Mobilitätsgarantien und ersetzen auch nach Jahren noch den vollen Kaufpreis.

Ein Schloss mit Sicherheitsstufe 12 und mehr ist ebenfalls Pflicht. Die eingebauten Speichenschlösser sichern das Rad vorm spontanen Aufsteigen, ringen professionellen Banden aber nur ein müdes Lächeln ab. Hier bieten sich massive Kettenschlösser an. Für normale Räder wegen des Gewichts oft uninteressant, schätzen Lastenradfahrer sie wegen ihrer Flexibilität. Gold wert, wenn das Rad mit dem Rahmen angeschlossen werden soll und die Wanne für zusätzlich Abstand sorgt. Motorradketten wie das Abus City Chain X mit der höchsten Sicherheitsklasse 15 sind eine gute Investition.

Tipp 5: Konsequent von A bis Z – wer Öko denkt, tankt Ökostrom

Fast eine Selbstverständlichkeit: Jeder, der mit dem Lastenrad in die Elektromobilität einsteigt und das auch der Nachhaltigkeit halber tut, sollte einen Blick auf den persönlichen Strommix werfen. Der Effekt ist selbstverständlich geringer als bei einem E-Auto, aber auch das regelmäßig bewegte E-Lastenrad braucht 1-2 Ladungen pro Woche. Fließt hier Kohlestrom, ist die Emission nur verlagert.

Da viele aber genau auf solche Punkte achten, haben mittlerweile auch einige Länder und Kommunen das Lastenrad als förderwürdiges Gefährt entdeckt. Hier bietet sich ein kurzer Check an ob auch die eigene Stadt mitmacht.

Eine echte Alternative

Wer die Tipps beachtet, tut sich leichter, das richtige Rad zu finden und viel Freude daran zu haben. Die initiale Investition ist einem gebrauchten Kleinwagen ebenbürtig – und es sollten auch ca. 300 € laufenden Kosten pro Jahr für Strom, Wartung und Reparaturen einkalkuliert werden. Auch wenn das Lastenrad sich nicht mit einem Auto vergleichen lässt, ist es doch für den Stadtverkehr eine sportliche und nachhaltige Alternative.

Autor: ING