Das sollte Sie über LNG wissen

Fragen und Antworten zum Energieträger

Durch den Krieg Russlands gegen die Ukraine ist die deutsche Gasversorgung in den Fokus gerückt. Genauer gesagt: Unsere große Abhängigkeit von russischem Gas. Um diese zu verringern, soll nun vermehrt Flüssigerdgas (LNG) zum Beispiel aus den USA genutzt werden. Wir klären die sieben wichtigsten Fragen zur „neuen“ Energieversorgung.

Inhaltsverzeichnis
  1. Was ist LNG?
  2. Warum brauchen wir mehr Flüssigerdgas?
  3. Wie kommt LNG nach Deutschland?
  4. Wann könnten wir eigene Terminals haben?
  5. Kann LNG russische Gaslieferungen ersetzen?
  6. Ist LNG teurer als Pipeline-Gas?
  7. Wie klima- und umweltschädlich ist LNG?

Was ist LNG?

LNG steht für „Liquefied Natural Gas“, auf Deutsch „verflüssigtes Erdgas“. Dafür wird das Gas mit seinem Hauptbestandteil Methan zunächst auf unter minus 161 Grad Celsius abgekühlt, bis es flüssig wird und auf ein Sechshundertstel seines Volumens schrumpft. Auf diese Weise können sehr große Mengen LNG in Tankschiffen rund um den Globus geliefert werden. An den LNG-Terminals wird die Flüssigkeit erwärmt und verdichtet, also zu Erdgas wiederaufbereitet. Dieses wird danach ins Gasnetz eingespeist, um Wärme in Heizungsanlagen zu erzeugen. Zudem fahren Schiffe und Lkw mit dem verflüssigten LNG als Kraftstoff. Es ist nicht zu verwechseln mit dem komprimierten Erdgas CNG, also „Compressed Natural Gas“, das ohne nennenswerte Aufbereitungsschritte als Kraftstoff nutzbar ist.

Warum brauchen wir mehr Flüssigerdgas?

Hintergrund ist der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine – Deutschland will so schnell wie möglich unabhängig vom russischen Gas werden. Russland ist bisher Hauptlieferant für fast alle EU-Staaten. Deutschland bezog 2021 rund 55 Prozent seines Erdgases von dort, 30 Prozent kamen aus Norwegen. Doch inzwischen drosselt Kremlchef Wladimir Putin die Erdgas-Lieferungen nach Europa. LNG soll einen möglichst großen Teil des Erdgas-Bedarfs decken, der hierzulande rund 95 Milliarden Kubikmeter jährlich beträgt.

Wie kommt LNG nach Deutschland?

Deutsche Energieversorger beziehen LNG bisher über Importterminals in den Nachbarländern, zum Beispiel in Rotterdam (Niederlande), Zeebrugge (Belgien) und Dunkerque (Frankreich). In Europa stehen derzeit 37 LNG-Terminals, 26 davon in Mitgliedstaaten der EU, die Gas vor allem aus den USA, Katar, Nigeria und Algerien empfangen. Bauvorhaben für LNG-Terminals in Deutschland wurden vor Jahren eingestampft.

Wann könnten wir eigene Terminals haben?

Angesichts drohender Lieferausfälle aus Russland setzt die Bundesregierung nun alles daran, die Vorsorge in Deutschland zu sichern. So hat sie für fast drei Milliarden Euro vier schwimmende LNG-Terminals bestellt. Zum Jahreswechsel soll die erste Anlage im niedersächsischen Wilhelmshaven in Betrieb gehen, Anfang 2023 eine weitere in Brunsbüttel (Schleswig-Holstein). Bis Mai 2023 sollen die anderen zwei folgen, möglicherweise im niedersächsischen Stade, in Hamburg oder in Rostock (Mecklenburg-Vorpommern). Geplant sind auch stationäre LNG-Terminals, die aber laut Energieministerium in Hannover frühestens ab 2025 betriebsbereit sein können. Kostenpunkt eines Terminals: rund eine Milliarde Euro.

Kann LNG russische Gaslieferungen ersetzen?

Es ist schwierig, kurzfristig mehr LNG zu bekommen – oft beruhen Lieferverträge auf einer langen Laufzeit. Ein geplantes Gasabkommen zwischen der EU und den USA soll nun sicherstellen, dass zusätzliche 15 Milliarden Kubikmeter LNG an Europas Küsten landen. Auch Deutschland sucht fieberhaft nach Gaslieferanten. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) hatte bereits im März eine Energiepartnerschaft mit Katar abgeschlossen. LNG könnte bis zu zwei Drittel der derzeitigen Erdgasimporte aus Russland ersetzen, schätzt Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD). Als weiteres Mittel schlägt das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin kurzfristige Kampagnen zum Energiesparen vor: Privathaushalte sollten etwa weniger stark heizen als gewohnt und weniger Warmwasser verbrauchen.

Ist LNG teurer als Pipeline-Gas?

Ja, LNG wird am Gasmarkt in der Regel zu höheren Preisen gehandelt. Ein Grund ist der höhere Aufwand, um Flüssigerdgas zu produzieren, zu transportieren und aufzubereiten. Zudem treibt der international steigende Bedarf an LNG vorerst die Preise – vor allem von asiatischen Ländern, die nicht an Pipelines angebunden sind. Die Versorgung dürfte daher teurer werden als mit herkömmlichem Gas. Mittelfristig erwarten Experten eine Entspannung sowohl auf der Angebots- als auch auf der Nachfrageseite. Denn Länder wie Deutschland wollen künftig mehr erneuerbare Energien einsetzen.

Wie klima- und umweltschädlich ist LNG?

Grundsätzlich handelt es sich bei LNG um einen fossilen Brennstoff, der bei seiner Verbrennung CO2-Emissionen freisetzt. Eine große Rolle spielt, wie LNG gefördert wird: Die USA etwa gewinnen das Gas mit dem umstrittenen Fracking-Verfahren. Wenn Methan aus tiefem Gestein gefördert wird, entweicht das Treibhausgas in die Atmosphäre. Eine Studie der Cornell University in Ithaca (New York, USA) von 2019 macht den Fracking-Boom in den Vereinigten Staaten für den Anstieg der weltweiten Methanemissionen verantwortlich. Bisher ist unklar, wieviel Fracking-Gas nach Deutschland kommen wird.

Auch als Schiffskraftstoff ist LNG umstritten. Die unabhängige Organisation International Council on Clean Transportation (ICCT) kam 2020 in einer Studie zum Ergebnis, dass LNG als Treibstoff deutlich höhere Treibhausgasemissionen erzeugt als Marinediesel. Methan bleibt zwar nicht so lange in der Atmosphäre wie Kohlendioxid (CO2), aber über einen Zeitraum von 20 Jahren erwärmt es die Erde rund 80-mal stärker als CO2.

Die Bundesregierung betont jedoch, dass Flüssigerdgas nur eine Übergangslösung ist – und die LNG-Infrastruktur danach für Wasserstoff bereitstehen soll.

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