Pflege in Deutschland

Wovon Pflegebedürftige und Angehörige künftig profitieren

Beim Thema Pflege gibt es viele Aspekte, die in Deutschland verbesserungswürdig sind. Auch die Frage, wie gute Pflege überhaupt aussieht, treibt Betroffene und Nahestehende gleichermaßen um. Doch es tut sich etwas – von einigen Neuerungen profitieren vor allem die Angehörigen.

Es ist eine der zentralen Fragen unserer Zeit: Wie sieht gute Pflege heute und angesichts einer weiter alternden Gesellschaft in Zukunft aus? Fakt ist: Es gibt derzeit einige Probleme wie Personalmangel in der Alten- und Krankenpflege, hohe Kosten und Belastungen von Angehörigen – doch für all das wird derzeit nach Lösungen gesucht. Die Politik diskutiert dieser Tage Maßnahmenpakete, schafft finanzielle Entlastung für Angehörige und auch die Krankenkassen widmen sich der Thematik. Ein Überblick, was sich bei dem „Pflegefall“ Pflege derzeit alles tut.

Neuer Pflege-TÜV sorgt für Transparenz

Immer wieder tauchen in der Presse Berichte über unzumutbare Zustände im deutschen Pflegsektor auf. Viele kennen Horrorgeschichten von Bekannten, Freunden oder Familie aus den Heimen. Menschen, die auf der Suche nach einem geeigneten Platz für Angehörige oder sich selbst sind, soll die Suche zukünftig erleichtert werden. Die deutschen Krankenkassen haben gemeinsam einen neuen Pflege-TÜV eingeführt, der bundesweit die Qualität der rund 14.500 Pflegeheime eindeutiger bewerten soll. Die Datensammlung hat dazu bereits Anfang Oktober begonnen. Hintergrund ist die jahrelange Kritik an dem alten Pflege-TÜV. Demnach erhielten Heime oft Bestnoten, obwohl sich kaum ablesen ließ, wie gut die Versorgung der bundesweit rund 700.000 Heimbewohner wirklich war. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn brachte es erst kürzlich auf den Punkt: „Der bisherige Pflege-TÜV war leider eine Farce.“ Künftig gehe es darum, wie es den Bewohnern wirklich geht. Auch Andreas Westerfellhaus, Pflegebevollmächtigter der Bundesregierung, sieht in der Reform eine echte Chance: „Endlich wird der Bürger Transparenz über wahre Pflegequalität erhalten und nicht nur, ob ein Pflegeheim gut Akten führen kann“, sagte er gegenüber der „Passauer Neuen Presse“.

Den Pflegesektor durch Mindestlöhne attraktiver machen

Kritik an dem Pflege-TÜV äußerte unter anderem die Partei Die Linke, da das Grundproblem des Personalmangels nicht behoben werde. Besonders deutlich wird dies bei einer Gegenüberstellung der Zahlen von Pflegebeschäftigten und –bedürftigen: Nach Zahlen des Statistischen Bundesamts stieg die Zahl der pflegebedürftigen Menschen in Deutschland zwischen 2007 und 2017 um über die Hälfte auf 3,4 Millionen an. Demgegenüber standen nur 1,6 Millionen Angestellte in der Alten- und Krankenpflege – 40.000 Stellen sind derzeit unbesetzt.

Doch auch hier tut sich etwas: Im Sommer stellte die Bundesregierung ein Maßnahmenpaket zur Reformierung der Pflege vor und lieferte damit Antworten darauf, wie der Personalmangel in Zukunft bekämpft werden soll. Zum Beispiel soll ein differenzierter Mindestlohn für Hilfs- und Fachkräfte Pflegeberufe insgesamt attraktiver machen. Derzeit liegt der Anfang 2019 eingeführte Pflege-Mindestlohn bei 11,05 Euro in West- und 10,55 Euro in Ostdeutschland. Er wird zum 1. Januar 2020 jeweils um 30 Cent erhöht werden. Geplant ist für die kommenden Jahre zudem eine Ausbildungsoffensive, die junge Leute für die Pflege begeistern soll. „Es muss cool werden, Pflegekraft zu sein“, sagte Familienministerin Franziska Giffey bei der Vorstellung der Pläne.

Angehörige von Pflegebedürftigen finanziell entlasten

Doch ein Problem bleibt: Ein Heimplatz in Deutschland ist teuer. Im Schnitt kostet die Pflege, Unterkunft, Verpflegung und Investitionen in den Pflegeeinrichtungen nach Daten des Statistischen Bundesamts von monatlich 1.822 Euro – im Pflegegrad 1 wohlbemerkt. Bis zum höchsten Pflegegrad (5) steigt dieser Wert auf 3.350 Euro an. Derzeit sind laut Bundesministerium für Arbeit und Soziales 230.000 Heimbewohner auf Sozialhilfe angewiesen sind. Mussten allerdings bis vor kurzem mitunter auch Angehörige für die Kosten aufkommen, sollen Bezieher von Bruttoeinkommen unter 100.000 Euro künftig von einer solchen finanziellen Belastung befreit sein. Das Credo des Gesetzesentwurfs: „Pflege von Eltern soll nicht arm machen“, heißt es von der Bundesregierung. Das Angehörigen-Entlastungsgesetz wurde im Bundestag bereits diskutiert und soll ab Januar 2020 greifen.

Unterstützungsmöglichkeiten kennen und nutzen

Wer sich für den Weg eines pflegenden Angehörigen entscheidet, findet auf dem neuen Informationsportal „An deiner Seite“ des Apothekenmagazins „Senioren Ratgeber“ ehrliche Erfahrungsberichte, wichtige Anträge und weitere Hilfestellung rund um das Thema. Besonders diejenigen, die unvermittelt mit einer Pflege-Situation konfrontiert sind, werden sich zunächst einem Bürokratie-Dschungel gegenübersehen. Hier zu durchblicken, worauf Pflegebedürftige Anspruch haben, fällt schwer. Chefredakteurin Claudia Röttger weiß, dass es viele Leistungen gebe, über die man sich gut informieren müsse. „Allein zum Thema Hilfsmittel haben wir eine große Übersicht erstellt. Denn Hilfsmittel sollen körperliche Defizite ausgleichen, und viele von ihnen werden von der gesetzlichen Krankenkasse bezahlt. Dazu gehören zum Beispiel Produkte für die Sicherheit, für die Körperpflege wie Hygieneprodukte, für die Mobilität wie zum Beispiel Gehhilfen oder auch ein Rollstuhl.“

Steuerentlastung für pflegende Angehörige

Derzeit werden mehr als 2,5 Millionen Menschen in Deutschland zu Hause gepflegt – der Großteil von Angehörigen. Für diese Fälle bietet der Fiskus steuerlich Entlastungen – zumindest wenn bei der pflegenden Person der Vermerk „H“ im Behindertenausweis steht oder sie den Pflegegrad 4 oder 5 bescheinigt bekommen hat. Außerdem muss sie in der eigenen oder der Wohnung des Pflegers leben. Der Pfleger selbst muss ein Angehöriger oder sehr nahe stehend sein. Sind diese Voraussetzungen erfüllt, lässt sich ein Pflege-Pauschbetrag von 924 Euro pro Jahr unabhängig von tatsächlich angefallenen Aufwendungen geltend machen, erklärt die Lohnsteuerhilfe Bayern. 

Autor: ING