Minuszins-Kredite

Ein unmoralisches Angebot? Auf jeden Fall ein verlockendes

Weniger Geld zurückzahlen müssen, als man sich geliehen hat: Wenn das nicht nach Glückstreffer klingt! Internetportale locken mit sogenannten Minuszins-Krediten, die auf diese Weise funktionieren. Ein Geschäft, das Kunden mit Vorsicht eingehen sollten.

Negativzinskredite: Wer und was steckt dahinter?

Es gibt Internetportale, die mit dem Angebot von Negativ- oder Minuszins-Krediten Aufmerksamkeit erregen. Das Prinzip ist bei nahezu allen gleich.

Ein Beispiel: Wer die Zusage über einen Nettokredit in Höhe von 1.000 € bekommt, zahlt bei einem Zins von minus 5% am Ende der vereinbarten Laufzeit nur 947,40 € zurück. Ein Kredit, mit dem sich also unter dem Strich Geld verdienen lässt, statt – wie üblich – draufzahlen zu müssen.

Die Portale agieren dabei als Kreditvermittler und arbeiten jeweils mit verschiedenen Banken und auch anderen Kreditvermittlungsportalen zusammen. Skepsis ist hinsichtlich dieses Produkts durchaus angebracht, wie Stefanie Laag von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen bestätigt: „Keine Bank will mir etwas schenken, das sollte klar sein.“

Marketingmaßnahme statt Geldgeschäft

Etwas wiegt mehr als der Wert des Geldes, den die Banken beim Angebot von Minuszins-Krediten investieren: der Wert der Daten. Wer sich online um einen solchen Kredit bewirbt, gibt viel von sich preis. „Der Kunde muss sehr viele persönliche Angaben machen, das ist für Banken und Portale ein großer Gewinn. Die Daten lassen sich ggf. auch für Anschlussgeschäfte nutzen“, sagt Laag.

Für Andrea Heyer, Referatsleiterin Finanzdienstleistungen der Verbraucherzentrale Sachsen, zeichnet sich deutlich das Bild einer Marketingmaßnahme ab: „Mit dem Negativzinskredit wird Aufmerksamkeit erzeugt, Neukunden werden angelockt. Portale sammeln nach unserer Einschätzung somit eine erhebliche Anzahl von Kundendaten ein.“ Rechtlich betrachtet sind Minuszins-Kredite zulässig - „wir halten Versprechen wie ‚Sofortauszahlung‘ oder ‚Sofortzusage‘ von Kreditvermittlern allerdings für bedenklich“, sagt Heyer. „Das können eigentlich nur Banken selbst als Darlehensgeber.“

Übrigens: Der Kreditrahmen dieser Angebote bewegt sich üblicherweise bei maximal 10.000 €.

Ein Angebot für alle, das nicht jeder bekommt

Insgesamt betrachtet ist der Anteil an Kreditvermittlungen über die entsprechenden Portale noch gering. Aufmerksam geworden sind die Verbraucherzentralen auf sie vor allem durch Verbraucher-Beschwerden. Die drehen sich häufig darum, dass der Kunde nach Eingabe seiner Daten ein anderes Kreditangebot erhalten hat. Deren Effektivverzinsung liegt teilweise bei 12% p.a. oder höher. „Man muss sich die Voreinstellungen auf der Internetseite der Kreditportale genau ansehen“, sagt Andrea Heyer. „Teilweise sind andere Voreinstellungen bei der Höhe des Darlehens und der Laufzeiten vorgegeben. Dann hat der Kredit andere und eben auch höhere Zinskonditionen. Wer das übersieht, bekommt ein anderes Angebot.“ In Deutschland sind Banken zudem verpflichtet, die Kreditwürdigkeit zu prüfen. Auch die Bonität eines Kunden beeinflusst die Konditionen eines Kredits.

Wer macht mit dem Minuszins-Kredit ein Plus?

Auch wenn Skepsis und Vorsicht berechtigt sind: Gänzlich abgestraft werden muss der Minuszins-Kredit nicht. Unter Umständen kann er kurzfristig hohe Dispo-Zinsen abfedern, wenn das Konto überzogen ist. Wobei nicht vergessen werden darf, dass der Kredit in der vereinbarten Laufzeit trotzdem abgezahlt werden sollte.

Finanzdienstleistungs-Expertin Andrea Heyer nennt noch einen Grund, wann ein Minuszins-Kredit sinnvoll in Anspruch genommen werden kann: „Wenn man Geld verdienen will, also aus Sicht eines Sparers.“ Prinzipiell kann ein solcher Kredit empfehlenswert sein, wenn der Kreditnehmer ihn vertragsgemäß zurückzahlen kann. Er sollte nicht der Anfang einer langfristigen Verschuldung sein.

Außerdem wird jeder Kredit einer Wirtschaftsauskunftei wie der Schufa gemeldet. Beantragt der Darlehensnehmer zu einem späteren Zeitpunkt einen weiteren Kredit, können die dortigen Einträge die Vergabe beeinflussen.

Autor: ING